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Toni Krahl / Genauso wars – Buch-Review

Toni Krahl / Genauso wars

Toni Krahl wurde als Kind jüdischer Eltern 1949 in Berlin geboren und wuchs in der DDR auf, während seine Eltern nach England gingen. Sein Vater arbeitete dort als Korrespondent. In dieser Zeit lebte Krahl im Kinderheim des Außenhandelsministeriums der DDR in Falkenberg-Cöthen. Als seine Eltern später in Moskau arbeiteten, lebte er zeitweise ebenfalls dort und besuchte auch die dortige Schule.
1965 kehrte er zurück nach Berlin und machte an der Alexander-von-Humboldt-Schule in Berlin-Köpenick eine Ausbildung zum Betriebsschlosser.
Seine musikalische Karriere nahm 1967 Fahrt auf, als er seine erste Band, Wurzel minus 4, gründete.

Im November 1968 wurde er für drei Jahre inhaftiert, nachdem er an einer Protestdemonstration gegen den Einmarsch der Warschauer Pakt-Truppen in Prag teilgenommen hatte. Diese Aktion war Teil des sogenannten 'Prager Frühlings', einem Moment des Aufbegehrens, der schnell blutig niedergeschlagen wurde. Nach drei Monaten Haft erhielt er eine 'Bewährung in der Produktion', so nannte man die Disziplinierung eines unliebsamen Strafgefangenen in der ehemaligen DDR. Sein Vater wurde als Abteilungsleiter beim Neuen Deutschland abgesetzt und ins Archiv 'verbannt'.

In den frühen 1970er Jahren war Krahl in verschiedenen musikalischen Projekten aktiv. Von 1973 bis 1975 besuchte er eine Musikschule, um seine Fähigkeiten weiterzuentwickeln. 1975 trat er als Sänger der Band City bei, die bereits 1972 von Fritz Puppel (Gitarre) und Klaus Selmke (Schlagzeug) gegründet worden war. City wurde schnell zu einem kulturellen Aushängeschild des Sozialismus und nahm an zahlreichen internationalen Auftritten teil – als Teil der sogenannten 'Reisekader', die das Bild des Sozialismus im Ausland prägten.

Die Band ging 2022 auf Abschiedstournee und löste sich danach auf, doch Krahl zog sich nicht in den Ruhestand zurück. Im zarten Alter von 75 Jahren wagte er den Schritt in eine Solo-Karriere und tourte mit der Band Silly, während er gleichzeitig mit seiner neuen Formation, den Kinx aus Prenzlauer Berg, neue musikalische Wege beschritt.

Sein literarisches Talent zeigte er ebenfalls, nämlich bereits 2016 mit der Veröffentlichung seines Buches Toni Krahls Rocklegenden.
Im Dezember 2025 folgte nun sein nächstes Werk "Genauso wars", in dem er seine Leser auf eine weitere, spannende Reise durch die Rockmusik nimmt. Dieses Buch knüpft an den Vorgänger an, denn in den vergangenen, fast 10 Jahren, hat sich viel getan. Nicht nur, dass Toni Krahl seine Heimat, die Band City verloren hatte, nein auch von seinen besten Freunden Klaus und Fritz musste er sich verabschieden.

Krahl erzählt mit bemerkenswerter Leichtigkeit und einem Wortwitz seine Memoiren, der seine Erlebnisse nachvollziehbar macht. Er öffnete die Türen zu den Welten, in denen er lebte und bietet Einblicke in das Leben eines Künstlers, der nie aufhörte, seinen eigenen Weg zu gehen. Bei all seinen Erzählungen blieb er immer fair, es gab nie böse Abrechnungen oder Seitenhiebe.

"Genauso wars" ist eine ergänzte Neuauflage seines früheren Buches "Rocklegenden", in dem er seine ersten Schritte als Musiker und den Weg mit City beschrieb. Hier nun bietet Toni Krahl weitere Einblicke in sein Leben nach der Bandauflösung Ende 2022.

Ein lesenswertes Buch. Ich hätte mir jedoch mehr Sorgfalt beim Lektorat gewünscht.


Herausgeber: Eulenspiegel Verlagsgruppe
Verlag: Neues Leben
Auflage: ergänzte, korrigierte Neuausgabe
Sprache: Deutsch
Seitenzahl: 272 Seiten, davon 16 Seiten  s/w-Fotos
ISBN-10: 3355019356
ISBN-13: 978-3355019354
Abmessungen: 14.8 x 2.4 x 20.8 cm, gebunden
Erscheinungsjahr: 2025
Preis: 22,00 Euro

Über den Autor

Ilka Heiser

Hauptgenres: Classic Rock, Blues Rock, Heavy Rock
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Mail: ilka(at)rocktimes.de

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