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Ben Barritt Band / Reunion – CD-Review

Ben Barritt Band / Reunion – CD-Review

1984 in London geboren, kam Ben Barritt als Musiker in der Band von Jim Kroft im Jahre 2010 erstmals nach Berlin. Es gefiel ihm so gut, dass er drei Jahre später seinen Hauptwohnsitz dorthin verlegte.
Mit Everybody’s Welcome stellte ich ihn 2019 bereits einmal vor.

Mit jener Produktion erinnerte es mich an Fusion der achtziger Jahre, und vor allem an den Kollegen Michael Franks. Die entspannte Stimmung der Songs ließ an entsprechende Musik denken, die man nach Kalifornien verorten würde, hinsichtlich der Entstehung.

Wie wird es mit "Reunion" sein? Nun, der Einstieg mit "Some Time" geht in genau diese Richtung. Ein sanft groovender Funk, die coole und zurückhaltende Ausschmückung mit der Rhythmus-Gitarre, die pointiert eingesetzten Bläser, das versetzt sofort in angenehme Entspannung. Und auf eine Zeitreise in vergangene Zeiten, denn gottlob klingt die Musik überhaupt nicht 'modern' und stellt sich  nicht auf eine Stufe mit dem Mainstream und auf dessen Songs, die sich zu Eigen gemacht haben, auf millionenfache Klicks in den Medien zu setzen.

Ja, angenehm altmodisch, und mit dem leichten Hauch jazziger Fusion versehen, wenn sich Barritt mit einem kurzen Solo-Einwurf mit der Gitarre zu Wort meldet. Kurzum, hochwertig und niveauvolle Pop-Fusion, und immer noch in die von mir bereits auch schon vergleichend genannte Richtung zu Steely Dan. Gut, hinsichtlich ihres Spätwerks gab es Kritiker, die der Musik der Band eine gewisse Sterilität vorwarfen; manchmal traf das sicher auch zu, doch änderte das nichts an der Qualität. Und auch Michael Franks kommt mir als Vergleich erneut in den Sinn.

Etwas störend empfinde ich, wenn zum Beispiel bei einem Stück wie "Prayer" so etwas wie ein Vocal Vocoder (oder etwas Ähnliches) eingesetzt wird und den Gesang verfälscht. Auch hier klingt das Solo mit dem quietschenden Synthie schon etwas altbacken. Etwas 'abenteuerlicher' ist "Just" geraten, wir hören  einen pulsierenden Groove, und auch hier kann der Protagonist punkten mit dem Arrangement. So sollte man stets 'zwischen den Zeilen' lesen, sonst versäumt man die eine oder andere wichtige Nuance, wie kurze eingestreute Solobeiträge, die zur Abrundung lebendig beitragen.

Allen Songs ist letztlich gemein, dass sie an Harmonien nicht arm sind, und genau das macht sie auch so 'gemütlich'. Allerdings bleibt mir auch festzustellen, dass das Vorgängeralbum "Everybody’s Welcome" aus meiner Sicht etwas abwechslungsreicher war und die eine oder andere Ecke oder Kante aufwies. Nun ist es mit "Reunion" doch dichter im Sound geworden und nur kleine Ausflüge unterbrechen die Routine. Was bleibt, ist die Tatsache, dass die Musik unbestritten sehr hochwertig ist und auch so dargeboten wird als eine Aneinanderreihung von in den Mittelpunkt gestellter präzise komponierter Songs. Vielleicht das nächste Mal gern ein wenig mehr 'Abenteuer' und ein Ausbau der Fusion-Richtung, gern mit dem einen oder anderen Schuss Jazz.


Line-up Ben Barritt Band:

Ben Barritt (singing, songwriting, guitar, programming)
Hannes Hüfken (bass, backing vocals, programming)
Jessie Walters (backing vocals – #1)
Leona Berlin (guest vocals – #6)
Mishka Adams & Beto Calletti (guest vocals – #7)
Philip Sindy (trumpet & flugelhorn)
Lars Zander (tenor saxophone)
Lee Shih-Che (trombone – #8)
Ben Abarbanel-Wolff (tenor saxophone – #10)
Atar Shafighian (Rhodes & Wurlitzer piano – #1, 3, 6-8)
Friedrich Paravacini (synth solo – #2)
Matti Klein (piano solo – #3)
Victoria Priester (Wurlitzer piano – #4)
Aine Fujioka (drums – #1, 2, 5-7, backing vocals – #9)
Immo Hoffmann (drums – #3)
Robin "Lover" Gehlhar (drums – #4)
Magro (drums – #8)
Michael Dau (drums – #10)

Tracklist "Reunion":

  1. Some Time
  2. Prayer
  3. Just
  4. Trust People
  5. Making It Easy
  6. Use Your Powers For Evil
  7. Don’t Worry
  8. The Real Thing
  9. Counting Every Minute
  10. Still Got A Lot To Learn

Gesamtspielzeit: 45:05, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
Meine Seite im Archiv

Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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