Das musikalische Universum von Hellmut Hattler umspannt mittlerweile einen dann doch sehr beeindruckenden Zeitraum von 53 Jahren. Und das auch nur, wenn man seine Rechnung mit dem gleichnamigen Debütalbum von Kraan aus dem Jahr 1972 beginnt. Neben der genannten, nach wie vor aktiven, Band mit den weiteren Musikern Jan-Fride und Peter Wolbrandt war der Bassist über viele Jahre auch an anderen Bands und Projekten wie beispielsweise Ax Genrichs Highdelberg, Lilienthal oder Guru Guru beteiligt, bevor er Anfang der neunziger Jahre mit dem Projekt Tab Two ein weiteres Mal sehr erfolgreich durchstartete. Seine Lieblingsalben darf natürlich jeder selbst wählen, wobei der Rezensent sehr positiv von den letzten beiden Kraan-Studioplatten Sandglass (2020) und Zoup (2023) angetan war. Im Jahr 2000 wurde dann das neue Projekt Hattler gegründet, das eigentlich gar nicht als Langzeit-Band geplant war, es mittlerweile aber auf stolze fast zwanzig Alben gebracht hat. Da wollte sich der Ulmer zum prägnanten 25. Geburtstag der Band natürlich nicht lumpen lassen und sich selbst sowie auch seinen Fans mit "Happy Birthday, Baby" ein cooles Geschenk in die sommerliche Hängematte gelegt.
Der Verfasser dieser Zeilen ist eh kein Freund davon, dass man jede/n Band/Musiker immer genau bezeichnet und in eine Schublade packt und bei unserem heutigen Protagonisten wird sich da sowieso ein jeder schwer tun. Hattler befindet sich irgendwo in der Schnittmenge von Jazz, Electronic, Blues, Latin Jazz und Soul, wobei das letztgenannte Genre vor allem dann ins Spiel kommt, wenn sich die superbe Sängerin Fola Dada vor dem Mikro positioniert hat und die jeweiligen Tracks mit ihren coolen und sehr gefühlvollen Vocals verzaubert. Genau genommen haben wir es bei "Happy Birhday, Baby" dann auch gar nicht mit einer Compilation zu tun, denn neben ein paar neuen Stücken wurden auch die älteren entweder neu überarbeitet oder sind in Live-Versionen vertreten. Grundsätzlich ist das eine richtig cool abgehangene Mucke, die man eigentlich immer hören kann, die vor dem geistigen Auge des Rezensenten aber immer Morgens um halb drei in einer netten Bar zum Ausklingen eines tollen Abends läuft.
Neben der bereits erwähnten Fola Dada macht übrigens auch Sandie Wollasch bei den von ihr gebrachten Stücken eine richtig gute Figur an den Vocals. Der Sound der CD ist, egal ob Live- oder Studio-Song, sehr gut und transparent. Hellmut Hattlers Technik am Bass ist eh einzigartig. Oder anders ausgedruckt: sehr individuell. Das ist sogar so stark ausgeprägt, dass man sein Spiel eigentlich immer, auch wenn er als Gast bei anderen Bands oder Projekten am Start ist, erkennen kann. Eine echte Eigenmarke, sozusagen. Ebenfalls klasse und perfekt zur Stilistik dieser Tracks passend sind die auf dieser Scheibe enthaltenen Drums, gespielt von Oli Rubow. Aber um ehrlich zu sein, hat der gute Hellmut hier ausschließlich hervorragende Musiker um sich geschart.
Mit einer Spielzeit von knapp achtzig Minuten ist "Happy Birthday, Baby" eine gelungene Würdigung und Rückschau auf die vergangenen 25 Jahre. Insgesamt gesehen eher cool und relaxt ausgefallen, ist die Scheibe vielleicht nicht das Optimale, wenn man selbst aufgekratzt und voller Tatendrang ist. Wenn man sich aber einen chilligen und gemütlichen Abend machen möchte, dann ist dieses Album ein nahezu perfekter Soundtrack für die musikalische Begleitung.
Tracklist "Happy Birthday, Baby":
- Happy Birthday, Baby
- Swipe
- Teaser (live)
- All Rite (live)
- C64 (anniversary version)
- Rainy May (anniversary version)
- Sunny Jay (anniversary version)
- So Low (piano version)
- Dimitri (anniversary version)
- The Kite (anniversary version)
- Silent Surveyor (anniversary live version)
- Believer (anniversary version)
- Scion (unreleased version)
- Fine Days (anniversary live version)
- Sliding In Slomo (live)
- Mountain Bike (live)
- Delhi News (anniversary live version)
Gesamtspielzeit: 79:51, Erscheinungsjahr: 2025



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