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Garbage / Let All That We Imagine Be The Light – Digital-Review

Garbage - Let All That We Imagine Be The Light

Zu Garbage fallen mir zunächst zwei Begriffe ein: Schrill und laut. Klischees, die angesichts der Optik der Sängerin befeuert werden. Weil zu oft nach Schubladen gesucht wird, stehen immerhin noch die beiden Stilrichtungen Alterative und Rock bereit. Fertig. Allerdings auch fatal. Das achte Studioalbum "Let All That We Imagine Be The Light" sollte Anlass und Chance sein, mit den alten Denkmustern zu brechen! Man darf ruhig genauer hinhören, um einen feinfühligen Klangkosmos zu erkennen, der Außergewöhnliches bietet und der sich doch zuerst nach Garbage anhört! Wer glaubt, in dieser schnelllebigen Zeit gäbe es keinen Raum mehr für neue musikalische Wege, der sei herzlich eingeladen, die Regler ein Stück nach oben zu schrauben.

Es handelt sich bei dieser Produktion nicht grundsätzlich um Neues. Dafür gibt es Überraschendes. Das hat einerseits den Vorteil, dass die eigenen Fans nicht vor den Kopf gestoßen werden. Garbage öffnen sich aber zugleich für neue Interessenten, die hinter die Fassade der 1993 gegründeten Formation schauen möchten. Dass hinter Sängerin Shirley Ann Manson eine feinfühlige, verletzbare Natur steckt, wurde in der Vergangenheit eher ausgeblendet. "Let All That We Imagine Be The Light" ist zudem eine erstklassige Produktion, die ihresgleichen sucht und die ein seltenes Hörerlebnis vermittelt.

Es bleibt musikalisch unverkennbar Garbage. Alle Markenzeichen und die Handschrift, für die die Band bekannt ist, sind hier vorhanden. Große, markante Gitarrensounds, präzise, treibende Beats und cineastische Klanglandschaften lauern unter Shirley Mansons unverwechselbarer Stimme, deren Texte vor Selbstbewusstsein strotzen. Dies ist der Sound einer Band, die sich fraglos auf dem Höhepunkt ihrer kreativen Kräfte befindet.
Dennoch ist einiges anders: »Diese Platte handelt davon, was es bedeutet, am Leben zu sein, und davon, was es bedeutet, sich der drohenden Zerstörung zu stellen«, sagt Sängerin Manson, eine gebürtige Schottin, die 1994 und damit ein Jahr nach Bandgründung zu Garbage kam. »Es ist hoffnungsvoll. Es ist sehr zärtlich gegenüber dem, was es bedeutet, ein menschliches Wesen zu sein. Unsere Schwächen und unser Versagen sind immer noch schön, auch wenn uns beigebracht wird, dass sie es nicht sind. Ich liebe es, eine ältere Person der Gesellschaft zu sein. Ich bin wirklich dankbar, dass ich alt genug bin, um so genannt zu werden. Ich habe das Gefühl, dass es meine Pflicht und die meiner Generation ist, Hoffnung zu wecken. Dies ist ein zartes, spannendes Album über die Zerbrechlichkeit des Lebens.«
Was war passiert, was ist der Grund für dieses doch sehr persönliche Album, wie es Manson unterstreicht? Im August 2024 war Shirley Manson abrupt gezwungen, ihre Auftritte zu beenden. Eine alte Verletzung, die sie sich bei einem Sturz von der Bühne im Jahr 2016 zugezogen hatte, war wieder aufgeflammt und hatte sie zu Fall gebracht. »Ich bin von der Bühne gefallen und habe mir die Hüfte angeschlagen«, sagt sie. »All diese Jahre später ist sie im Grunde genommen auf mir zerbrochen.«

