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The Paddy Boy Zimmermann Band / Smokestack Charlie – Konzertbericht, 11.01.2026, Zaal Thijssen, Deurne-Vlierden (NL)

Einen Musiker an zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden Tagen zu erleben, hat wohl Seltenheitswert.
Der Schlagzeuger Jan-David Wienstroer war Teil von zwei ganz unterschiedlichen Acts.
Einerseits am 10. Januar 2026 beim Wienstroer W3 Projekt-Konzert und am 11. Januar im Line-up von The Paddy Boy Zimmermann Band.
Diese Bikkel Blues-Ausgabe war international besetzt.
Die fünfköpfige Formation Smokestack Charlie kommt aus Belgien und The Paddy Boy Zimmermann Band aus Deutschland.
Das Trio um den Frontmann Paddy Boy Zimmermann brachte im Jahr 2024 das Album The Paddy Boy Zimmermann Band auf den Markt. Ein halbes Dutzend Songs von der Platte befanden sich in der Setlist des Bikkel Blues-Gigs.
Einigen Coversongs rundeten den einhundertminütigen Auftritt an.
Den Anfang dieses Konzert-Events machte Smokestack Charlie.
Die Combo um den Sänger Den Huibbe präsentierte ausschließlich Fremdkompositionen mit deutlich eigenen Akzenten.
Ihre Musik stellt die Band unter das Motto »[…] High Energetic Raw Blues […]«.

Smokestack Charlie im Januar 2026 beim Bikkel Blues in Deurne-Vlierden

Smokestack Charlie im Januar 2026 beim Bikkel Blues in Deurne-Vlierden

Smokestack Charlie brachte die Blues Party im Zaal Thijssen ganz schön in Schwung.
"Got The Love If You Want It" und das von Willie Dixon komponierte "Spoonful", natürlich bekannt durch unter anderem Howlin' Wolf oder Cream waren Anlass für ersten Beifall für das Quartett.
Gitarrist Raffe Claes, den man auch in Verbindung mit Black Cat Bisquit bringt, sowie die aus Brüssel angereiste Harperin Geneviève Dartevelle ließen bereits bei ihren ersten Soli aufhorchen. Geneviève Dartevelle sorgte durch ihre Einsätze schon zu Beginn des Auftritts für einen Wow-Effekt. Da wartete man ganz gespannt auf ihre nächsten Beiträge.

"Smokestack Lighting", im Original ebenfalls von Howlin' Wolf, verpasste der Sänger Den Huibbe mit seiner angerauten Stimme perfekt in Szene gesetztes Wolfsgeheul. Gänsehaut. Bei dieser Nummer mündete ein Fade-Out in die letzten Töne des Bassisten Willy Voordeckers. Klasse!

Harp furios. Geneviève Dartevelle hatte schon am Anfang des Gigs für Aufsehen gesorgt.
Bei Liedern, die von Harpern komponiert wurden, trat sie ganz besonders in den Fokus des Interesses.
So bei "My Babe" von Little Walter, "No Fightin'", das von Lester Butler (The Red Devils) komponiert wurde, Slim Harpos "Teenaneenanu" oder Frank Frosts Chicago Shuffle "My Back Scratcher".
Das magische Spiel von Geneviève Dartevelle war großartig, beeindruckend, imponierend. Bei ihrer Kanzellen-Zauberei sah man virtuell immer wieder Konfetti von der Decke auf die Bühne regnen.

Wie aus ihrer Biografie auf ihrer Website hervor geht, spielt und spielte sie in einer langen Liste von Bands und das Publikum durfte sich glücklich schätzen, eine solch herausragende Mundharmonikaspielerin live erlebt zu haben. Zwei Daumen hoch reichten da nicht aus.
Gemeinsam mit dem Gitarristen Raffe Claes, der den Tracks mit seinen Soli ebenfalls eine individuelle Prägung verlieh, begeisterte sie durch Frage-Antwort-Intermezzi und ihre große Klasse auf dem Mississippi-Saxofon muss nochmals Erwähnung finden. Aus meiner Sicht gehört Geneviève Dartevelle zu den Top Harperinnen in ganz Europa beziehungsweise der USA, wo sie auch schon aktiv war. Zum Beispiel mit Tail Dragger, den RockTimes 20214 beim Blues in Zyfflich live erleben durfte.

