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V.A. – Still Wish You Were Here – A Tribute To Pink Floyd – CD-Review

V.A. - "Still Wish You Were Here - A Tribute To Pink Floyd" - CD-Review

Um ehrlich zu sein, frage ich mich ja immer, wer eigentlich auf solche Ideen kommt. Man nehme einen – zugegebenermaßen – Klassiker der Rock-Geschichte und lasse ihn von wild zusammengestellten – zugegebenermaßen – sehr bekannten und angesehenen Musikern erneut einspielen. Ein Tribut an die kreativen Väter von "Wish You Were Here" sollte es dieses mal sein, aufgenommen von insgesamt 22 Könnern an ihren Instrumenten und Stimmen, die sich aber ganz bestimmt dafür nicht ein einziges Mal im selben Studio begegnet sind. Aber die Siebziger-Rock-Romantik mal über Bord geworfen, kann man in Zeiten einer Pandemie eigentlich durchaus froh sein, dass es seit einiger Zeit möglich ist Alben mit Musikern aufzunehmen, die sich zum Zeitpunkt der Einspielung gerade in allen möglichen (anderen) Ecken der Welt aufhalten. Und nochmal 'zugegebenermaßen': Das hier aufgefahrene Line-up kann sich tatsächlich sehen lassen, das ist – zumindest auf dem Blatt – allererste Sahne. Aber stimmt auch die Umsetzung des vorgegebenen Materials?

Mel Collins beginnt dieses Abenteuer natürlich erstmal mit einer wunderschönen Flöte, so wie auch auf dem Original. Und um das gleich mal klar zu stellen, selbstverständlich wird sich hier insgesamt doch sehr nah ans Ursprungswerk gehalten, schließlich soll es ja ein Tribut sein. Die zweite Haupt-Person ist dann der Gitarrist Steve Hackett, der seinen Part vom Feeling her – genauso wie Billy Sheehan am Bass und Ian Paice – zu 100 % auslotet. Die Spannung steigt hinsichtlich der Frage, wie jetzt noch Geoff Tate (Queensryche) mit seinem Gesang rüberkommt. Oh ja, klasse. Selbstverständlich hört er sich anders an als Roger Waters, macht seine Sache aber richtig gut. "Welcome To The Machine" kommt vollständig ohne Gitarre aus, hier sind Tony Levin am Bass sowie Rick Wakeman an den Tasten, komplettiert von Todd Rundgren am Gesang, unterwegs. Ebenfalls gut und mit dem richtigen Feeling gelöst und von absoluten Profis dargebracht. Selbst wenn man hier eine Akustik-Gitarre zu hören glaubt, kommt wohl alles (passend zum Songtitel) gesampelt aus der Maschine. Geht gut durch.

Eine witzige Zusammenstellung kam für "Have A Cigar" zustande, denn hier sind neben dem Gitarristen Steve Stevens noch der ehemalige The Damned-Drummer Rat Scabies, der ehemalige P.I.L.-Bassist Jah Wobble und dem Keyboarder Patrick Moraz noch der Sänger James LaBrie (Dream Theater) am Start. Und irgendwie funktioniert das auch. Mein Gewinner am Gesang auf dieser Scheibe heißt jedoch ganz klar Rik Emmett, da neben dem Feeling hier auch die Stimme haargenau zum Titelsong passt. Nicht ganz so begeistert bin ich von den Solo-Exkursionen Joe Satrianis, die ganze Nummer und auch die Gitarren-Frickelei sind stellenweise deutlich schneller als das Original und wirken wie aus dem Kontext gezogen, wodurch dem Stück doch ein ganz anderes Gesicht gegeben wird. Klar darf immer versucht werden seine eigene Note einzubringen, ob das aber in diesem Fall noch einen Sinn ergiebt? Der Rezensent hat seine Antwort bereits gefunden. Für die "… Parts 6-9" von "Shine On …" ist Ian Paice (der einzige Musiker, der auf zwei Songs vertreten ist) zurück, um dieses Projekt in einen sicheren Hafen zu bringen.

Rod Argent kann hier zwar an den Tasten überzeugen, sein Gesang haut mich allerdings nicht gerade aus den Latschen. Weniger gelungen. Ansonsten passt allerdings die Gitarrenarbeit von Steve Hillage wieder besser ins Konzept und auch die Bass-Legende Bootsy Collins liefert (wer hätte es gedacht?) einen super Job ab.

Zugegebenermaßen sind solche Tribute-Alben letzten Endes (wie Musik im Allgemeinen) immer reine Geschmackssache. Über die Qualität der beteiligten Musiker braucht man eigentlich kein weiteres Wort zu verlieren, alles andere liegt am Gusto des interessierten Hörers. Absolute Fans der jeweils beteiligten Musiker werden (und sollten) sich "Still Wish You Were Here – A Tribute To Pink Floyd" nicht entgehen lassen. Für alle anderen – wie auch für den Rezensenten – gilt: Es gibt selten was Besseres als das Original!

Wobei hier schon richtige Asse im Spiel sind – zugegebenermaßen.


Line-up:

Geoff Tate (vocals – #1)
Todd Rundgren (vocals – #2)
James Labrie (vocals – #3)
Rik Emmett (vocals – #4)
Rod Argent (keyboards & synthesizer & vocals – #5)
Steve Hackett (guitar – #1)
Steve Stevens (guitar – #3)
Joe Satriani (guitar – #4)
Steve Hillage (guitar – #5)
Billy Sheehan (bass – #1)
Tony Levin (bass – #2)

Jah Wobble (bass – #3)
David Ellefson (bass – #4)
Bootsy Collins (bass & space bass – #5)
Ian Paice (drums – #1,5)
Rat Scabies (drums – #3)
Carmine Appice (drums – #4)
Geoff Downes (keyboards – #1)
Rick Wakeman (Mini Moog – #2)
Patrick Moraz (keyboards & synthesizer – #3)
Edgar Froese (keyboards & synthesizer – #4)
Mel Collins (flute & alto saxophone – #1)

Tracklist "Still Wish You Were Here…":

  1. Shine On You Crazy Diamond (parts 1-5)
  2. Welcome To The Machine
  3. Have A Cigar
  4. Wish You Were Here
  5. Shine On You Crazy Diamond (part 6-9)

Gesamtspielzeit: 43:36, Erscheinungsjahr: 2021

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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