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Cosmic Kangaroos / …less grounded… – Vinyl-Review

Cosmic Kangaroos / …less grounded… - Viny-Review

Und immer wieder schaffen es Platten, den Rezensenten zum Staunen zu bringen. Besser gesagt: Veröffentlichungen von Bands.

Die Cosmic Kangaroos gibt es seit 1986. 1998 gab es eine Platte, auf der sich zwei lange Improvisationen die Rillen teilten. Im Jahr 1987 erschien eine C60 (und ich denke wer hier mitliest, weiß mit diesem Begriff etwas anzufangen). Die Cassette ("Space Hop") wurde in Eigenregie veröffentlicht. Die erwähnte 1998er Platte "…improvise!" erschien über Purple Turtle Records und dann war da 1993 noch ein Album ("Quake Moon Spook") mit zehn Tracks via Dreamland.

Kein Wunder, dass der Lollipop Shop (»Label und Mailorder für psychedelische Musik mit Schwerpunkt Osteuropa«) sich bereits im Promoschreiben freut, endlich ein neues Album der Cosmic Kangaroos präsentieren zu können. Leider ist im Netz nichts über die Band zu finden und ich erinnere mich, schon einmal gesucht zu haben. Und zwar Ende 2023, beim Review zu D-Day – A Grateful Dead Tribute From Krautland.

Tribale Schlagwerkrhythmen eröffnen "The Air From Above The Mountains" und schnell klinkt sich ein Instrument ein, das wahrscheinlich die elektrische Bouzuki ist, aber eher orientalisches Feeling verbreitet. Mirza ghasemi statt Zaziki?
Und ja, tatsächlich stammt die Bouzuki von der persischen Tanbour ab und von daher ist es nicht verwunderlich, dass die Langhalslaute nicht an Sirtaki erinnert. Wobei Sirtaki und Griechenland ja auch eine äußerst kurze Vergangenheit haben …

Die musikalische Mixtur der Cosmic Kangaroos ist vielfältig zu nennen. So kommt "Traffic In The Nightsky" Gitarren (Akkord)-fokusiert, der Gesang ist westlich orientiert und erinnert im Timbre an eine Mischung aus Jagger und Sean Taylor. Die Akkordfolgen schaffen ein melodiöse Umfeld, im psychedelischen Stil schrammelt sich die elektrische Gitarre solistisch ein und verbreitet ein großartiges Vintage Flair.

Ist "Up In The Air [And Falling]" mit einer größeren Schippe Rock gebaut, so führen uns Ausbrüche im leicht zurückgenommenen, aber ebenfalls flotten "Walls" etwas in Richtung Countryrockabilly. Leider ist der tolle Gitarrenpart in etwa der Mitte des Tracks etwas kurz.
Garage und dezenterer Punk sind unverkennbar und lassen die ab und an zündelnde Psychedelic nicht so recht an die Oberfläche. Bei " [I Don’t Trust The] Writing On The Wall" bekommt das Glutnest etwas Sauerstoff und es verbreitet sich ein warmer Pscho Pop. Plötzlich schiebt sich eine genial psychedelisch rockende Gitarre ins Geschehen, die Keys flirren ebenso genial und wir sind mitten in einem Monsterjam. Wenn das die musikalische Richtung, und zwar ausschließlich wäre: Hammer!.
Da ist alles Im Korb, von Wah Wah, brabbelnder Tieftöner, sphärische Fahrten des Dreiers durch allerlei psychedelische Landschaften. Diese "achteinhalb Minuten "Shortest Way" machen alles, was mir nicht so bei ging, wett.

Cosmic Kangaroos / …less grounded… auf klarem Vinyl

Cosmic Kangaroos / …less grounded… auf klarem Vinyl

Komplett anders wieder "Everyday Sleepwalk (Get In The Car)". Keineswegs schlecht, aber nach "Shortest Way" will ich mich eigentlich noch nicht umgewöhnen. Allerdings verwöhnt Mecki hier wieder mit starker Saitenarbeit, wärend die beiden andern Kangaroos das zappelnde Feuer am Brennen halten.

"Room Full Of Insects": Bei dem Namen hätte etwas gefehlt, wenn eingangs keine Fliege durchs Zimmer gerauscht wäre. Nach dem Flug schaukelt sich eine nach Trinklied klingende Nummer angenehm ein. Auch das geht gut bei, speziell wenn plötzlich ein Dynamiksprung einsetzt und alles sehr sonor rüberkommt. Ist bisschen wie bei den Stones im Wohnzimmer – so zumindest stelle ich mir eine Wohnzimmer-Session bei Keith vor.

Vielleicht sollte sich die drei Musiker auf einen Stil konzentrieren und dem dann frönen. Es gibt einige Richtungen auf dem Album, die es wert wären. Vielleicht ist es aber einfach nur mein Problem, dass ich mit der musikalischen Stilvielfalt etwas hadere. Ich liebe Fisch und ich liebe Fleisch, aber Surf & Turf muss nicht auf meinen Teller.

Dem Vinyl liegt gottlob ein Download-Code bei, sodass man das edle Teil nicht permanent der Nadel aussetzen muss, wenn man sich mit der Zeit reinhören möchte,

Auf Rille gibt es zwei Versionen. Einmal auf 200 Stück limitiertes klares Vinyl plus Beilagen mit den Texten. Dann die handnummerierte und auf 100 Exemplare limitierte Ausgabe »featuring special "cosmic silver lettering" on the front cover, including inserts with lyrics«. Selbstverständlich ist "…less grounded…" auch in verlustfreien Formaten digital erhältlich.


Line-up Cosmic Kangaroos:

Mecky Kangaroo (guitar, lead vocals, electric bouzouki – B#1, bass – B#2)
Kermit Kangaroo (bass,organ,  keyboards, backing vocals, guitars – B#1-4)
Groucho Kangaroo (drums, percussion, backing vocals. Lead vovals – B#2)

Tracklist …less grounded…:

Side A:

  1. The Air From Above The Mountains (4:50)
  2. Traffic In The Nightsky (7:30)
  3. Up In The Air [And Falling] (3.31)
  4. Walls (5:31)

Side B:

  1. [I Don’t Trust The] Writing On The Wall (7:10)
  2. Shortest Way Out (8:31)
  3. Everyday Sleepwalk [Get In The Car] (2:41)
  4. Room Full Of Insects (4:46)

Gesamtspielzeit:44:30,  Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Ulli Heiser

Hauptgenres: Mittlerweile alles, was mich anspricht
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