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Midnight Shine / High Road – CD-Review

Midnight Shine - "High Road" - CD-Review

Aus dem hohen Norden Kanadas stammt die Band Midnight Shine, deren Mitglieder (inklusive der neuen, auf diesem Album noch nicht vertretenen, Schlagzeugerin Charnelle Menow) alle dem Stamm der Cree-Indianer angehören. Die Gruppe kam 2011 zusammen, als der Gitarrist und Sänger Adrian Sutherland für ein Konzert engagiert wurde und dafür eine Band zusammenstellen musste. Die Chemie zwischen ihm, Stanley Loutit (bass), Zach Tomatuk (lead guitar) sowie dem Drummer George Gillies (der 2017 ausstieg, auf "High Road" aber noch auf ein paar Stücken zu hören ist) erwies sich dann als so gut, dass die vier Musiker noch am selben Abend beschlossen, künftig gemeinsame Sache zu machen. Bei dem bereits erwähnten und hier zu reviewenden Album "High Road" (das bereits 2018 erschienen ist) handelt es sich um die nunmehr dritte Scheibe der Nordamerikaner und zumindest in ihrer Heimat dürfen sie sich bereits an einer großen und immer weiter wachsenden Fangemeinde erfreuen.

Dieser Erfolg kommt ganz sicher nicht von ungefähr, denn bereits beim ersten Durchlauf von "High Road" fallen sowohl das gute Songwriting sowie die Eingängigkeit der zehn Tracks auf, die deshalb aber nicht auf eine gesunde Dosis von Ecken und Kanten verzichten. Adrian Sutherland erweist sich als Haupt-Songwriter, wenn sowohl Loutit, als auch Tomatuk (als Co-Writer) ebenfalls einen nicht zu verachtenden Input hatten. Bei dem einzigen Cover handelt es sich um Neil Youngs "Heart Of Gold", das mit indianischen Gesängen und Percussion angereichert wurde, dazu eine zusätzliche Strophe in einer Sprache enthält, die sehr wahrscheinlich die der Cree-Indianer ist. Sehr gelungen. Das Gaspedal wird bei Midnight Shine nicht wirklich durchgetreten, vielmehr konzentriert sich die Combo auf Roots Rock und Americana. Sutherland erweist sich ein ums andere Mal als sehr guter Sänger und auch die musikalische Umsetzung lässt keine Wünsche offen.

Bei "Lonely Boy" ist beispielsweise eine klasse wabernde Orgel mit im Spiel, die Gitarren rocken im Hintergrund und auch hier zaubert die Band einen richtig guten Refrain aus dem Ärmel. Ebenfalls beeindruckend ist das abschließende "I Need Angels", das sich mit der erschreckend hohen Selbstmord-Rate in den Indianer-Reservaten beschäftigt. Die Stimmung der Platte setzen jedoch zu Beginn so coole Stücke wie "Leather Skin" (mit bestechender Gesangslinie sowie einem schönen ergänzenden Piano), der von der Gitarre kurioserweise etwas an U2 erinnernde Titeltrack sowie "Velocity", das zunächst einen höllengeilen Gitarren-Groove auffährt und sich damit bis zur Bridge durchrockt, bis dann schließlich in den Refrain eingebogen wird. Macht richtig Spaß. "Words I Could Have Said" hat dagegen einen deutlichen Folk-Einschlag, gefällt aber alleine schon durch sein tolles Arrangement, womit übrigens alle Songs dieses Silberlings gesegnet sind.

Ganz sicher würde ich lügen, wenn ich behaupten würde, dass Midnight Shine mit "High Road" das Rad neu erfunden hätten oder die neue ganz große Sensation sind. Dafür ist den Musikern mit ihrer dritten Platte allerdings eine richtig gute gelungen, die in Americana- und Roots-Kreisen ganz sicher auf offene Ohren stoßen wird. Um die Pluspunkte zusammen zu fassen, seien noch einmal das gute Songwriting, die cleveren Arrangements sowie der auffallend gute Sänger Adrian Sutherland genannt. Die Band hatte für dieses Album mit zwei Produzenten in unterschiedlichen Studios gearbeitet, was nicht immer gutgehen muss, in diesem Fall aber wie eine Hand in die andere greift. Glückwunsch zu "High Road"!


Line-up Midnight Shine:

Adrian Sutherland (acoustic guitars, harmonica, hand-drum, lead & background vocals)
Stanley Loutit (bass, background vocals)
Zach Tomatuk (electric & slide guitars, background vocals)

With:

John-Angus MacDonald (electric guitars, background vocals)
Tim Vesely (keyboards)
Jesse O’Brien (keyboards)
Chris Gormley (drums & percussion)
Zach Sutton (drums & percussion)
George Gillies (drums & percussion, background vocals)

Tracklist "High Road":

  1. Leather Skin
  2. Cold Walker
  3. High Road
  4. Velocity
  5. Survivor
  6. Words I Could Have Said
  7. Heart Of Gold
  8. Lonely Boy
  9. Sister Love
  10. I Need Angels

Gesamtspielzeit: 36:27, Erscheinungsjahr: 2018

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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