Es ging ihr sehr schlecht. Sie musste operiert werden und brauchte Zeit, um sich zu erholen. Garbages Welttournee für "No Gods No Masters", die bis ins Jahr 2025 geplant war, kam zum Stillstand. »Wir wurden in eine Situation katapultiert, die sich unserer Kontrolle entzog«, sagt Shirley. »Damals fühlte es sich wie ein Fluch an, aber ich glaube, es war ein Geschenk. Es gab uns eine völlig neue Perspektive.«

Das Ergebnis liegt nun mit "Let All That We Imagine Be The Light" vor. Charakteristisch für das Album ist die Nutzung von Klanggegensätzen und Stimmungen, um ein Werk zu schaffen, das gleichermaßen von Licht und Schatten durchdrungen ist. Zu den vielen Konstanten gehört die Zusammenarbeit mit Mansons langjährigem Toningenieur Billy Bush, der das Album in erstklassiger Qualität produziert hat.

Man möchte die Band für dieses Album auf Händen tragen. Selbst für Fans der ersten Stunde sollte es Neuentdeckungen geben. In Mansons Stimme steckt, wie eingangs bereits erwähnt, immer noch eine gesunde Portion Selbstbewusstsein. Jetzt erst recht, mag man meinen. Allerdings hört man gern auch etwas genauer hin. Die Gitarrenfraktion und die Rhythmusgruppe leisten enorm gute Arbeit, um das Schiff mit Namen Garbage weiter auf dem bewährten Kurs zu halten.

Das Album liefert feine Nuancen, aber es bietet zugleich reichlich Energieleistungen, wie schon der Opener "There’s No Future In Optimism" zeigt. Anspieltipps? Die gibt es. Zehn an der Zahl. Als Hörproben eignen sich: "Love To Give", "Get Out My Face AKA Bad Kitty" und "R U Happy Now".

Gitarrist Steve Marker schrieb von wenigen Tag auf Facebook: »Our upcoming album, 'Let All That We Imagine Be the Light', is a reflection of hope, creativity, and the power of vision. It’s a reminder that even in the darkest depths, our imagination can illuminate the way forward. We’ve poured our hearts into every note, every lyric, and every moment of this journey. Thank you for inspiring us and for being part of this adventure—an’t wait to share it with you. Let’s shine together.«

In der deutschen Übersetzung heißt es: 'Unser Album 'Let All That We Imagine Be the Light' spiegelt Hoffnung, Kreativität und die Kraft der Vision wider. Es erinnert uns daran, dass unsere Vorstellungskraft selbst in den dunkelsten Tiefen den Weg nach vorne erhellen kann. Wir haben unser Herzblut in jede Note, jeden Text und jeden Moment dieser Reise gesteckt. Vielen Dank für eure Inspiration und dafür, dass ihr Teil dieses Abenteuers seid – wir freuen uns darauf, es mit euch zu teilen. Lasst uns gemeinsam strahlen'.

Dem ist nichts hinzufügen. Außer: Hinein hören! Prädikat: Besonders wertvoll. Das in jeder Hinsicht.
Das Album ist lieferbar in folgenden Konfigurationen:1 CD Digi-Pack Edition, 1 LP Neon Orange Vinyl Edition, 1 LP Sunrise Vinyl Edition und in allen digitalen Formaten.


 Line-up Garbage:

Shirley Manson (vocals, guitar)
Steve Marker (guitar)
Duke Erikson (guitar, keyboard)
Butch Vig (drums, percussion)
With
Daniel Shulman (bass)

Tracklist "Let All That We Imagine Be The Light":

  1. There’s No Future In Optimism
  2. Chinese Fire Horse
  3. Hold
  4. Have We Met (The Void)
  5. Sisyphus
  6. Radical
  7. Love To Give
  8. Get Out My Face AKA Bad Kitty
  9. R U Happy Now
  10. The Day That I Met God

Gesamtspielzeit: 45:17, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Mario Keim

Musikstile: Heavy Rock, Rock, Deutschrock, Hard Rock
Marios Beiträge im RockTimes-Archiv

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