In diesem Format stellen wir neue Platten vor, die wir aus Zeit- oder Fachkräftemangel nicht in aller Tiefe rezensieren können. Viele Alben kommen unaufgefordert in die Redaktion und die, die nicht ins Schema der Redakteure fallen, bleiben in der Regel unbesprochen liegen.
Die Musik ist es aber oft wert, vorgestellt zu werden und daher möchten wir die Scheiben auch nicht unter den Tisch fallen lassen.
Vieleicht gibt es in unserer Leserschaft Menschen, denen genau diese hier vorgestellte Musik zusagt und vielleicht hätte da auch der eine oder die andere Lust, bei uns solche Alben zu rezensieren.
Also keine Hemmungen und ab mit der Mail an kontakt(at)rocktimes.de
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Medium: CD
Interpret: Che Arthur
Titel: Describe This Present Moment
Spielzeit: 31:56
Stil:Indie, Post Harcorde
Label: Past/Future Records
Promoter: 5ive Roses Press
Vertrieb:
VÖ: 2026
Che Arthur spielt die Gitarre bei Pink Avalanche und war Gitarrist bei der mittlerweile aufgelösten Band Atombombpocketknife. Ich bin mir sicher, nur die Allerwenigsten unserer Leser wissen mit den beiden Bands etwas anzufangen. Und somit tiffte das wahrscheinlich auch auf den Protagonisten Che Arthur zu, der als Multiinstrumentalist, Sänger, Songschreiber sowie in Sachen Tontechnik in Chicago, Illinois beheimatet ist.
"Describe This Present Moment" ist das fünfte Soloalbum des Künstlers, der auch als Produzent tätig ist. Musikalisch soll das neue Album eine Art stilistischer Schmelztiegel aus seinen früheren Alben und der Musik Pink Avalanches sein. Kennt man die beiden genannten Referenzen nicht, so kann und darf man einen ziemlich wilden Ritt attestieren.
Dieser Ritt schraubt sich zum einen durch wilde punkige Ausbrüche, wie gleich der Opener "Spiraling" dokumentiert. Ruhiger geht es in "Obsidian" zu Sache und wenn Song Nummer drei auch mit "Light Goes Out" betitelt ist, geht selbiges nicht aus. Schön hier die anfangs fast gemächliche Indie-Stimmung, die aber durch den Rotz in der Stimme erahnen lässt, dass eher noch ein paar Glühbirnen eingeschraubt werden, damit das Licht am Brennen bleibt.
In diesem Stil setzt sich das Album fort und so mancher Track geizt trotz aller Punkrock-Attituden nicht mit Melodie und auch choreografischem Aufbau; "Sever" will da mal spontan nennen. Allerdings fehlt mir auf persönlich etwas der Faden, denn "Describe This Present Moment" scheint dem Namen gerecht zu werden, da Momente oft alles Mögliche beinhalten und von daher eine gewisse Unstetigkeit fast Gesetz ist.
"The Fates" ist das Stück, dass, als einziges Beispiel im Plattenladen gespielt, wohl dazu führen könnte, die Scheibe zu kaufen. Fast in alter guter Bowie-Manier treibt das Stück, getragen von einer akustischen Gitarre durch eine ansonsten eher wild zerklüftete Landschaft.
- Che Arthur – Guitars, bass, vocals, keyboards, percussion
Adam Reach – Drums - Tracks: 1. Spiraling 2.Obsidian 3. Light Goes Out 4.Anchor 5. Exiles 6. Server 7. Gravel And Thorn 8. Vavant 9. The Fates 10. Erode

Medium: CD
Interpret: Ireke
Titel: Ayô Dele
Spielzeit: 36:16
Stil: World
Label: Underdog Records
Promoter: Uta Bretsch Communication
Vertrieb: Broken Silence
VÖ: 2026
Julien Gervaix und Damien Tesson sind die beiden Hauptprotagonisten der Projekts Ireke, was in der Sprache der Yoruba Zuckerrohr bedeutet. Den Albumtitel würde das westafrikanische Volk mit 'Die Freude kommt zu mir' übersetzen und somit hat man grob eine Vorstellung, was musikalisch aus den Lautsprechern perlt. Julien und Damien sind Multiinstrumentalisten und bedienen fast alle Instrumente sowie Beatmaking und Dubs selbst.
Für den Gesang stehen die Sängerinnen Nayel Hóxò, Agnès Hélène sowie Olivya, die für einen kreolischen Touch in "Viv Li" sorgt. Die anderen neun Stücke werden abwechselnd von Nayel, deren Wurzeln nach Nigeria und Benin reichen und der Französin Agnès stimmlich vorgetragen. Julien und Damien, das bedeutet erst einmal Afrobeat, Dubs, etwas Funk & Soul sowie Elektronisches. In Verbindung mit den singenden Damen ergibt das einen Groove, der momentan geeignet ist, die trübe Wetterstimmung zu vertreiben, oder aber darauf wartet, bis es im Sommer an die Cocktails geht und deren Verzehr mit Ireces lockerem World Groove begleitet wird.
Wir erinnern uns: 'Die Freude kommt zu mir'. Das ist, wie der Begleitzettel titelt »weder Slogan noch Versprechen für ein Wunder« Aber eine wohlige Brise, bzw. »ein frischer Windhauch auf einem Album aus den Zwischenräumen von Licht und Schatten, der Welt in Aufruhr und dem Lebensimpuls«
- Julien Gervaix (alt sax, bass, keyboards, beatmaking, backing vocals
Damien Tesson (guitars, bass, keyboards, Dub&FX, beatmaking, backing vocals)
Nayel Hóxò (lead vocal – #2 6,7,9) , backing vocals)
Agnès Hélène (lead vocals – #1,3,5,8, 10, backing vocals, horn, trumpt)
Olivya (lead vocals – #4)
Hervé Godard (bass -#7)
Franck Bougier Bläser wind instruments -#6) - Tracks: 1. Tout Est Bizarre 2. Abanije 3. Soy Dos 4. Viv Li 5. Laissez Passer 6. Ta Logbe Jongo 7. Soulshine 8. En Synchro 9. Aïshododo 10. L’or Et Le Sang

