Der Bandname gibt die geografische Herkunft vor, dachte ich. Aber gefehlt, Monteceneri klingt für mich zwar italienisch und angekündigt wurde der Vierer auch als 2019 in Mailand gegründete Band, aber Monteceneri ist eine 2010 neu entstandene politische Gemeinde im Schweizer Tessin. Und, so lehrt uns Wikipedia weiter, liegt südlich der Passhöhe des Monte Ceneri.
Allerdings ist Mailand nicht weit von der Gemeinde entfernt, sodass es sicherlich einen Grund für den Bandnamen gibt. Der soll uns allerdings jetzt nicht interessieren, denn "Call Of The Void" ergießt sich wie ein dichter psychedelischer Strom langsam in die Gehörgänge. Atmosphärisch, spannend und leicht dystopisch mit einer trotzdem einnehmenden Melodie. Es gesellen sich im weiteren Verlauf den Flow nicht störende Geräusche dazu und ab und an bratzt eine Gitarre durch die Landschaft.
Ein starker Opener auf diesem ersten Longplayer der Band, die, wenn ich das richtig sehe, erst auf drei Singleveröffentlichungen zurückblickt: "Heimweh" (2021), "Plan O" (2021) und "Evo" (2022). Melodiös geht es mit "Paul’s Holy Hands" in die nächste Runde, allerdings ist der dystrophische Touch nun einem quirligen, positive Vibes verbreitenden Spiel gewichen, in dem die Tasten perlen und sich elektronische Gimmicks mit vertrackten Strukturen eine insgesamt angenehme Atmosphäre schaffen. Die Ausrichtung geht wohl in die Post-Ecke, ohne jetzt aber zu sehr eine Richtung zu favorisieren. Da haut leicht etwas Fusion durch, leicht etwas Pog und vor allem ist eine enorme Spielfreude zu hören. Elektronisch bliebt es im Rahmen und trotz der großartigen Instrumentenbedienung gibt es gottlob keine ausufernden Eskapaden, sprich narzisstische Soloaktivitäten. Da ist alles perfekt arrangiert.
"Palm Hero" legt eine weitere Post-Schippe drauf, denn die Synthiespuren weisen hier und da in alte Krautecken, in denen Elektronik vor Saitenarbeit kam. Das ist jetzt bitte nicht falsch zu verstehen, denn die beiden Sechssaiter sind präsent. Immer und überall, nur wie bereits gesagt, nicht auf Egotrips. Dass Tieftöner und Felle da ganz adäquat mitwirken, ist selbstverständlich. Besonders die Schießbunde überrascht und begeistert immer wieder mit vertrackten Rhythmen, denen der Bass tieffrequente Orientierungspunkte setzt. Nachdem es ein paar auf Italienisch gesprochen Worte gibt, schleifen sich die Gitarren äußerst wohltuend ein und das Stück driftet in einen leicht düsteren und langsam gespielten Jam.
Nun folgt mit "PSKNSS" schon der letzte Track des Albums und der beginnt – ja wie? Indie? Alternative? Geil beginnt er und erinnert mich in (instrumentalen) Teilen an eines der besten Alben dieses Genres, das mir je durch die Ohren geflossen ist: Funeral von Red Hill. Es ist eine Freude zu hören, wie Monteceneri hier mit Stimmungen und Können auftrumpfen. Psychedelischer Indie Rock, die Dynamik zwischen ruhigen und lauteren Passagen, die verschiedenen Tempi, Melodien, Referenzen an musikalisch zurückliegende Ohrschmeichler, die einsame Trompete, die aus dem Off so herrlich hereinschallt, … . Alls das und vieles mehr sind die Eckpfeiler eines leider viel zu kurzen Albums, wenngleich die Einzellängen der vier Stücke passen. Wer außer den vier Musikern mitgewirkt hat, ist dem Line-up nicht zu entnehmen. Die kurze Trompetenpassage ist wohl auch ein Produkt der Elektronik. Ob man das mit an Gitarren angeschlossenem Equipment hinbekommt, kann ich nicht sagen. Falls nicht, wäre es schon gut den Musiker an Synthie oder an was auch immer zu benennen, denn dessen Anteil am Gesamteindruck ist nicht gering.
Line-up Monteceneri:
Massimiliano Bellavia (guitar)
Simone Chiodini (drums)
Markus Sotto Corona (bass)
Victor Untila (guitar)
Tracklist "Due":
- Call Of The Void (9:14)
- Paul’s Holy Hands (7:38)
- Palm Hero (8:21)
- PSKNSS (7:14)
Gesamtspielzeit: 32:27, Erscheinungsjahr: 2025



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