Den Huibbe, der tolle Sänger von Smokestack Charlie.
Mit seiner Stimme konnte er ordentlich Punkte auf seinem Konto vereinen. Er verstärkte seinen Gesang durch stetige Körpersprache. Dabei waren seine Arme so aktiv wie in der Art eines Joe Cocker und wenn Geneviève Dartevelle oder Raffe Claes ihre Soli vom Stapel ließen, dann tanzte Den Huibbe den Blues beziehungsweise Blues Rock.

Den Huibbe sorgte auch auf andere Weise für eine Überraschung, wenn er zusätzlich auch noch durch ein Fahrradlampenmikrofon sang. Dieses spezielle Mikrofon brachte natürlich auch Geneviève Dartevelle zum Einsatz.
Smokestack Charlie trieb die Stimmung im Auditorium ganz besonders in die Höhe, als es um den "Boom Boom"-Boogie von John Lee Hooker ging. In Bo Diddleys "Pretty Thing" versah Geneviève Dartevelle den von Den Huibbe gesungenen Text mit einem Harp-Echo und bei "Don’t Start Cryin' Now" mit Rock’n’Roll-Auslage lief Raffe Claes zur Hochform auf.

Die Rhythmus-Abteilung mit Bassist Willy Voordeckers sowie Robert Theys am Schlagzeug sorgte für ein perfektes Fundament für den Blues und Blues Rock von Smokestack Charlie.
Inklusive "I Wish I Would"-Zugabe brachte das Quartett innerhalb von eineinhalb Stunden durch gut interpretierte Coversongs klasse Stimmung in den Zaal Thijssen.


Line-up Smokestack Charlie:

Den Huibbe (vocals)
Robert Theys (drums)
Willy Voordeckers (bass)
Raffe Claes (guitar, backing vocals)
Geneviève Dartevelle (harmonica)

The Paddy Boy Zimmermann Band im Januar 2026 beim Bikkel Blues in Deurne-Vlierden

The Paddy Boy Zimmermann Band im Januar 2026 beim Bikkel Blues in Deurne-Vlierden

Bühne frei für The Paddy Boy Zimmermann Band.
Nach dem instrumentalen Intro "Stargazer" mit einem Drum-Blitzlicht von Jan-David Wienstroer nahm der spektakuläre Gig des Trios mit "Into The Blood" Blues Rock-Formen an.
Über Bewegung konnte man beim Bandleader nicht meckern. Mal am linken Bühnenrand, mal auf der rechten Seite, pendelte der Musiker auf der großzügigen Bühne hin und her. Nur bei seinem Gesang, dem es an Energie nicht mangelte, schränkte Paddy Boy Zimmermann seine Rastlosigkeit ein.

Der Blues Rock von The Paddy Boy Zimmermann Band verfügte über eine unglaubliche Dynamik, die sich nicht nur in der Fingerfertigkeit des Gitarristen, sondern auch beim Bassisten Rupi Schwarzburger sowie Jan-David Wienstroer widerspiegelte.
Da ging es richtig rund. Anlässe für Szenenapplaus bei den Soli und Beifall nach jedem Song gab es reichlich.

Neben den Songs aus dem Album "The Paddy Boy Zimmermann Band" gab es auch einen Ausblick auf eine kommende Live-Veröffentlichung.
Da stand der Slow Blues ganz weit oben auf der Agenda. "Blue", ein kurz und knapp gehaltener Songtitel mit einer ganz großen Wirkung. Ein Instrumental mit fantasievoller Melodie verziert, machte die Runde und dieser Track hatte die Wirkung von Balsam auf die Seele. Highlight!

