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Atlantis / Live – CD-Review

Atlantis - "Live" - CD-Review

Nachdem wir euch erst vor kurzem die komplette (Studio-) Werkschau der Hamburger Band Atlantis in Form von vier Alben vorstellen konnten, hat das Label MiG Music jetzt bzw. bereits im Januar auch das original als Doppelalbum erschienene "Live" hinterher geschickt. Erschienen war es im selben Jahr (1975), in dem die Band eine US-Tour im Vorprogramm von großen Bands wie unter anderem Lynyrd Skynyrd absolvierte. Danach war nicht nur die Luft raus, viel einschneidender war, dass sich die Musiker untereinander nicht mehr verstanden. Was dann Anfang 1976 zur offiziellen Auflösung führte. Das Line-up von Atlantis war eh immer ein sehr fragiles Gebilde, was abgesehen von den beiden Konstanten Inga Rumpf (vocals) und Karl-Heinz Schott (bass) zu häufigen Personalwechseln führte. Und so stammen die Aufnahmen auf "Live" dann auch nicht von einem, sondern von mehreren Konzerten aus den Jahren 1973 bis 1975, die aber immerhin alle von Auftritten in der selben Location, nämlich der Hamburger Fabrik stammen.

Was man der Scheibe jedoch glücklicherweise überhaupt nicht anhört, da der Sound dann doch sehr gleichmäßig ausgefallen ist und kaum Schwankungen erkennbar sind. Angefangen mit dem sich bis heute im Live-Repertoire von Frau Rumpf befindlichen "Friends" über das sehr eingängige "Ooh Baby" bis zu dem sehr coolen Blues "Somewhere" wird hier direkt Dampf gemacht. Das klingt richtig klasse und die Live-Atmosphäre kann man geradezu mit den Händen greifen. Klar feststellen muss man, dass nach dem Ausstieg von Jean-Jacques Kravetz der progressive Anteil der Stücke doch deutlich eingängigeren Tracks Platz machte und bei den Musik-Fans in meinem persönlichen Umfeld wird bis heute darüber diskutiert, ob denn nun Atlantis oder eben doch die Vorgänger-Band Frumpy die bessere Combo war. Das hat sicherlich mit dem eigenen Geschmack zu tun, während der Rezensent beide Acts liebt und die eine der anderen lediglich aufgrund der jeweiligen Tagesform vorzieht.

Nach den beiden Debütalbum-Nummern "Brother" sowie dem immer mitreissenden "Rock’n’Roll Preacher" kommt dann die Handschrift der beiden Scheiben ohne Kravetz in Form der Songs "Mainline Florida", "New York City" und auch "Mr. Bigshot" tatkräftig zum Zuge. Wie bereits erwähnt ebenfalls klasse und es ist allenfalls dem eigenen Gusto geschuldet, welche Phase der Band man lieber mag. Gegen Ende legt die Platte dann mit "Going To The Country", dem Cover "Rock Me, Baby" sowie "Leave It To The Devil" nochmal an Intensität zu, sodass der Hörer nach dem letzten Ton erstmal tief Luft holen muss, bevor er sich bereits auf den nächsten Durchlauf freut. Man darf also durchaus vermuten, dass an der Behauptung interne persönliche Spannungen in einer Band großartige musikalische Ergebnisse hervorrufen können, durchaus was dran ist. Beispiele dafür gibt es schließlich massenhaft.

Nachdem ich im ersten Absatz bereits erwähnt hatte, dass die hier enthaltenen Aufnahmen aus den Jahren 1973 bis 1975 stammen, muss auch klar gesagt werden, dass das unten aufgeführte Line-up mit großer Wahrscheinlichkeit unvollständig ist. Alleine schon, wenn man den Posten an der Gitarre betrachtet. Dort war nämlich 1973 Dieter Bornschlegel aktiv, im Jahr 1974 Alex Conti (später unter anderem Lake) und 1975 (wie ganz am Anfang) wieder Frank Diez, während vollkommen unklar ist, ob der ca. im letzten Jahr der Band dazugehörende zweite Gitarrist Rainer Marz zu hören ist. Wie aus verschiedenen Quellen zu entnehmen ist, soll für den Großteil der Songs Conti an der Gitarre gewesen sein. Aber das sind Nebenschauplätze, denn in allererster Linie soll ein Album mit seiner darauf befindlichen Musik überzeugen. Und das tut "Live" auf ganzer Linie, kommt knackig, lebendig und mit sehr viel Atmosphäre daher.

Ein würdiger und angemessener Abschied der leider zu kurzen Bandgeschichte. Ohne den Funken eines Zweifels ist jedenfalls glasklar, dass "Live" von Atlantis essenziell für jede sich halbwegs ernst nehmende Plattensammlung ist. Zumindest, wenn der Besitzer Wert auf die Musik deutscher Bands aus den siebziger Jahren legt.


Line-up Atlantis:

Inga Rumpf (percussion, guitars, vocals)
Karl-Heinz Schott (bass)
Alex Conti (guitars, background vocals)
Adrian Askew (keyboards, background vocals)
Ringo Funk (drums & percussion)

Tracklist "Live":

  1. Friends
  2. Ooh Baby
  3. Somewhere
  4. It’s Getting Better
  5. Waiting And Longing
  6. Brother
  7. Rock’n’Roll Preacher
  8. New York City
  9. Mr. Bigshot
  10. Mainline Florida
  11. Godfather
  12. Going To The Country
  13. Rock Me, Baby
  14. Leave It To The Devil

Gesamtspielzeit: 74:01, Erscheinungsjahr: 2025 (1975)

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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