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Thomas Leer / Contradictions – Doppel-12″-Maxi-Vinyl-Review

Warum wurde Thomas Leer bei Pillows & Prayers nicht im Text erwähnt?
Weil Thomas Leer in einer separaten Rezension gewürdigt werden soll.
Dazu kamen die beiden 12″-Maxis von "Contradictions" mit dem Album-Code ERED 26 wieder auf den Plattenteller.
Die vorliegenden Platten sind nicht zu verwechseln mit einer Wiederveröffentlichung (zum Beispiel CD BRED 105), bei der der Albumtitel "Contradictions" oben unter dem Künstlernamen steht und mehr Songs beinhaltet.

Unten auf dem Cover befindet sich die Aufschrift 'The Cherry Red Collection'.
Bereits 1979 veröffentlichte Thomas Leer gemeinsam mit Robert Rental "The Bridge".
1981 stand die Thomas Leer-12″-Maxi "4 Movements" in den Regalen.
Ebenfalls unter eigenem Namen kam 1982 "Letter From America" auf den Markt. Dieses Album enthält alle Songs von "Contradictions".
Auf dem Arista-Label folgte 1985 "The Scale Of Ten".
"4 Movements" war Thomas Leers Debüt bei Cherry Red Records.
Ende der Achtzigerjahre gab es eine Kollaboration mit Claudia Brücken (Propaganda) unter dem Namen Act.
Bis in unsere Zeit gibt es eine Vielzahl an weiteren Scheiben, unter anderem die Single "Pioneers Of Electronica" (2017) zusammen mit der Combo The Residents.

Der Tonarm senkt sich … knister, knister und schon sind wir mittendrin im Geschehen.
Der Doppelpack geht bereits mit "Hear What I Say" in die Electronica-Offensive. Da gibt es keinen Zweifel, Thomas Leer verfügt über eine sehr kompetente Stimme. Musikalisch schöpft der Musiker quasi aus dem Vollen. Das Stück pendelt zwischen Eingängigkeit und den Ecken und Kanten der Avantgarde. Eine Synthesizer-Spur klingt verdächtig nach Trompete und dann setzt noch treibende Percussion ein. Die prägen die letzte Phase des Openers. Klasse Album-Eröffnung!

Das Titelstück "Contradictions" nimmt eine ganze Plattenseite ein und bringt mit über dreizehn Minuten Spannung pur. Thomas Leer serviert uns einen extrem vielschichtigen Track, der voll – aber nicht überfrachtet – von höchst interessanten Klängen ist. Da sind sie wieder, diese hohen Töne, die einen an das oben gelistete Blasinstrument erinnern. Arrangements der Komposition werden phasenweise prominent in den Vordergrund gestellt. Der durch vielerlei Effekte verfremdete Gesang ist toll und insgesamt kommt diese Nummer mit ihrer Mixtur aus Eingängigkeit sowie fast schon Industrial-Anleihen so etwas wie dem Ziehen an den zwei Enden eines musikalischen Taus gleich. Highlight!

Nicht minder verführerisch wirkt der Künstler, wenn er sich etwas zurück nimmt und seine Hände fast schon nach balladesken Momenten ausstreckt.
Der "Gulf Steam" ist der ganz besondere Song das Album. Fast nicht zu glauben, was Thomas Leer hier ineinander flechtet. Vertrackte Rhythmik trifft auf orientalisches Ambiente und auch hier ist die verfremdete Stimme so etwas wie ein Zugewinn. Es ist das Sahnehäubchen auf dem nicht so leicht zugänglichen Song. Trotzdem ein Highlight!
Wieder etwas anderes. "Soul Gypsy" ist geschickt verpackter Funk, besonders attraktiv gemacht durch den geslappten Bass. Mit einer Portion Fantasie wäre dieser Track auch etwas für die Tanzfläche.

Komplexe Klänge machen den Mehrwert von "Contradictions" aus.
Thomas Leer macht Komplexität durchaus tanzbar.
Allerdings sollte die Tanzbarkeit nicht davon ablenken, dass Thomas Leer auf dieser Doppel-Maxi ein bemerkenswerter Sound-Tüftler war.
Vielleicht bleibt irgendwann die Zeit, um das später erschienene "The Scale Of Ten" unter die Lupe zu nehmen.
Bleibt gesund und nehmt euch zur Ablenkung Zeit für gute Musik.


Line-up Thomas Leer:

Thomas Leer (vocals, all instruments)

Tracklist "Contradictions":

Side 1:

  1. Hear What I Say
  2. Mr. Nobody

Side 2:

  1. Contradictions

Side 3:

  1. Looks That Kill
  2. Soul Gypsy

Side 4:

  1. Choices
  2. Gulf Stream

Gesamtspielzeit: 10:22 (Side 1), 13:36 (Side 2), 9:57 (Side 3), 11:36 (Side 4), Erscheinungsjahr: 1982

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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