Bear Family Records legt in ihrer Serie "Rocks" nach mit einer Ausgabe, die sich dem Rockabilly-Künstler Ray Campi widmet. Raymond Charles 'Ray' Campi, so sein voller Name, wurde am 20.April 1934 in Yonkers, New York, geboren, er verstarb am 11.März 2021.
Bereits 1949 entstanden erste Aufnahmen für diverse Label, 1959 war er der erste Musiker, der im Andenken an den Flugzeugabsturz, bei dem Buddy Holly, Ritchie Valens und Big Bopper starben, eine Tribut-Single aufnahmen, "Ballad Of Donna And Peggy Sue" b/w "The Man I Met". Erstgenannter Track, eine Hommage an Valens und Holly, finden wir auf dieser Kompilation von vierunddreißig Songs allerdings nicht, dafür jedoch die B-Seite, die Hommage an The Big Bopper. Eine Erklärung hierfür finde ich allerdings leider nicht.
Ansonsten erstreckt sich der Reigen dieser Kompilation zeitlich von 1954 mit dem Song "I Did’t Mean To Be Mean" bis 1990 mit einer Live-Aufnahme anlässlich "Bear Family’s 15th Anniversary Festival, Schlachthof Kesselhalle, Bremen". Aus den Sechzigern gibt es keine Stücke.
Meine persönlichen Schwerpunkte liegen auf sieben Songs aus dem Jahr 1957, die mit einem stark swingenden Beat dahinjagen, unterstützt durch das coole Finger Snapping von Doc Shyrock, das quasi sehr effektiv den Drummer ersetzt! (#5 – 9, 10, 11) Wie immer bei Bear Family Records kann man sich auf ein sehr informatives Booklet stützen, wenn man Näheres aus dem Leben der jeweiligen Künstler*innen erfahren möchte. Und auch hier ist das auf vierunddreißig Seiten der Fall, verantwortlich hierfür ist Rip Masters, der im Übrigen auch bei den vier Nummern aus den Achtzigern als Pianist zu hören ist. (#25-28)
Recht interessant ist, das Campi zwar auf etliche Begleitmusiker zurückgriff, jedoch einige Öieder im Overdub-Verfahren auf allen Instrumenten ganz allein bestritt. "Sixteen Chicks", "How Long You Feel" und "Booze It!" sollte man sich einmal zu Gehör nehmen. Hier spürt man einen recht kräftigen Country-Einschlag, und das bekommt dem Sound recht gut! Und ab und an schleicht sich dann auch noch der eine oder andere Einfluss ein, wie zum Beispiel überraschend ein sanfter Ska-Rhythmus bei "That’s Why I Cry".
Sehr positiv empfinde ich den authentisch klingenden Sound der Aufnahmen aus den Siebzigern. Zum Beispiel die Tracks zweiundzwanzig und dreiundzwanzig, sie kommen so cool und swingend, als seien sie den Fünfzigern entsprungen, hier war es 1978! Und schon wieder klingt es anders, wenn man Bläser hinzugezogen hat, mithin ein starkes R&B-Feeling schlich sich ein, bei "I Need Love" ganz besonders festzustellen.
Die Achtziger haben dann ein wenig 'Moderne' hinzugebracht. Die Tracks sechsundzwanzig bis achtundzwanzig wirken ein wenig aufgefrischt, aber noch immer recht authentisch. Ab Track neunundzwanzig wird es dann live, für fünf Songs. Hier hat Campi die Gítarre beiseite gelegt und konzentriert sich nun auf den Bass. Den Bildern zufolge turnte er unter anderem recht locker auf seinem Upright Bass, da muss man doch ganz spontan an The Stray Cats denken! Der Song, der hier aus 1956 enthalten ist, "Caterpillar", erklingt mit diesem Konzert in der TV-Station aus Austin, erneut, bevor er mit dem oben genannten Auftritt in Bremen vom 12.Mai 1990 den Reigen dieser Kompilation abschließt. Und hier fallen mir die Namen der Mitmusiker natürlich sofort auf, denn das ist die Bremer Rockabilly-Band Rumble On The Beach, die hier begleitet, darunter Drummer Marc Mittelacher, der auch schon als Autor und Verfasser von Liner Notes bekannt ist.
Ja, eine sehr gute Kompilation eines ungekrönten Kings Of Rockabilly, der im Übrigen 1998 als Mitglied in die Rockabilly Hall Of Fame aufgenommen wurde.
Line-up Ray Campi:
Ray Campi (vocals, guitar, bass, percussion, drums, mandolin)
Fred Taylor (vocals, guitar)
Johnny Maddox (lead guitar)
Henry Hill (bass)
Harold Layman (tambourine)
Tommy Griffith (piano)
Bobby Reed (piano)
Don Shyrock (finger snapping)
Harvey Campi (bongos, vocals)
Ed Nicholls (drums)
Don Causey (piano)
Joyce Webb and The Debs (vocal chorus)
Hal Harris (guitar)
Doc Lewis (piano)
Link Davis (tenor sax)
Jerry Green (Big Bopper – voice)
Jerry Sikorski (lead guitar, vocals)
Colin Winski (rhythm guitar, vocals)
Steve Clark (drums, stomach slaps, backing vocal)
John Blair (guitar)
Kevin Fennell (lead guitar)
Frank 'Jalapeno' Rodarte (tenor saxophone)
Jimmy Lee Maslon (vocal, guitar)
Richard Bennett (guitar)
Poppa Jim Durbin (drums)
Rip Masters (piano)
Mike Henderson (tenor sax)
Chuck Higgins (poss. sax)
Ole 'Johnny Gator' Schubert (lead guitar)
Michael 'Ohlly' Ohlhoff (rhythm guitar)
Marc Mittelacher (drums)
Tracklist "Rocks":
- Caterpillar
- I Didn’t Mean To Be Mean (first version)
- Play It Cool
- Caterpillar
- I Didn’t Mean To Be Mean (2nd version)
- Long Tall Sally
- You Can’t Catch Me
- The Crossing
- Living On Love
- It Ain’t Me
- Give That Love To Me
- Let Go Of Louie
- My Screamin' Screamin' Mimi
- The Man I Met (A Tribute To The Big Bopper)
- That’s Why I Cry
- I Got A Feeling
- Sixteen Chicks
- How Low Can You Feel
- Booze It!
- Rockin At The Ritz
- Quit Your Triflin'
- Rattlin Daddy
- Wildcat Shakeout
- Backseat Boogie
- I Need Love
- Rockabilly Music
- Rockabilly Man
- My Heart’s On Fire
- I’m Comin Home
- Honky Tonk Man
- Pan American Boogie
- Born To Rock
- Caterpillar
- Caterpillar
Gesamtzeit: 79:42, Erscheinungsjahr: 2026 (1954-1990)



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