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Miller Anderson with Uli Twelker / Woodstock, 1000 Clubs & Royal Albert Hall – Buch-Review

Miller Anderson with Uli Twelker / Woodstock, 1000 Clubs & Royal Albert Hall - Buch-Review

Es ist ja schon lange kein Geheimnis mehr, dass es im Musik-Business nicht immer gerecht zugeht, ganz zu schweigen davon, dass Bands und Musiker von gewissen Zweigen dieses Geschäfts gleichberechtigt behandelt werden. Und so gibt es neben denjenigen, die den Durchbruch schaffen und weltweit Verkäufe in Millionenhöhe erreichen auch unheimlich viele erstklassige Leute, die noch nicht einmal die Möglichkeit bekommen bzw. bekamen in ein Aufnahmestudio zu gehen und wenn überhaupt, dann diese Songs einem größeren Kreis der Musik-Fans zugänglich zu machen (was sich im digitalen Zeitalter natürlich schon enorm gebessert hat). Und dann gibt es noch den Stand von Musikern, die tatsächlich seit Jahrzehnten davon leben können, auf den größten Bühnen der Welt standen und stehen, auch ihre eigenen Alben veröffentlichen können und dennoch immer in der zweiten Reihe verweilen.

Was mich umgehend zu dem schottischen Musiker Miller Anderson bzw. dem hier zu reviewenden Buch "Woodstock, 1000 Clubs & Royal Albert Hall" bringt. Wer ein bisschen tiefer in die (Blues-) Rock-Szene Englands eingetaucht ist, dem wird Mr. Anderson schon sehr lange kein Fremder mehr sein. Sei es aus seiner Zeit (als prägender Komponist, Gitarrist und Sänger) mit der Keef Hartley Band, seinem ersten Soloalbum "Bright City", der Periode mit Savoy Brown (und der Platte Boogie Brothers), seiner Mitarbeit an dem Album Broken Glass von Stan Webbs kurzlebiger Band gleichen Namens, dem Zeitabschnitt mit Marc Bolan bei T. Rex oder danach bei The Dukes (zusammen mit u. a. Jimmy McCullough) bis hin zu späteren Soloalben und natürlich der Zeit mit der Spencer Davis Group, dem Jon Lord Blues Project und so einigen weiteren Bands, die er zeitweise führte oder in denen er 'lediglich' als Mitmusiker aktiv war. Was all diesen Bands und Projekten während seiner Mitgliedschaft gemein war und ist? Mit einem Miller Anderson an seiner Seite darf man immer allerhöchste Qualität erwarten, die man dann auch geliefert bekommt.

Nun hatte sich der Journalist Uli Twelker (auch durch seine Mitarbeit bei dem Print-Magazin Goodtimes bekannt) mit dem guten Miller zusammen getan, um auf die mittlerweile über fünfzigjährige Karriere des Briten zurückzuschauen und die einzelnen Stationen durchzugehen. Alles fing in Schottland an, doch schnell wurde bemerkt, dass ein Musiker damals in den sechziger Jahren nach London musste, um etwas erreichen zu können. Nachdem dort zunächst auch nicht alles glatt lief, lernte unser Protagonist aber zumindest Ian Hunter kennen und schätzen, während die beiden Musiker zusammen in einer Band spielten. Ein großer Schritt war dann der Einstieg bei der Keef Hartley Band, mit der er sogar auf dem legendären Woodstock-Festival spielte. Unglücklicherweise erlaubte das damalige Band-Management nicht, dass der Auftritt gefilmt werden durfte. Im Nachhinein ein schwerer Fehler, wenn man bedenkt, dass Künstler wie Richie Havens, Joe Cocker, Santana, Melanie, Ten Years After und viele weitere erst dem damals entstandenen Festival-Film ihre Weltkarrieren verdankten.

So geht es in dem Buch Station um Station (nicht zu vergessen natürlich auch Millers Jahre bei der Band Mountain oder der Hamburg Blues Band) weiter, bis man etwas tiefere Einblicke bekommt, warum es mit dem ein oder anderen Projekt trotz großartiger Musik erfolgstechnisch eben nicht hingehauen hat. Anderson macht jedoch bereits im Vorwort klar, dass dieses Buch nicht dazu geschrieben wurde, um schmutzige Wäsche zu waschen oder hier gar einen Rachefeldzug gegen ihm widerfahrene Ungerechtigkeiten/Abzockereien zu führen – es sollte um die Musik und den Spaß an der Musik gehen. Und der ist vorhanden, denn der Brite ist nicht darum verlegen, uns auch so einige Anekdoten aus der Vergangenheit zu erzählen. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann dass dem Verfasser dieser Zeilen einige Karriere-Abschnitte (wie etwa Savoy Brown oder die Aktion mit Stan Webb’s Broken Glass) etwas zu kurz abgehandelt werden. Aber Schwamm drüber, denn einerseits waren diese genannten Stationen Andersons relativ kurz und andererseits gibt es vielleicht auch gar nicht immer so viel Interessantes zu erzählen, wie man sich das als Fan eben vorstellt.

Interessanterweise kommt das Buch sowohl auf Englisch, als auch auf Deutsch und zwar auf einen Blick. Sprich, wenn man das aufgeklappte Buch vor sich hat, dann ist die linke Seite in englischer und die rechte in deutscher Sprache. Was die 250 Seiten allerdings dann auch wieder auf die Hälfte an eigentlichem Lesestoff reduziert. Sehr schade, denn weitere einhundert Seiten (oder gar mehr) hätten nach über fünfzig Jahren auf den Bühnen und im Studio bestimmt locker noch zusammen kommen können. Dennoch hat Uli Twelker sehr gute Arbeit geleistet.

"Woodstock, 1000 Clubs & Royal Albert" ist ein absolutes Lesevergnügen, dass von einer hochinteressanten Karriere in locker-leichtem Stil berichtet. Als wenn die beiden Autoren (was sie ganz sicher auch getan haben) im Wohnzimmer oder Pub bei dem ein oder anderen Kaffee (oder Pint) zusammen gesessen hätten, während Miller Anderson seine Memoiren auspackte. Empfehlung!


Erstausgabe, erschienen 2019
Aus dem Englischen von Uli Twelker
Paperback, 251 Seiten
ISBN: 978-3-00-062872-6
15,00 EURO

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
Meine Beiträge im RockTimes-Archiv
News
Meine Konzerberichte im Team mit Sabine
Mail: markus(at)rocktimes.de

2 Kommentare

  1. g. Eschbach

    Hallo ,was mich interessieren würde ?? wie groß ist der T.rex Anteil im Buch ?
    Ich habe MA schon einige male live gesehen , ein toller Musiker und immer freundlich seinen Fans gegenüber.
    Mit seiner Keef Hartley Zeit ( trotz Woodstock ) kann ich nicht viel anfangen. Bin quasi irgendwann mal über eine Konzert Ankündigung gestolpert und da fiel mir ein….he der war doch im letzten Line UP von T.Rex .und dann hab ich mich mit seiner Solo Musik beschäftigt.

    1. mk

      Hallo g.,

      fast alle Kapitel in dem Buch sind recht kurz gehalten und Miller’s Zeit bei T. Rex dauerte ja auch nicht allzu lange. Er spielte wohl einige Konzerte mit ihnen, war sowohl bei einem TV-Auftritt dabei, als auch bei den Aufnahmen zu einem Album. Aber noch bevor dieses abgeschlossen war, hatte er die Band bereits wieder verlassen. Das Kapitel bezüglich T. Rex füllt dann auch lediglich fünf bis sechs Seiten des Buchs.

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