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Al Holliday & The East Side Rhythm Band – Konzertbericht, 06.11.2019, Café Bar De Comm, Groesbeek (NL)

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Muss man jede Band im Blues-Kosmos kennen?
Bestimmt nicht.
Aber wenn einem das Blues Moose Café unter der Woche die Chance bietet, eine neue Band kennenzulernen, dann nimmt man eine solche Gelegenheit einfach wahr.
Al Holliday & The East Side Rhythm Band war zu Gast im Café und diese Formation besteht aus zehn Musikerinnen/Musikern.
Laut Website handelt es sich um eine »[…] genuine St. Louis Soul band – and that ain’t even half the story. […]«

Dann durfte man auf die zweite Hälfte der Geschichte gespannt sein.
Die Formation ist zum zweiten Mal auf europäischem Terrain unterwegs. Die Tourtermine führten die Band unter anderem nach Deutschland und in die Niederlande.
Unter dem Namen des Bandleaders erschienen "Made It Through The Mill, Again" (2013), "Natural Remedies" (2015).
Angekündigt wird ein weiteres Album für das Jahr 2020.

Al Holliday & The East Side Rhythm Band im Blues Moose Café Groesbeek

Al Holliday & The East Side Rhythm Band im Blues Moose Café Groesbeek

Das Sextett brachte den Gig mit dem Song "Real Good Woman" ordentlich in Schwung.
Schon hier konnte man feststellen, dass es sich bei dieser Combo um eine sehr gut eingespielte Band handelt. Al Holliday machte sich durch einen klasse Gesang, der zum Teil höchst emotional ausfiel, bemerkbar. Darüber hinaus sind seine Stimmbänder mit einem feinen Reibeisen-Film beschichtet. So wirkt der Gesang des Frontmannes sehr authentisch. Bass-Mann Kevin Baudrexl zupfte die dicken Saiten seines Tieftöners in jeder Phase des Auftritts – wie man so schön sagt – songdienlich. Seine Aktionen konzentrierten sich voll auf sein Spiel. Der ruhende Pol in der Gruppe war definitiv Kevin Baudrexl.
Super, wie sich Trompeter Ryan Torpea sowie Tenor Saxofonist Nic Pitti immer wieder ins umtriebige Geschehen einmischten. Letzterer verdeutlichte in so manchem Solo, wie nah er dem Jazz steht. Die Zuschauer bedachten die Solo-Einsätze von Ryan Torpea mit Szenenapplaus und er entwickelte sich zu so etwas wie dem Publikumsliebling.

Hätte man mit einem gespitzten Bleistift eine Trennlinie zwischen einerseits Blues und andererseits Americana sowie Roots Music gezogen, wäre der letztgenannte Anteil größer gewesen. So war dann "Just Like That" ein Blues, der durch die Brass-Section einen gehörigen Teil New Orleans-Stimmung abbekam. Die Aggregate kühlten etwas ab, als das dennoch rockende "Who’s Gonna Help Brother Any Further" anstand. Oh, diese Bläser! Oh, wie funky!

Al Holliday (vocals, guitar)

Al Holliday (vocals, guitar)

Die Keyboarderin Alexandra Sinclair stand dem Frontmann gesanglich in nichts nach. Melancholisch-sentimental wurde es bei Bob Dylans "I Dreamed I Saw St. Augustine". Ja, diese Band ließ die Emotionen nur so fließen. Al Holliday servierte einen gefühlvollen Alleingang und hier waren Nic Pitti sowie Ryan Torpea eher flächendeckend unterwegs. Highlight! Gleich danach widmete sich die Combo einer weiteren Fremdkomposition. "My Baby Specializes" geht zurück auf Delaney & Bonnie. Herrlich groovend und mit einer luftigen Atmosphäre kam nicht erst jetzt Bewegung in die Anwesenden. Im Duett stellte Alexandra Sinclair ihre tolle Stimme noch deutlicher in den Vordergrund.

In "Days (4963)" übertraf sich Al Holliday beim Gesang fast selbst und furios ging es während des Tasten-Solos zu. Hammer! Das Sahnehäubchen des ersten Teils war "Ain’t Nobody’s Business" und – etwas erstaunlich – wurde die Pause bereits um 20:45 eingeleitet. Viele Lieder säumten bis dahin den Weg. Alle Songs präsentierte man relativ kompakt.

Entspannung war abermals angesagt, als sich "That Bird Has Flown" seinen Weg durch die Location bahnte. Alexandra Sinclair sang wieder die Lead-Stimme und im Folgenden entwickelte sich das Stück zu einem weiteren Duett der feinen Art.
Nochmals Gänsehaut! "Deportees" sah Al Holliday in einer Sologesang-Rolle, nur dezent begleitet von seiner E-Gitarre. Dann stieg die Band ein und drückte mit dieser Ballade ordentlich auf die Tränendrüse. Klasse!
Die Funk-Auslage – Achtung Bläser – in "Little Woman Of Mine" mit einem furiosen Al Holliday-Solo forderte das Tanzbein und die zunächst getragene Stimmung von "There Ain’t But The One Way" wechselte in die richtig rockende Abteilung mit tollem Keyboard-Solo sowie einem großformatigen Finale.
Die Zugaben-Nummern "Bittersweet Home Chicago" und "Ain’t No One Got A Good Thing" fokussierten die Fähigkeiten der Formation ein letztes Mal.

Al Holliday & The East Side Rhythm Band konnte auch als Sextett überzeugen. Den Blues verpackte die Combo ganz geschickt in dickes Americana- beziehungsweise Roots Music-Geschenkpapier und so fand man mit diesem Blues Moose Café-Konzert eine etwas andere Speisekarte vor. Nichtsdestotrotz bot das Sextett gute Unterhaltung.

Am 13. November 2019 werden Too Slim & The Taildraggers im Blues Moose Café gastieren.
Die Song-Videos zum Groesbeek-Konzert können, wie immer, auf dem Blues Moose-You Tube-Kanal angeschaut werden.


Line-up Al Holliday & The East Side Rhythm Band:

Al Holliday (vocals, guitar)
Alex Sinclair (vocals, keyboard)
Ryan Torpea (trumpet)
Nic Pitti (tenor saxophone)
Kevin Baudrexl – Bass, Vocals
Jared McFarland (drums)

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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