Medium: CD
Interpret: Wüstenberg
Titel: The King’s Gambit
Spielzeit: 28:55
Stil: Folk Rock
Label: Eigenproduktion
Promoter: LoudHer PR
Vertrieb:
VÖ: 2026
Franz Wüstenberg hat sechs Musiker um sich geschart und nun legt der Siebener mit "The King’s Gambit" sein Debütalbum vor. Franz Wüstenberg? Ja, das Ex-Mitglied der Irish Folk Truppe The O’Reillys And the Paddyhats startet mit eigener Band, bleibt der groben Richtung Folk treu, was Wüstenberg im vergangenen Jahr als special guest von Fiddler’s Green auf deren Tour beweisen konnte.
Waren The O’Reillys And the Paddyhats – Nomen est Omen – im Irish (Punk) Folk zu Hause, ist Wüstenbergs Folk Rock in einer anderen Schublade zu finden. Der Hauptprotagonist kehrte in sich, um seinen musikalischen Neustart vorzubereiten. Lebensecht sollte seine Musik daherkommen und sich nicht von Genregrenzen aufhalten lassen. Er sagt »Wozu dienen Genregrenzen, wenn man sie nicht übertreten darf?«. Nun, dem könnte man jetzt widersprechen, bzw. schreiben, wieso Grenzen da sind. Aber lassen wir hören, wie Wüstenbergs Grenzüberschreitungen daherkommen.
Moderat tun sie das, denn der Folkmantel wird zu keiner Zeit abgelegt. Er hat nur viele Extrataschen. Als erstes fällt jedoch Franks Stimmfärbung auf. Twangig ist sie, kann man lesen. Passt hervorragend zu den Richtungen, Folk und Country. Weiterhin ist bereits beim Titeltrack die Spielfreude und Spielfrische der gesamten Band zu beobachten. Durch das Instrumentarium sind die 'alten Tugenden' des Folkrock zu spüren. Aber auch ein gewisser Aufbruch gen Moderne. Ohne Zweifel passt diese Musik auch ins Tagesradio. Quirlig perlen die Songs aus den Lautsprechern und wenn es im Anschreiben heißt, dass »explosive Energie auf filigrane Melancholie trifft«, dann mag ich das gerne glauben.
Folkliebhaber alter Schule werden eventuell etwas nach Luft schnappen, ob er Verve und der Tatsache, dass Sachen wie etwa "Trading Manners For The Madness" perfekte Partystimmung mit auf den Tischen tobenden Menschen vermittelt. Allerdings sind irische Trinkanimationen, transportiert per Geige, ebenfalls Partygast. Die Gitarre mag hier und da etwas zu viel rocken und dem ein oder anderen sind Lieder wie "Good People" vielleicht zu aufgepimpt. Aber, und da bin ich sicher. Wüstenberg werden auf ihren Shows die Fans zum Schwitzen bringen. Der Mantel dieses Genres ist sehr weit geschnitten und bietet Platz für Viele. Wer nicht darunter passt, sucht sich eben einfach einen anderen Mantel.
- Franz Wüstenberg (Gesang, Akustik- & E-Gitarre)
Simon Scherer (Banjo, Mandoline, Backings)
Béatrice Wissing (Geige)
Catherine Kuhlmann (Klavier, Orgel)
Torben Richter (E-Gitarre, Backings)
Alexander Lauer (Bass, Backings)
Phil Kämpflflein /Drums) - Tracks: 1. The King’s Gambit 2. Call Me A Fool 3. Hold On To 4. Trading Manners For The Madness 5. Man With No Baggage 6. Paradox For Love 7. Good People 8. Revenge Is For The Weak







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