Die Geschichte der aus Kaiserslautern stammenden und auch dort gegründeten The Sexy Drugs begann bereits im Jahr 2001, als sich der Gitarrist und Sänger David Independence sowie der Schlagzeuger Johnny Swordfight in einem Club kennenlernten, wo beide als DJs arbeiteten. Bis 2010 entstanden, abgesehen von den beiden genannten Konstanten, in unterschiedlichen Besetzungen die drei Alben "Saturday Scene" (2006), "Dirty Kisses" (2009) sowie "Concrete Jungle Lovers" (2010), bevor es an der Plattenfront etwas ruhiger wurde. Eine 2017 eingespielte vierte Scheibe fiel dem Missfallen der Band mit der Arbeit des damaligen Toningenieurs zum Opfer und wurde nie veröffentlicht. Nach vielen personellen Wechseln ist das Line-up der Sexy Drugs seit 2019 konstant. Die beiden Gründer werden seither von Hank Hangover an der zweiten Gitarre sowie Billie Jean Powerhouse am Bass ergänzt.
Eigentlich wollte das zu diesem Zeitpunkt neue Quartett bereits vor fünf Jahren wieder so richtig durchstarten, wurde aber – wie so viele andere Bands – von der Pandemie ausgebremst. Die ersten Live-Shows der neuen Besetzung fanden 2022 statt und im vergangenen Jahr wurde nach strammen 14 Jahren das neue Studioalbum "Reckless Memories" eingespielt. Und darauf macht der Vierer jede Menge Alarm. Die Songs mäandern zwischen hartem Rock und und guten poppigen Melodien. Am treffendsten ist wohl die Bezeichnung moderner Fun Punk, wobei sich die Pfälzer von den vielen amerikanischen Bands dieser Stilrichtung dadurch unterscheiden, dass ihre Tracks dann doch mit deutlich mehr Ecken und Kanten versehen sind und auch die Texte entscheidend mehr Tiefe haben.
Die Songs rocken herrlich nach vorne und man kann den Dreck unter den Fingernägeln der Protagonisten geradezu vor dem geistigen Auge sehen bzw. in der 'geistigen Nase' riechen, während man sich von diesen elf neuen Tracks genüsslich die Gehörgänge durchspülen lässt. Highlights gibt es viele, der Rezensent ist speziell vom Titeltrack sehr angetan. Aber auch der Opener "There’s A Record Playin' (All Night Long)", "Straightjacket Calypso", "Pools Of Blood" oder "My Leatherjacket Smells Like A Gun" sind Kleinode, die live auf der Bühne mit Sicherheit jeden Laden auseinander nehmen werden. Stilistisch also weniger mit US-Bands, sondern – wenn man denn unbedingt Vergleiche benötigt – eher mit skandinavischen Bands wie The Hellacopters oder Gluecifer verwandt. Kritisieren muss der Schreiberling wieder mal die Laufzeit, denn weniger als 29 Minuten für ein komplettes Album ist schon ein bisschen dürftig. Wobei es durchaus auch genügend Musik-Freunde geben mag, die einen Fakt wie diesen eher völlig entspannt zur Kenntnis nehmen.
Um es im Fazit auf den Punkt zu bringen: Fette powervolle Rock-Songs mit einer kraftvollen Rhythmus-Abteilung, fein geradeaus rockenden Gitarren und guten Gesangslinien führen letztlich zu einem sehr gelungenen Album, das lediglich in der B-Note einen Abzug für die vielleicht fünf bis zehn Minuten zu kurze Spielzeit einfahren kann. Witzig, jedoch sehr gelungen kommt auch der Einbau der Fleetwood Mac-Nummer bzw. des Refrains von "Go Your Own Way" im 'Rausschmeißer' "One More Chance". Way to go, boys!
Line-up The Sexy Drugs:
David Independence (guitars, vocals)
Hank Hangover (guitars)
Billie Jean Powerhouse (bass)
Johnny Swordfight (drums)
Tracklist "Reckless Memories":
- There’s A Record Playin' (All Night Long)
- Juicy July
- Adrenochrome
- A Thousand Fumes
- Pools Of Blood
- My Leatherjacket Smells Like A Gun
- Straightjacket Calypso
- Reckless Memories
- Starfish
- Got It (2024 version)
- One More Chance (2024 version)
Gesamtspielzeit: 28:38, Erscheinungsjahr: 2025



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