The Kokomo Kings aus Schweden gießen sozusagen noch Benzin ins Feuer.
"Fighting Fire With Gasoline" ist deren drittes Album. Vorgänger sind "Too Good To Stay Away From" und "Artificial Natural".
Auf deren Website steht so etwas wie das Motto des Quartetts »doin' the low down boogie«
Laut Plattenfirma Rhythm Bomb Records erwartet uns »[…] Lo-Fi Rhythm & Blues […]«
Hinzu kommt noch »[…] a teacup of swamp pop, a tablespoon of hillbilly and a pound of profane, ecstatic gospel […]«
Zur Einordnung gehört auch: »[…] This ain´t Nothing but primitive, groovy Saturday-night music made for dancing. […]«
Okay, dann soll sich die Tanzfläche füllen.
Dazu muss man in der Tracklist nicht lange suchen, denn bei "The More I Get, The More I Want" fühlen sich schon die ersten Anwesenden motiviert, das Tanzbein zu schwingen. Kurz und knapp lassen es The Kokomo Kings krachen und grooven. Hoppla, da hören wir auch noch einen kompetent singenden Martin Abrahamsson und das Gitarren-Solo hat genau die richtige Schärfe, um das Blues-Feuer weiter zu schüren. Klasse Eröffnung!
Die Tanzfläche füllt sich weiter, denn "I Thought I Was A Patient Man" macht genau dort weiter, wo der Opener aufgehört hat. Wie im ersten Track lässt es sich der Sänger nicht nehmen, seine Stimme etwas zu verfremden. Toll!
Man wechselt das Ambiente und setzt das Bottleneck ein.
Nicht nur irgendwie, sondern bei dem Klang dieser Slide-Gitarre kommt einem Hound Dog Taylor in den Sinn. "The Rich Man’s Pocket" ist auch rhythmisch so ausgelegt, wie man es vom Slide-Meister des staubig-unaufgeräumten Klangs kennt. Da kommt gleich noch größere Freude auf. Mehr davon, The Kokomo Kings!
Bei der umfassenden Beschreibung ihrer Musik ließ der Vierer wohl etwas unerwähnt, denn sie können auch prächtig Rock’n’Roll-Stimmung versprühen. So zum Beispiel bei "Tornadohead", einem Titel, der auch entsprechend flott aus den Lautsprechern kommt.
Diesen musikalischen Faden greift den Combo nochmals auf. Da ist dann "Fooled By The City Lights" angesagt. Was die E-Gitarren-Soli angeht, steht man auf den schon erwähnten scharfen Sound der sechs Saiten und die Alleingänge passen perfekt ins Song-Arrangement. Super!
The Kokomo Kings haben es mit Fisch.
Gleich in zwei Nummern kommt dieses Wort vor. Einerseits ist es "The Fish Won’t Bite", bei dem das Sechssaiter-Solo so scharf wie Haifischzähne ist. Außerdem kommt man in den Genuss von ein wenig Chorgesang, der hier gut ankommt. Andererseits handelt es sich um "A Big Pile Of Fish" mit twangiger E-Gitarre und einem klasse getrommelten Daniel Winerö-Beat. Beim Blick auf die Tanzfläche ist dort immer noch ordentlich Betrieb.
Ganz gleich, wo man sich bei der vorliegenden Platte einklinkt, man landet immer einen Treffer.
Retro-R&B oder als Hauptüberschrift, -Blues, der sich immer lohnt.
"Fighting Fire With Gasoline" ist genau der richtige Titel für diese Scheibe.
Da gleitet die The Kokomo Kings-Visitenkarte mit allen genannten Additiven wie auf einem Luftposter über die Theke und landet genau vor einem Gläschen Aquavit. Die Party dauert nur eine gute halbe Stunde, aber wofür hat die Anlage eine Repeattaste.
Die Formation bedankt sich bei vielen Leuten und etwas abgewandelt könnte man auch sagen: Gehöre auch zu den »[…] koko-heads […]«.
Line-up The Kokomo Kings:
Ronni Auðar-Boysen (guitar, maracas)
Daniel Winerö (drums)
Martin Abrahamssen (vocals, guitar)
Magnus Lanshammar (bass, guitar)
Tracklist "Fighting Fire With Gasoline":
- The More I Get, The More I Want
- I Thought I Was A Patient Man
- The Rich Man’s Pocket
- Tornadohead
- Tied To The Tracks
- The Fish Won’t Bite
- Heatwave
- Fooled By The City Lights
- A Big Pile Of Fish
- If I Was An Alien
- It Ain’t My House
- Fighting Fire With Gasoline
Gesamtspielzeit: 33:19, Erscheinungsjahr: 2019



1 Kommentar
Carlo Luib-Finetti
4. August 2019 um 19:07 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Man muss die Jungs insbesondere bei einem Live-Gig erleben. Ich habe sie vor ca. einem Jahr in einem kleinen Berliner Rockabilly-Club zufällig entdeckt. Ich dachte, wieso nicht mal wieder Rockabilly hören. Und dann: die Jungs konnten den Rockabilly sehr, sehr bluesig spielen und brachten in das auf Rockabilly fixierte Publikum so geschickt Blues-Nummern ein, dass es gar nicht auffiel, und die Leute ausgelassen dazu tanzten und gar nicht wahrnahmen, dass da Blues gemacht wurde. Erdig, schwitzden, ursprünglich, nach dem Motto: The Blues Got A Baby And They Named It Rock’n Roll. Wie gesagt: wenn möglich, zu einem Live-Konzert gehen!