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XTC / English Settlement – LP-Review

Dieser Regalgriff musste einfach sein.
Nach dem XTC-Album-Starter "White Music" (1978) und folgenden Platten wie "Drums And Wires" (1979) und "Black Sea" war "English Settlement" die fünfte Veröffentlichung und das erste Doppelalbum der Band aus Swindon, Grafschaft Wiltshire.

Beim Kauf des Albums machte ich mir wohl keine Gedanken über irgendwelche Hintergründe bezüglich der Virgin Records-Label-Daten zu "English Settlement".
Recherchen haben ergeben, dass die Grundlage dieser Rezension die erste Edition (V2223) des Doppeldeckers ist. Die beiden Innenhüllen sind hell orange und enthalten alle Texte sowie ein Bild der Band (erste Platte) und auf der Innenhülle der zweiten Scheibe vier einzelne Fotos der Musiker.
Das Album muss ich dann wohl bei einem Besuch meiner Großeltern in Oxford gekauft haben. Apropos Oxford: Auf dem Cover ist das "Uffington White Horse" aus der Grafschaft Oxfordshire nachempfunden.
Nach "Black Sea" hatte man sich vom Produzenten Steve Lillywhite getrennt und für das vorliegende Album sozusagen die Produzenten-Zügel selbst in die Hand genommen.
Die im Herbst 1981 im The Manor, Oxfordshire, aufgenommenen Songs wurden von XTC sowie Hugh Padgham produziert.

Der Tonarm senkt sich … knister, knister und schon sind wir mittendrin im Geschehen.
Diese Rezension wurde in der Winterzeit geschrieben und so beginnen wir doch, passend zur Jahreszeit, beim allerletzten Song des Albums. Bei "Snowman" wimmelt es von extrovertierter Rhythmik. Schlagzeug und Drum-Syntheszier geben sich die Kante. Von obskurer Taktung begleitet, legt Andy Partridge eine Gesangspartie hin, die zwischen melodischen Phasen und intensiv-rauem Gesang pendelt. Der Refrain geht nur in Ansätzen ins Ohr und die Chorstimmen machen einen auf Sanftmut. Enorm, wie das Stück zwischenzeitlich eine komprimierte Intensität erfährt. Alles in allem typisch XTC. Fein, wie sich der Track mit den Glöckchen-Klängen eines Schlittens ins Off verabschiedet. Hinhörer!

"Runaways" ist schon ein Highlight der alternativ rockendeen Hingabe.
Mit solchen, für die Band bekannten, vertrackten Rhythmen ist der Opener bereits ein kleiner Hinweis auf die hohe Qualität des Doppeldeckers. Bei "Ball And Chain" gefällt der vielstimmig-großformatige Gesang und es ist einfach herrlich, wie XTC die Sounds diverser Synthesizer in den durchaus hypnotischen Klang der Gitarren integriert.
"Senses Working Overtime" nimmt teilweise den Pop der Sechzigerjahre in den Fokus, aber XTC wäre nicht XTC, wenn in die Kompositionen nicht bandeigene Musterläppchen einfließen würden. Überragender Chorgesang!
"Jason And The Argonauts" ist eines der "English Settlement"-Meisterstücke. Irre!

Die instrumentale Erweiterung bereichert den Band-Sound in beeindruckender Weise.
Was schon angedeutet wurde, wird zum Beispiel in Songs wie "Snowman" oder "It’s Nearly Africa" deutlich. Hier kollidieren Rhythmen förmlich.
"No Thugs In Our House" ist vom meistens simpel-treibenden Schlagzeug und der Gischt des Pops aufgewühlter Sandstrand.
XTC nähert sich auch auf geschickt-überzeugende Weise dem Post Punk, Ska oder auch dezent psychedelischen Teilen.
»[…] Melt the guns […] and never moer to fire them […] melt the guns […] and never more desire them […]«. XTC macht auch politische Statements.
In "English Roundabout" fließt der bereits gelistete Ska ein und diese Nummer wird definitiv nicht zu einem Fehltritt.

Fehltritt wäre auch die völlig falsche Richtung für eine Zusammenfassung.
"English Settlement", hier als Doppel-LP vorliegend, kann man auch heute noch von vorne bis "Snowman" durchhören.
"Making Plans For Nigel" war 1979 ein XTC-Hit aus dem Album "Drums And Wires".
"English Settlement" konnte in den Charts der UK mehrere Wochen auf sich aufmerksam machen.
"English Settlement" ist aus meiner Sicht ein XTC-Meisterstück.
Irgendwann kommt es noch zu einer Rezension von "Skylarking" (1986), produziert von Todd Rundgren.
Bleibt gesund und nehmt euch zur Ablenkung Zeit für gute Musik.


Line-up XTC:

Andy Partridge (lead vocals, 12-string-electric guitar, 12-string-acoustic guitar, electric guitar, acoustic guitar, synthesizers, alto saxophone, angklung, percussion, guiro, backing vocals)
Colin Moulding (lead vocals, bass, fretless bass, synthesizer, piano, percussion, backing vocals)
Dave Gregory (guitar, flamenco guitar, 12-string-electric guitar, piano, synthesizers, percussion, backing vocals)
Terry Chambers (drums, drum machine, percussion, backing vocals)

With:
Hans De Vente (vocals – LP 2 – Side One – #3)

Tracklist "English Settlement":

LP 1/Side One:

  1. Runaways
  2. Ball And Chain
  3. Senses Working Overtime
  4. Jason And The Argonauts

LP 1/Side Two:

  1. No Thugs In Our House
  2. Yacht Dance
  3. All Of A Sudden (It’s Too Late)

LP 2/Side One:

  1. Melt The Guns
  2. Leisure
  3. It’s Nearly Africa
  4. Knuckle Down

LP 2/Side Two:

  1. Fly On The Wall
  2. Down In The Cockpit
  3. English Roundabout
  4. Snowman

Gesamtspielzeit: 34:33 (LP 1), 36:54 (LP 2), Erscheinungsjahr: 1982

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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