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Crow Black Chicken / Pariah Brothers – CD-Review

CD-Review-Crow Black Chicken-Pariah Brothers

Blues Rock aus Irland, hmm, da war doch mal was…? Genau, unser aller Rory Gallagher, einer der mitreißendsten Musiker der sechziger, siebziger, achtziger und bis in die neunziger Jahre hinein, der leider viel zu früh verstarb. Seither war es auf der Grünen Insel was dieses Genre betrifft zwar nicht ganz still, aber dennoch sehr überschaubar geblieben. Ein ambitionierter neuer Durchstarter – wenn auch stilistisch nicht mit Rory zu vergleichen – ist die Band Crow Black Chicken aus Clonmel im County Tipperary. Mit "Pariah Brothers" liegt nunmehr das vierte Album vor, nachdem es zuvor Electric Soup (2012), Rumble Shake (2014) sowie Deep South (2015) auf die Ohren gab.

Speziell die letztgenannte Live-Scheibe konnte mächtig Lorbeeren einfahren und wurde in einem größeren Printmagazin gar als eine der fünf besten Livealben des letzten Jahres geführt. Dass das klassische Trio mit Gitarre, Bass und Schlagzeug da direkt noch einen drauflegen wollte, versteht sich von selbst. Und selbst wenn ich oben schrieb, dass der Dreier mit Gallagher nicht vergleichbar ist, dann erinnern sie mit einer Passage in "Jonestown" gleich mal ganz massiv an Rorys "Bought And Sold", selbst wenn die Nummer auch nur angedeutet wird. Für die deutlichen Unterschiede sind gleich mehrere Punkte verantwortlich. Zum einen ist da natürlich das tiefe und raue Organ des Gitarristen und Sängers Christy O’Hanlon, zum anderen aber auch der deutliche Einfluss anderer Stile.

Der bereits erwähnte Opener entfacht auf jeden Fall schon mal jede Menge Feuer unter dem Dach. Der Bassist Stephen McGrath rumpelt (im positiven Sinne) wie ein Berserker durch die Gegend und die Drums von Gev Barrett akzentuieren scharf, halten sowohl stoisch den Takt, als dass sie auch immer wieder in mörderischen Breaks explodieren. Die zumeist sehr rauen Vocals setzt O’Hanlon aber nicht durchgehend ein und so kommt es immer wieder mal (z. B. bei "Panta Rhei" oder dem richtig guten "South Roman Street") zu Parts mit relativ cleanem Gesang. "Calib" walzt und stampft sich so bedrohlich durch die Boxen, dass man sich bei dem Gedanken erwischt, diese beschützen zu wollen.

Und dann kommt ein Stück wie "Ripples In The Sand", über dessen Zartheit man gar nicht anders kann, als erstaunt zu sein. Eine nahezu clean gespielte Gitarre, melancholisch einer verlorenen Liebe nachtrauernder Gesang und ein sehr gefühlvolles Gitarrensolo machen diesen Titel aus. Mit dem Slideröhrchen gespielte Akkorde bestimmen "Justice" und spätestens hier kommt der Hörer nicht drum herum, auch einen deutlichen Southern Rock-Einfluss zu erkennen. Einer meiner Favoriten hört auf den Namen "Pat McManus". Eine sehr flotte Nummer mit vielleicht etwas statischem Schlagzeug, dafür aber einem klasse Solo auf der Sechssaitigen.

Sehr beschwingt groovend mit deutlichem Sixties-Touch kommt "The Prophet" um die Ecke gebogen, während "Bleedin'" sehr zwingend seinen Weg durch die Zielgerade findet. Stephen McGrath hat zu Beginn von "Freedom" mit seinem Viersaiter nochmal einen fetten Auftritt, bevor die Slide dazwischenknallt und sich diese Geschichte fast schon in die Psychedelic bewegt. "Deer Meat Unloaded" ist nochmal so ein feurig-unwirscher Blues-Rocker, der live die Hütte zum Kochen bringen wird. Der Titelsong beschließt "Pariah Brothers" dann auf hohem Niveau.

Insgesamt also eine hochinteressante Scheibe, selbst wenn es ein paar Durchläufe dauert, bis man die einzelnen Nummern im Langzeitgedächtnis abgespeichert hat. Wer erst mal ganz kurz reinchecken möchte, dem würde ich dafür "Bleedin'", "Pat McManus", "Ripples In The Sand" und/oder "Jonestown" empfehlen. Freunde des Blues Rock im Speziellen können hier grundsätzlich überhaupt keinen Fehler machen.


Line-up Crow Black Chicken:

Christy O’Hanlon (guitars, lead vocals)
Stephen McGrath (bass)
Gev Barrett (drums, background vocals)

Tracklist "Pariah Brothers":

  1. Jonestown
  2. Justice
  3. Bleedin'
  4. Calib
  5. South Roman Street
  6. The Prophet
  7. Panta Rhei
  8. Deer Meat Unloaded
  9. Ripples In The Sand
  10. Freedom
  11. Pat McManus
  12. Pariah Brothers

Gesamtspielzeit: 52:48, Erscheinungsjahr: 2016

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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