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Brian Auger’s Oblivion Express / ’70 Super Pop Montreux – CD-Review

Brian Auger's Oblivion Express / '70 Super Pop Montreux - CD-Review

The Steampacket und The Trinity mit Julie Driscoll waren wichtige Stationen des britischen Keyboarders Brian Auger, gerade hatte er 1969 mit "Streetnoise" ein sehr wichtiges Album gemeinsam unter der Firmierung Julie Driscoll, Brian Auger and The Trinity abgeliefert, da trennten sich die erfolgreichen Wege, und eine Nachfolgeband stand in den Startlöchern, Brian Auger’s Oblivion Express. Deren Debütalbum eingespielt im November 1970, wurde 1971 veröffentlicht.

Doch bereits vorher hatte sich die neue Formation etabliert, mit Brian Auger, Keyboards, Jim Mullen, Gitarre, Barry Dean, Bass und Keith Bailey, Schlagzeug. Bailey wurde dann später für die Studioproduktion durch Robbie McIntosh ersetzt. Doch die nun erstmalig veröffentlichen Aufnahmen vom 17.Oktober 1970, "Live At Super Pop Montreux", entstanden noch mit Keith Bailey. Fünf Songs des späteren Studioalbums liegen in den früheren Versionen auf "’70 Super Pop Montreux" bereits vor.

Auger war auf den Gitarristen Jim Mullen durch seine Mitwirkung in der Band Pete Brown & Piblokto! aufmerksam geworden, und das erwies sich als Glücksgriff. Denn so konnte die Vorstellung von Auger, seinen musikalischen Horizont zu erweitern in Richtung der Fusion-Bewegung jener Tage, wie sie von Miles Davis, John McLaughlin und anderen angeschoben wurde, verwirklicht werden. Obwohl das oben erwähnte Debüt-Album sicher ein Klassiker des Genres wurde, blieb auf Dauer der kommerzielle Erfolg aus.

Die Aufnahmen zu "’70 Super Pop Montreux" wurden von den originalen Archivbändern übernommen, der Veröffentlichung ist ein zwölfseitiges Booklet beigefügt, enthalten ist ein Interview mit Auger zum Auftritt, der Sound wurde restauriert und remastered, allerdings erklingt die Musik in Mono.

Gleich beim ersten Titel, "The Light", stellt sich etwas dar, was aus meiner Sicht ein Manko ausmacht, nämlich der Gesang ist es, der mich nicht überzeugen kann. Zwar nicht im Line-up angegeben, so gehe ich davon aus, Auger selbst singt, lange bevor er dieses dann irgendwann später dem sehr guten Alex Ligertwood überließ. Und trotz der Restaurierung ist der Sound doch relativ dumpf geraten. Ganz eindeutig legt Gitarrist Mullen dann los, mit der Virtuosität und der Individualität, wie ich ihn bei Pete Brown kennen lernte. Und Auger selbst ist auch in Topform, er lässt hier so richtig die Leinen los.

Insgesamt entstand hier also ein Sound, der sich verschiedener Elemente bediente, im Rock verhaftet, mit dem Blick auf jazzige Ausflüge, im Fusion-Kleid wohlgemerkt. "Pavane" zum Beispiel lässt noch den einen oder anderen Wink in Richtung Klassik aufblitzen. Auf jeden Fall wird kräftig soliert, man öffnet sich weiten Improvisationsfeldern, insbesondere bei den langen Songs wie "On The Road" (9:55) und "Oblivion Express" (8:37). Im Letzteren bearbeitet Auger seine Orgel wie Keith Emerson von The Nice, und Mullen explodiert für eine Weile gar in Richtung Sonny Sharrock! Alles in Allem eine willkommene Produktion mit dieser sehr guten Formation, der leider kein langes Leben vergönnt war. "A Better Land" und "Second Wind", hier nun endlich mit Sänger Ligertwood, folgten, bis sich nachfolgend erneut die Besetzungen änderten.


Line-up Brian Auger’s Oblivion Express:

Brian Auger (keyboards, vocals)
Jim Mullen (guitar)
Barry Dean (bass)
Keith Bailey (drums)

Tracklist "’70 Super Pop Montreux":

  1. The Light (5:13)
  2. Pavane (5:08)
  3. Maiden Voyage (6:21)
  4. On The Road (9:55)
  5. The Sword (5:33)
  6. Dragon Song (4:34)
  7. I Wanna Take You Higher (5:50)
  8. Oblivion Express (8:37)
  9. Listen Here (4:53)

Gesamtspielzeit: 56:07, Erscheinungsjahr: 2024 (1970)

Über den Autor

Wolfgang Giese

Hauptgenres: Jazz, Blues, Country
Über mich: Althippie, vom Zahn der Zeit geprägt, offen für ALLE Musikstile
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Mail: wolfgang(at)rocktimes.de

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