»[…] Kein Risiko, keinen Spaß […]« meinte der Bandleader, als er die Nummer "Mean Machine" ankündigte. Ein Lied, welches die Combo erst einmal gespielt hatte. Riffiger Blues Rock, gefüttert vom Rock’n’Roll, trieb die eh angenehme Temperatur in der tollen Location höher. Aus meiner Sicht auch ein Lied für die zukünftige Platte. Beste Werbung.

Apropos Slow Blues. "Spaghetti In The Night". Ganz langsam, ohne einen Löffel, wickelte das Trio den klanglichen Genuss um die Gabel. Ein instrumentaler Track, der das Zeug zu einem Band-Klassiker hat.
Paddy Boy Zimmermanns Fretboard-Fahrten waren ebenfalls ein Vergnügen der besonderen Art. Aufwühlend, energetisch, kraftvoll, druckvoll und wuchtig, aber immer mit einer enormen Portion Feeling.

Jan-David Wienstroer, der Mann für alle Felle.
Gemeinsam mit Tiefton-Spezialist Rupi Schwarzburger war Jan-David Wienstroer der Antreiber, der Dynamo des Blues Rock. Bei den verlangsamten Versionen des Zwölftakters glänzte der Schlagzeuger durch dezentes Drumming.
Durch die rhythmische Faszination prägte er die Stücke.
Rupi Schwarzburger nutzte für sein melodisches Spiel das gesamte Griffbrett des schwarzen Tieftöners und sowohl er als auch Jan-David Wienstroer hätten sich auch durch einen Alleingang in Position bringen können.

Rory Gallagher war auch Thema. In der Einheizer-Nummer "Laundromat" zückten viele Leute im Publikum ihre Handys und drückten für ein Video auf die Playtaste. Das Stück hatte es verdient, auf diese Weise festgehalten zu werden. Ein Song-Highlight war auch der "Cradle Rock", den Paddy Boy Zimmermann mit einem Bottleneck-Intermezzo krönte.
"That Big Blues" war wahrlich ein ganz großer Blues. Es brauchte keinen Coversong, um die infizierende Wirkung eines Boogie hervorzuheben. Beim "Brick Wall Boogie" gab es eine Phase, in der sich Paddy Boy Zimmermann ganz alleine präsentierte, also ohne Bassisten und Drummer. Super!

Im Slow Blues "It Hurts Me Too" begab sich der Gitarrist mit Streicherklängen sowie phasenweise minimierter Lautstärke auf große Fretboard-Reise. Wieder ein Gig-Höhepunkt.
Beim "Alive Shuffle" begleitete das Publikum die Band mit rhythmischem Klatschen und "Scrambled Egg" rührte man mit Funk auf. "Platform Two" widmete das Trio den Rolling Stones.

Die Zugabe enthielt gleich zwei Songs. Los ging es mit Jimi Hendrix' "Spanish Castle Magic" und zwei Paddy Boy Zimmermann-Show-Einlagen. Er spielte seinen roten Sechssaiter mit den Zähnen und dann hinter dem Kopf. Die Ballade "Way To Soon" ließ den Auftritt, trotz Steigerung der Dynamik und furiosem Finale, doch besinnlich ausklingen.

Bei The Paddy Boy Zimmermann Band kam man ins Feiern und die Hochstimmung sorgte für eine tolle Blues-Party.
Bei diesem Gig zeigte sich, wie ein Trio mit einem ganz besonderen Blick auf das Genre für Begeisterung sorgte.
»[…] Hammer! […]«, wie Johan, einer der Bikkel Blues-Organisatoren, nach dem Gig meinte.

Ein Lob geht an Mies Sleegers von msm music services für den klasse Sound und die Lighshow.
RockTimes bedankt sich bei Leo Gabriëls für den Platz auf der Gästeliste.
Am 01. März werden Fat Harry & The Fuzzy Licks sowie die Luca Holkenborg Band beim Bikkel Blues erwartet.

Bildnachweis für alle Bilder des Events: © 2026 | Joachim Brookes | RockTimes


Line-up The Paddy Boy Zimmermann Band:

Paddy Boy Zimmermann (vocals, guitars)
Rupi Schwarzburger (bass)
Jan-David Wienstroer (drums, backing vocals)

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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