Myrath stehen gut im Stoff, was die Veröffentlichung ihrer Platten betrifft. Karma aus dem Frühjahr 2024 soll im März 2026 das neue Album Wilderness Of Mirrors bei earMUSIC folgen. Apropos Label: Schon seit 2016 halten die Rocker aus Tunesien earMUSIC die Treue. Unter dieser Marke erschien auch ihr erstes Best Of-Album "Reflections" – gewissermaßen als Halbzeit zwischen "Karma" und Wilderness Of Mirrors".
Das Album legt Zeugnis darüber ab, dass Myrath über alle bisherigen sieben Studioproduktionen an einem Merkmal festgehalten haben: Die Progressive-Metal-Band verbindet ihren ausgeprägten Metal mit orientalischen Einflüssen. Mal mehr, mal weniger. Stark ist ebenso der Anteil am Symphonic Metal. Der orientalische Part beschert Myrath klar ein Alleinstellungsmerkmal. Die Interpretationen klingen selbstbewusst und ausgereift.
Einschränkend darf man sagen: Man muss sich auf die orientalischen Einflüsse einstellen, denn zu Metalklängen bilden sie einen starken Kontrast und wirken anders als beispielsweise Folk-Einflüsse, wie wir sie in Deutschland durch die Aushängeschilder Subway To Sally und In Extremo kennen. Alles nur Geschmacksache? Hier treffen musikalisch verschiedene Kulturen aufeinander. Im Review zum Album "Karma" hieß es kritisch: »Es ist kein Oriental Metal und erst recht kein Progressive Metal.« Power Metal und Sinfonische Klänge waren dafür mehr zu erkennen. Auf diesem Werk kamen damals sogar Blechblasinstrumente zum Einsatz (Trompete, Saxophon und Posaune).
Halten wir das Positive fest: Myrath haben einen gesunden Hang zum Experimentieren, ziehen die Genregrenzen nicht zu eng. Die Best Of-Scheibe "Refections" bietet den Anlass, ein größeres Spektrum zu beleuchten. Der Eindruck, dass viel vermischt wird, bleibt bestehen. Auch die Tatsache, dass die orientalischen Einflüsse seltener zu hören sind. Ein eingängiger Ohrwurm ist "Dance", der seinem Name alle Ehre macht. Allerdings driftet das Stück aus dem Album "Shehili" (2019) fast schon in Richtung Pop ab. Auf "Reflections" gibt es nur einen Live-Titel. "Madness" spart die heimische Folklore fast völlig aus. Unüberhörbar ist der Hang zum Power Metal. Die Tunesier lassen es insgesamt ordentlich krachen. Sie geben uns allen Grund zu der Annahme, dass das bei ihren Konzerten ebenfalls nicht zu kurz kommt. 2026 werden sie auch bei einigen Gastspielen in Deutschland ihre Visitenkarte abgeben.
Power-Metal mit folkloristischen Anleihen, wie wir es beim Opener "Believer" oder bei "Born To Survive" nebst harten Gitarren zu hören bekommen, beschreibt den Stil wohl am besten. So gesehen, bleibt es beim Metal mit internationalem Format und einer exotischen Note, wollen wir die Leistung des Quintetts nicht schmälern.
Line-up Myrath:
Zaher Zorgati (vocals)
Malek Ben Arbia (guitars)
Anis Jouini (bass)
Kevin Codfert (keyboard, piano, vocals)
Morgan Berthet (drums)
Tracklist "Reflections":
- Believer
- Merciless Times
- Beyond The Stars
- Born To Survive
- Get Your Freedom Back
- Nobody’s Lives
- Into The Light
- Dance
- Endure The Silence
- Candles Cry
- Duat
- Wideshut
- Words Are Failing
- Tales Of The Sands
- Madness (Live)
Gesamtspielzeit: 71:32, Erscheinungsjahr: 2025



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