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Lake / Lake & Lake II – Original Vinyl

Lake - "Lake & Lake II" - Vinyl-Review

Um ganz ehrlich zu sein, hatte ich die Deutsch-/Englische Band Lake eigentlich nie wirklich auf dem Schirm und meine einzige musikalische Verbindung zu der Combo war das Wissen, dass Alex Conti dort für den größten Teil der Gitarrenarbeit zuständig war. Umso überraschter war ich beim Genuss dieser Doppel-LP, die Teil der von dem Label Sony Music neu gestarteten Serie "Original Vinyl" ist. Mit zwei Keyboards, Gitarre(n), Bass und Schlagzeug zauberte die in Hamburg ansässige Gruppe nämlich einen astreinen Westcoast- bzw. nach den USA klingenden Sound aufs Parkett. Bezüglich der Vocals lassen hier und da doch mal ganz gehörig die Eagles oder auch Poco grüßen, ohne dass sich dies in irgendeiner Art negativ auswirkt. Die Tracks wurden klasse in Szene gesetzt und der mehrstimmige Gesang kommt absolut gekonnt.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich immer (oder auch besser nie) streiten und manchem Musik-Fan war die Mucke des zum Zeitpunkt der Aufnahmen zum ersten sowie zweiten Album zu seicht und … ja, eben sich zu sehr an amerikanischen Vorbildern orientierend. Dass der Hörer nicht unbedingt von den Gitarren 'über den Haufen gefahren wird' liegt sicher auch daran, dass beim Debütalbum der Keyboarder Detlef Petersen mit sechs der acht Tracks den Löwenanteil der Kompositionen inne hatte und eine weitere auch noch von dem zweiten Tastenmann Geoffrey Peacey kam. Dennoch ist das handwerklich ganz stark gemacht und sowohl mit der Single "Time Bomb" sowie dem gleichnamigen Debüt konnte Lake in den unteren Regionen der US-Amerikanischen und auch kanadischen Charts landen. Ein toller Erfolg.

In unseren Landen war sicherlich die Single "On The Run" am bekanntesten und erfolgreichsten. Dieses Stück könnte man eigentlich als Parade-Beispiel für den Sound der Band ins Spiel bringen. Irgendwie wirkt das alles sehr 'leicht', ist mit tollen (sowie musikalischen, als auch gesanglichen) Melodien versehen und dennoch ist ordentlich Druck da, der zunächst unscheinbar, dann aber immer spürbarer von der Rhythmus-Abteilung kommt. Ganz ohne Makel kommt die Scheibe letzten Endes aber doch nicht davon, da – neben aller vorhandenen Klasse – Nummern wie "Do I Love You" oder auch "Jesus Came Down" (trotz sehr starkem Gitarrensolo) dann (zumindest mir) doch etwas zuviel des Guten bzw. der Harmonie sind. Ansonsten Daumen nach oben für ein sehr gutes Debüt, das von meinem Favoriten "Between The Lines" abgeschlossen wird.

Lake ging anschließend sogar auf US-Tour und spielte im Vorprogramm von Bands wie Lynyrd Skynyrd, Black Oak Arkansas oder sogar Neil Young. Das zweite Album wurde dann in Hamburg, in den legendären Rockfield Studios in Wales und teilweise in Colorado aufgenommen. Nicht nur war das Line-up stabil geblieben, auch die Songwriting-Teams (Hopkins-Harrison/Petersen bei sechs Titeln sowie Hopkins-Harrison/Peacey bei drei Stücken) hatten sich etabliert. "Lake II" setzte genau am Sound des Debüts an. Durchdachte Kompositionen, die viel Wert auf Melodik und ausgeklügelte Arrangements setzten. Und dennoch hatte sich etwas verändert, da sich diese neun frischen Tracks noch etwas 'luftiger' und 'leichter' anhören, sprich der Druck- bzw. Rock-Anteil etwas zurückgenommen wurde. Diesbezüglich geht es erstmalig bei "Letters Of Love" etwas herzhafter zur Sache, was der Scheibe unbedingt gut tut. Insgesamt kam und kommt "Lake II" zwar nicht ganz an das Debüt heran, dürfte für die Fans der Band sowie dieses Sounds aber immer noch ein Leckerbissen sein.

Leider war dieser zweiten Platte in der neuen Welt kein Chart-Erfolg mehr vergönnt und nach nur einer weiteren Scheibe ("Paradise Island", 1979) brach Lake mit dem Abgang von Detlef Petersen, Geoffrey Peacey und dem Bassist Martin Tiefensee fast auseinander. Dennoch rauften sich Alex Conti, James Hopkins-Harrison und Dieter Ahrendt zusammen, rekrutierten immer wieder mal neue Musiker und hielten noch ein paar Jahre durch. Nach acht Alben, einer stattlichen Zahl an Umbesetzungen und fast genau fünfzehn Jahren war dann 1988 erstmal Feierabend, bis es Anfang der 2000er zu einer bis heute (mit dem Original-Gitarrist Alex Conti) anhaltenden Reunion kam. Allerdings ohne den Sänger James Hopkins-Harrison, der traurigerweise im Jahr 1991 an einer Überdosis Heroin starb.

