Acht Jahre Auszeit hatte sich Jonas Reingold genommen, um zu seinem von Kritikern und Fans hochgelobten Solo-Projekt Karmakanic zurückzukehren. Damit verbunden ist eine weitere Veröffentlichung. "Transmutation" lautet der Titel des sechsten Studioalbums, das nicht nur mit einer langen Spielzeit überzeugt. Vor allem sprechen die illustren Musiker, die Reingold verpflichten konnte, für sich. Sie garantieren eine Produktion in bester Progressive-Rock-Tradition.
So beginnt es fast schon klassisch mit einem Instrumental ("Brace For Impact"), es gibt verspielte Musik mit enorm viel Abwechslung und zwei sehr lange Stücke ("End Of The Road" und der 22-minütige Titelsong "Transmutation"). Es sind jeweils ausgereifte Kompositionen, die trotz ihre Länge nicht überfrachtet sind. Die Klangstrukturen sind gefällig. Alles in allem kommen Fans der besagten Stilrichtung voll auf ihre Kosten. Bei Sänger John Mitchell muss man nicht lange hinhören, um starke Ähnlichkeiten mit Szene-Größen wie Peter Gabriel und Ray Wilson zu erkennen. Bekanntlich sind beide eng mit Genesis verbunden. Die Ähnlichkeit zu Peter Gabriel ist besonders bei "Cosmic Love" verblüffend. Mit Mitchell (Asia, Lonely Robot, Frost*, Arena) arbeitete Reingold übrigens das erste Mal zusammen. Seine düstere, zugleich aber gefühlvolle Stimme passen sehr wohl zu den melodischen Kompositionen des Solisten Jonas Reingold.
Das ändert nichts daran, dass "Transmutation" ein sehr eigenständiges Werk ist. So sollte man es auch einordnen. Es kommt gefällig daher und weckt natürlich die Lust auf eine Liveumsetzung. Bei derartigen Soloprojekten scheint dies aber vielmehr ein Wunsch zu bleiben. Jonas Reingold ist ebenfalls ein vielbeschäftigter Musiker. Er ist derzeit fester Bestandteil der Band des heute 75-jährigen Steve Hackett (Ex-Genesis), der den Progressive Rock gleichfalls lebt. Steve Hackett, der für seine exzellente Gitarrenarbeit bekannt ist, setzt natürlich dem Album seinen Stempel auf. Doch hintenan stehen muss kein Akteur. So ist allein das wuchtige Bassspiel von Jonas Reingold eine Klasse für sich. Außer Jonas Reingold, John Mitchell und Steve Hackett gehören ferner als Schlagzeuger Simon Phillips (Toto, The Who, Judas Priest), Nick D’Virgilio (Big Big Train, Spock’s Beard, Mr. Big) und Craig Blundell (Steven Wilson, Steve Hackett, Frost*) sowie Gitarrist und Sänger Randy McStine dem Projekt an.
Nimmt man das Album und setzt zu einem Rundumschlag durch aktuelle Produktionen an, so wird schnell klar, dass dieses Genre alles andere als nur eine Nische besetzt. Es ist Musik, die für ausgefeilte Kompositionen steht, für Spielfreude, aber auch eine gesunde Portion Lebensfreude vermittelt. Mit "All That Glitters Is Not Gold" gibt es ein ruhiges Lied, das einen guten Kontrast setzt.
"Transmutation" überrascht möglicherweise, weil der Name des Projektes nicht im großen Stil im Fokus steht. Aber das Album legt deutlich Zeugnis ab, zu welchen Leistungen Musiker in der Lage sind, wenn sie bekannte Kollegen um sich versammeln, um einfach abseits des Tagesgeschäfts Neues zu kreieren. Das ist keinesfalls neu, aber derartige Ergebnisse zeigen die Flexibilität von Musikern auf. Es scheint beinahe so, als sei Progressive Rock als Spielwiese für derartige Experimente besonders gut geeignet, dank der Musiker, aber auch dank der vielen Ideen.
Line-up Karmakanic:
Jonas Reingold (bass, keyboards, vocals)
John Mitchell (lead vocals)
Steve Hackett (lead guitars)
Randy McStine (lead guitars, vocals)
Simon Phillips (drums)
Craig Blundell (drums)
Nick D’Virgilio (drums)
Tracklist "Transmutation ":
- Brace For Impact
- End Of The Road
- Cosmic Love
- We Got The World In Our Hands
- All That Glitters Is Not Gold
- Gotta Lose This Ball And Chain
- Transmutation
Gesamtspielzeit: 61:25, Erscheinungsjahr: 2025



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