Für den mittlerweile seit über vierzig Jahren in Udo Lindenbergs Panik Orchester an der Gitarre tätigen Musiker Hannes Bauer gab es selbstverständlich auch schon ein Leben davor. Übertrieben tief wollen wir an dieser Stelle darin natürlich nicht eintauchen und so beginnen wir einfach mal im Jahr 1978. In jenem Jahr gründete der Hamburger nämlich das Power-Trio Bauer, Garn & Dyke mit dem Bassisten Tom Garn und dem Schlagzeuger Roy Dyke (Ex-Ashton, Gardener & Dyke, Ex-Pat Travers). Nach der Veröffentlichung der Debüt-Scheibe Sturmfrei und vielen Konzerten hatte sich der Name Hannes Bauer zumindest in der Hamburger Szene wie ein Lauffeuer rumgesprochen und so dauerte es auch nicht sehr lange, bis sich der bereits erwähnte Udo L. eine Show der Band ansah und den Gitarristen dann auch für sein eigenes Orchester, als Ersatz für den 'Tiger von Eschnapur', Carola (damals noch Thomas) Kretschmer, engagierte. Aber in diesem Review soll es in erster Linie um die einzigen beiden unter dem Namen Bauer, Garn & Dyke erschienenen Studioalben gehen.
"Sturmfrei" erblickte 1979 das Licht der Welt und macht von Anfang granatenmäßig was los. Als 'Schlachtross' und 'Kult-Song' der Band galt damals der "Laubfrosch Blues", der – man mag es erahnen – eine Adaption des Blues-Klassikers "Bullfrog Blues" ist. Das Trio tritt von Beginn an mächtig aufs Gas, was sich auch im weiteren Verlauf der Platte nicht mehr ändert. Mit Garn und Dyke hatte der Frontmann eine sehr gute Rhythmus-Fraktion im Rücken und Bauer erweist sich als sehr starker Gitarrist, der sich in diesem Genre (Rock, Blues Rock) ganz sicher vor niemandem verstecken muss. Der gute Hannes hatte eigentlich überhaupt keine Absichten in deutscher Sprache zu singen, wurde von Produzent Frank Dostal damals nach vielen Diskussionen aber doch ’sanft' überredet, da er sich seine Platte ansonsten »…an den Hut stecken!« könne. Okay, also deutsche Texte… Die kommen dann in der Regel sehr flüssig und mit einem großen Batzen Humor, was den Genuss-Pegel des Albums noch ein Stück höher ausschlagen lässt.
Drei Jahre später kam dann das zweite Werk, "Himmel, Arsch & Zwirn" auf den Markt und führte die selbe musikalische Ausrichtung mit zehn weiteren Tracks in die
nächste Runde. Erneut wurde mit dem selben Line-up sowie dem selben Sound- und Produzenten-Team eine dampfende Blues Rock-Scheibe abgeliefert, die die hohe Qualität des Debüts nicht nur hält, sondern vom Bauchgefühl sogar noch einen drauf setzt. Hier eröffnet der "Sabbel Buggie" die Show und das Trio rockt weiterhin, ohne Gefangene zu nehmen. Bauers Stimme verfügt zwar nicht über einen riesengroßen Wiedererkennungswert, dennoch macht er vor dem Mikro eine richtig gute Figur und kann sich mit seinem Gesang souverän gegen die drei Instrumente behaupten. Stücke wie "Rock’n’Roll Musketiere", "Alte Autos und Rock’n’Roll" oder "Pyro-Manni (Feueralarm!)" machen einfach tierisch Spaß und passen sowohl ins heimische Wohnzimmer wie auch auf jede Party.
Wie bereits erwähnt, sind die Texte sehr humorvoll. Möglicherweise ist das typisch Hamburger Humor, die Tendenzen der Texte gehen in ihrer Stilistik jedoch deutlich Richtung Udo Lindenberg. Was gar nicht mal schlimm ist, denn man hört den gebrachten Geschichten sehr gerne zu. Die Band spielt atemberaubend, bei den Songs hört man die Vorlagen allerdings deutlich raus. Da lassen Koryphäen wie etwa Rory Gallagher (um nur mal einen Namen zu nennen) und andere Song-Klassiker grüßen. Wenn das Ganze allerdings in der hier vorliegenden Qualität gebracht wird, ist damit alles andere wett gemacht. Letzten Endes also wieder mal eine großartige Ausgrabung von Sireena Records, um diese beiden Hammer-Alben nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Wer dennoch nicht ohne anzutesten zuschlagen möchte, dem seien von "Sturmfrei" die Tracks "Laubfrosch Blues", "Da ha ick Bock druff" sowie "Guitar Man" und von der "Himmel…" außer den bereits genannten Nummern noch "Lonly Harz", "Die Spinne" sowie "Marleen" empfohlen. Vergessene Perlen!
Die beiden Alben sind als Einzel-CDs mit coolen Fotos und Liner Notes erschienen.
Line-up Bauer, Garn & Dyke:
Hannes Bauer (guitars, vocals)
Roy Dyke (drums & percussion)
Tom Garn (bass)
Tracklist "Sturmfrei" + "Himmel, Arsch & Zwirn":
- Laubfrosch Blues
- Sturmfrei
- Lock’n’Loll
- Ich hau ab
- Sibirien Bär
- Guitar Man
- Da ha ick Bock druff
- Haltestellen Blues
- Billie
- Ich hab Lust, Baby
- Sabbel Buggie
- Rock’n’Roll Musketiere
- Hallo Jo
- Marleen
- Die Spinne
- Alte Autos und Rock’nRoll
- 1000 Elefanten
- Pyro-Manni (Feueralarm!)
- Lonly Harz
- Mit dir geht es richtig los
Gesamtspielzeit: 40:44 (CD 1), 38:11 (CD 2), Erscheinungsjahr: 2026 (1979, 1982)



1 Kommentar
JR
23. Februar 2026 um 8:52 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
und nicht zu vergessen der Klassiker "Ich Hau Ab" 🙂