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Jimmy Steeltown – Konzertbericht, 20.01.2017, blues, Rhede

Jimmy Steeltown, authentische Vertreter des »New Urban Rock«, war zu Gast im blues, Rhede. Für den etatmäßigen Bassisten Roger Good zupfte Mischa Marcks die fünf dicken Saiten. Er spielte unter anderem zusammen mit Marla Glen, Curse, Onyx oder Eamonn McCormack.
Dass Jimmy Steeltown rockt, hat die Formation nicht nur durch zig Liveauftritte, sondern auch mit dem Album Cut, Cry, Smile deutlich unter Beweis gestellt. Kurz nach 21:00 Uhr enterte die Band die Bühne und was dann folgte, waren über zwei Stunden Rockmusik, durch die sich eine Prise Blues zog, aber grundsätzlich die eindeutige Handschrift der vierköpfigen Duisburger Rock-Schmiede trug.
Das Menü der sympathischen Combo beinhaltete natürlich Songs von bereits erwähntem Album, aber die Setlist war auch mit einigen neuen Kompositionen gespickt, die, wie beim Gig angekündigt, auf dem neuen Album von Jimmy Steeltown vertreten sein werden. Dann haben die Nummern schon viel Live-Luft geschnuppert und so darf man schon ziemlich gespannt auf die Herbst-Veröffentlichung sein. Im September soll es so weit sein.

Jimmy Steeltown im blues Rhede

Jimmy Steeltown im blues Rhede

Die Jimmy Steeltown-Musik war elektrifizierend. Es dauerte keine Weile, bis man das Publikum im blues, Rhede sozusagen im Griff hatte. Sänger Jens Skorwider wirkte einfach authentisch, wenn er emotionsgeladene Texte des täglichen Lebens, der Trauer, der Sehnsucht, Trennung oder Liebe sang. Diese Gefühle wurden von Mikel Bluni quasi in gefühlsbetonte Gitarrentöne übersetzt. Was der Saiten-Zauberer an Fretboard-Fahrten lieferte, wurde mit viel Szenenapplaus honoriert. Dabei spielte der Funk und das immer wieder zum Einsatz gebrachte Wah Wah-Pedal keine Nebenrolle. Wenn sich ein Chamäleon durch Farbgebung seiner Umwelt anpasst, dann ist Mikel Bluni ein Chamäleon der unterschiedlichen Stimmungen.
Ein bemerkenswertes Markenzeichen des Jimmy Steeltown-Rock war die Würzung der UpTempo-Nummern mit ganz unterschiedlich-balladesken Intermezzi. Vielschichtigkeit und Variation gehören zu den künstlerischen Elementen der Band und folglich durfte man sich über einen stetig steigenden Unterhaltungswert freuen.
Nach "Two Faces" und "I Want You So Bad" war die tolle Rocknummer "Endless Emotion" die erste Kostprobe der neuen Songs. Mit Bass-Drive, Wah Wah-Action und riffig-griffigen Klängen wurde "The Loss" der niederländischen Blues-Sängerin Mariëlla Tirotto gewidmet.
Das Jimmy Steeltown-Alphabet des Rock verfügt über viele Buchstaben und 'h' steht unter anderem für heavy, denn wenn der Mischa Marcks-Bass pumpte und Oliver Horlitz für Drum-Drive sorgte, dann war es auch Zeit für das vom Blues getränkte "Speed Of Life". Aus meiner Sicht ist diese Nummer die Jimmy Steeltown-Hymne, die in keinem Konzert fehlen darf. Ein klasse Break ließ die Ohren spitzen und Mikel Bluni war mit einem Raketen-Solo zur Stelle. Nicht nur bei "Dance The Night Away" sah man Leute tanzen und ganz besonders bei der starken Solo-Drum-Einlage von Oliver Horlitz. Kräftiger Beifall war Lohn für locker aus den Handgelenken kommendem Groove und Kunstfertigkeit auf den Becken.

Jens Skorwider (Vocals)

Jens Skorwider (Vocals)

Der Gänsehaut-Zähler wurde schon lange abgestellt, aber als nur der Gitarrist und Jens Skorwider am Bühnenrand Platz nahmen und den zweiten Teil des animierenden Gigs mit dem John Mayer-Song "Find Another You" eröffneten, war der Entenparka ganz schön dick. Soul auf den Stimmbändern und individuell-kreative Gitarrenfantasien prägten die ersten Minuten nach der Pause.
Apropos Kreativität … mit einem jazzig-verspielten Solo leitete Mische Marcks den "Bad Deed Blues" ein. Chapeau! Da war unter anderem auch Fingerakrobatik (siehe Bildergalerie) angesagt und grundsätzlich hatte der Tiefton-Spezialist mit einem schön-präsenten Sound von verträumt oder flott bis geslappt alle möglichen Varianten drauf. Mikel Bluni nutzte diesen Song für einen langen Spaziergang durchs Baumwollfeld. Beeindruckend! Bei "Born And Raised" zauberten er sowie Mischa Marcks für einen Moment einen herrlichen Twin-Sound. Der hätte ruhig auch mehr Raum einnehmen dürfen. Zu den neueren Nummern zählte auch "Skyburn", ein Lied im langsameren Bereich mit klasse Trommelrand-Bemerkungen von Oliver Horlitz und butterweichen Basslinien aus den Händen von Mischa Marcks.
Ebenfalls neu im Programm war "It Won’t Feel The Same", das man mit dem Untertitel 'Funk Rock meets Klassik' versehen könnte, denn was auf der einen Seite feuriger Funk war, wurde auf der anderen Seite zum Saiten-Solo mit klassischen Beigaben. "You Say" verfügte über einen ganz starken Oliver Horlitz-Beat und das Stück stand Pate für den wunderschön harmonierenden Duettgesang von Jens Skorwider sowie Mikel Bluni. Ohne Zugabe konnte Jimmy Steeltown einfach nicht das blues, Rhede verlassen. Dafür waren der Applaus und die Freudenpfiffe viel zu laut. "Stop" war dann die 'Happy-Rock’60s’Roll-Ruhrpott'-Zugabe, die besser hätte nicht sein können, zeigte diese Nummer doch, dass auch der Rock’n’Roll im Jimmy Steeltown-Musterläppchen enthalten war. Mit einem weiteren "Endless Emotion" endete dann ein Jimmy Steeltown-Gig, den man so schnell nicht vergessen wird. Die Jimmy Steeltown-Rock-Aktie verzeichnet schon seit langer Zeit einen anhaltend steigenden Kurs. In diesem Sinn kann man ruhig in einen Konzertbesuch investieren.

Wir bedanken uns bei André Knoch für die problemlose Akkreditierung.
Am 03.02.2017 sind Phil Bee feat. Guy Smeets im blues, Rhede zu Gast. Danach folgen Ben Granfelt (17.02.), Eric Steckel And Band (17.03.), Leif de Leeuwe Band (07.04.), Simon McBride (29.09.), Timo Gross (13.10.), Morblus (27.10.), Ryan McGarvey (31.10.) und Jimmy The Bullet (10.11.).


Line-up Jimmy Steeltown:

Jens Skorwider (vocals)
Mikel Bluni (guitars, vocals)
Mischa Marcks (bass)
Oliver Horlitz (drums)


Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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