Denkt man heute an die vor ein paar Jahren zu Grabe getragene Band UFO, dann erscheinen den meisten Musikfans doch am ehesten die glorreichen siebziger Jahre und die Alben mit Michael Schenker vor dem geistigen Auge. Davor hatte die 1968 gegründete Band eher so ihre Schwierigkeiten, den richtigen Gitarristen zu finden. Mick Bolton blieb immerhin für die ersten drei (zwei Studio- und ein Live-Album), von Fans eher ungeliebten, Alben. Wobei der Rezensent zumindest dem gleichnamigen Debüt einen gewissen Charme nicht absprechen kann. Anschließend war unter anderem Larry Wallis (später The Pink Fairies, Motörhead und weitere) für ein gutes halbes Jahr an Bord, bis die Kollegen Mogg, Way und Parker den Sechssaiter Michael Schenker weg von den Scorpions und in ihre eigene Band lotsten. Der hier zu rezensierende CD + DVD-Doppeldecker beschäftigt sich mit TV-Autritten aus den frühen Bandjahren von 1970 bis 1975 in unterschiedlichen Besetzungen.
Los geht es mit zwei Songs, die im Dezember 1970 für den Beat Club aufgezeichnet wurden. Mit "Boogie For George" ist natürlich der erste kleine Hit der Engländer vertreten, dazu eine Version von "Come Away, Melinda", einer Nummer, die die Version auf dem Debüt von Uriah Heep deutlich in den Schatten stellt. Dann ist zum ersten Mal 'Schenker-Zeit'. Und zwar mit einem der ersten UFO-Auftritte des aus Hannover stammenden Gitarristen aus dem Oktober 1973. Musikalisch hat man bei dem deutlich zwingenderen und kraftvolleren "Rock Bottom" fast das Gefühl, es hier mit einer komplett anderen Band zu tun zu haben. Der 'Mad Axeman' war zu diesem Zeitpunkt zwar noch nicht auf seinem Höhepunkt angekommen, macht spielerisch aber schon mächtig Alarm und lässt seine Vorgänger ziemlich alt aussehen. Die Scheibe "Phenomenon" war offensichtlich noch nicht fertig und so brachte die Band als nächstes von ihrem zweiten Album das Stück "Prince Kajuku" und schließlich den Rock’n’Roll-Klassiker "C’mon Everybody".
Chronologisch geht es anschließend nochmal ein Jahr, zum 14. Oktober 1972, zurück und hier haben wir Larry Wallis an der Gitarre. Der bringt für "Silver Bird" (ebenfalls vom zweiten Album "UFO 2: Flying") dann seinen psychedelischen bzw. spacigen Stil ins Spiel. Irgendwie ebenfalls cool, aber man spürt auch, dass UFO noch auf der Suche nach ihrem eigenen Weg waren. Im selben Monat verließ Wallis die Band, es könnte sich also um seinen letzten Auftritt mit dem restlichen Trio gehandelt haben. Beim zweiten Track handelt es sich erneut um "C’mon Everybody". Dann ein Sprung ins Jahr 1975 und die Zeit, als das Album No Heavy Petting entstand. Nachdem das Quartett zuvor mit einem zusätzlichen Gitarristen (Paul 'Tonka' Chapman) experimentiert, das Unterfangen jedoch als gescheitert erklärt hatte, wurde darauf der Keyboarder Danny Peyronel eingestellt. Der blieb dann zwar auch nur für dieses eine Album, ist aber immerhin auch auf den letzten fünf hier vertretenen Songs zu sehen und hören.
Dieser letzte Part von "Live" ist dann auch der Höhepunkt, während dem die Band mit Songs wie "Shoot Shoot", "This Kid"s", "Out In The Streets" und… hüstel… erneut "C’mon Everybody" glänzt. Eher kurios ist das Cover von "All Or Nothing", im Original von The Small Faces. Kurios nicht wegen der durchaus gelungenen Version, sondern eher wegen der Song-Auswahl. Aber UFO und Coversongs ist eh so ein ganz eigenes, nicht immer rühmliches Kapitel. Der Sound der Aufnahmen ist insgesamt zwar nicht gerade brillant, aber doch sehr gut konsumierbar. Somit ist das vorliegende, vielleicht ein bisschen lieblos lediglich "Live" benannte Material für alle Fans der Band und solche, die es noch werden möchten, ein gefundenes Fressen, das die Briten und den Deutschen in ihren ganz frühen Jahren zeigt. Abgesehen von den Beat Club-Aufnahmen waren zumindest dem Rezensenten die restlichen in Bild und Ton vertretenen Mitschnitte völlig unbekannt Und wenn man den Punkt berücksichtigt, dass es von Larry Wallis' kompletter Karriere ebenfalls kaum Bildmaterial gibt, dann macht das diese Veröffentlichung sogar noch wertvoller.
Line-up UFO:
Phil Mogg (vocals)
Mick Bolton (guitar – #1,2)
Michael Schenker (guitars – #3-5, 8-12)
Larry Wallis (guitar – #6,7)
Danny Peyronel (keyboards – #8-12)
Pete Way (bass)
Andy Parker (drums)
Tracklist "Live":
- Boogie For George
- Come Away, Melinda
- Rock Bottom
- Prince Kajuku
- C’mon Everybody
- Silver Bird
- C’mon Everybody
- Out In The Streets
- All Or Nothing
- This Kid’s
- Shoot Shoot
- C’mon Everybody
Gesamtspielzeit: 56:12 (CD), 59:00 (DVD), Erscheinungsjahr: 2025 (1970-1975)



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