Der Sound dieser beiden Alben bzw. des Doppel-Vinyls ist ein Gedicht und lohnt sich alleine schon, diese Band einmal anzuchecken. Und jeder, für den Lake sowieso schon lange kein Neuland mehr ist, darf sich ebenfalls an dieser super klingenden Neuauflage erfreuen.


Line-up Lake:

James Hopkins-Harrison (lead vocals)
Dieter Ahrendt (drums & percussion, background vocals)
Geoffrey Peacey (keyboards, guitars, background vocals)
Martin Tiefensee (bass)
Alex Conti (guitars, background vocals)
Detlef Petersen (keyboards, background vocals)

Tracklist "Lake" & "Lake II":

Side 1 – "Lake":

  1. On The Run
  2. Sorry To Say
  3. Time Bomb
  4. Chasing Colours
  5. Do I Love You

Side 2:

  1. Key To The Rhyme
  2. Jesus Came Down
  3. Between The Lines

Side 3 – "Lake II":

  1. Welcome To The West
  2. See Them Glow
  3. Letters Of Love
  4. Red Lake
  5. Love’s A Jailer

Side 4:

  1. Lost By The Wayside
  2. Highway 216
  3. Angel In Disguise
  4. Scoobie Doobies

Gesamtspielzeit: 18:27 (Side 1), 18:42 (Side 2), 23:22 (Side 3), 20:22 (Side 4), Erscheinungsjahr: 2019 (1976, 1978)

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
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Mail: markus(at)rocktimes.de

7 Kommentare

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  1. Matthias

    eigentlich haben alle Alben was – manches halt nicht so erfolgreich aber Freedom z.B. (ich hab beide Versionen auf CD) mE sehr gut – das tolle Doppelalbum live nicht zu vergessen, und von der letzten Tour konnte man Mitschnitte käuflich erwerben -und die Band war am Merchandise Stand sowas von nett und gesprächsbereit – lustig war das Lynyrd Skynyrd Konzert in Karlsruhe, da waren plötzlich Lake als Vorband mit leider zu wenigen Songs zu hören, ich glaube die beiden Bands haben sowieso eine guten Draht zueinander…. tja Teile der Band sicher nicht mehr die jüngsten von daher rechne ich auch nicht mit einer Tournee – aber eine großartige Band, die nicht vergessen werden sollte von daher gut wenn sie "gestreamt" werden kann….

    1. Manni

      Das erste Lake-Album hatte bei mir 1976 eingeschlagen wie eine Bombe… auch die beiden Nachfolger waren durchweg klasse und ich hab die Band zweimal live erlebt, beide Male in Saarbrücken und auch in der selben Location, nämlich der Kongresshalle. Zuerst am 17. April ’78 und ca. ein Jahr später, am 15. Mai ’79, als sie ihr damals neues Album "Paradise Island" vorstellten. Schöne Erinnerungen (auch an die jeweiligen Begleiterinnen) 🙂

  2. matthias lang

    wieso Streaming Dienste? solche Schätze hat man natürlich auf Vinyl – von damals – welch tolle Band, welch großartige Konzerte noch vor wenigen Jahren, wenn da wirklich der Nachfolger von Freedom kommt, evtl. Tourneen? wäre großartig -und die waren mal auch in den Staaten richtig na ja fast richtig groß. Frohes neues Jahr an alle Matthias

    1. Ralph

      Es steht außer Frage, dass jeder, der die Möglichkeit hatte, mit der Band groß zu werden, solche Schätze auf Vinyl besitzt. Bislang war das 'digitale Erbe' von Lake über Sony jedoch eher spärlich, doch seit Mai 2025 werden die Streaming-Dienste endlich regelmäßig bedient. 🙂

      Auch wenn ich ein großer Fan der ersten drei Alben bin, sollte man nicht vergessen, dass 'Celebrate' aus dem vierten Album Ouch! ein echter Radiohit in Indonesien war und es zahlreiche Coverversionen auf YouTube gibt.

      Das neue Lake-Album soll eine Art Wiedervereinigung darstellen. Alex Conti hatte dies bereits 2020 angekündigt. Petersen, Conti, Peacey und Tiefensee veröffentlichen nach fast 50 Jahren wieder ein gemeinsames Album. Ob eine Tournee folgen wird? Ich persönlich bezweifle es, aber vielleicht gibt es das Album mit ein oder zwei Konzerten in Hamburg zu feiern.

  3. Ralph

    Moin zusammen,

    mein verstorbener Vater war ein großer Lake-Fan, daher verfolge ich dies etwas intensiver. 🙂 In der Zwischenzeit wurden die ersten drei Lake-Alben veröffentlicht und es wurde sogar ein neues Album aufgenommen. Die erste Single "Boy On A Mission" ist seit dem 09.01. online.

    LG Ralph

  4. Ralph

    Moin zusammen,

    seit dem 23.05.25 ist das erste Lake-Album auch bei den Streaming-Anbietern online – zusätzlich mit der EP "Live at the BBC".
    Laut Sony Music folgt der weitere Band-Katalog schrittweise.

    1. Markus Kerren

      Hey Ralph,

      besten Dank für die Info. Definitiv eine gute Nachricht für alle Streamer unter uns.

      LG,
      Markus

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