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Motörhead / The Löst Tapes, Vol. 1-5 – Digital-Review

Motörhead - "The Löst Tapes, Vol. 1-5" - Digital-Review

Nach eigenem Bekunden hat Ian 'Lemmy' Kilmister, Gründer, Bassist, Sänger und einziges von Anfang bis Ende stetes Mitglied von Motörhead, seine Combo immer in allererster Linie als Live-Band gesehen. Die Arbeiten an den Studioalben habe er anfangs geradezu überhaupt nicht gemocht und den Spaß daran erst sehr viel später gefunden. Und auf der Bühne waren die jeweiligen Line-ups, egal ob mit 'Fast' Eddie Clarke, Phil 'Philthy Animal' Taylor, Würzel, Pete Gill und wahrscheinlich ebenso die erste Besetzung mit Larry Wallis und Lucas Fox auch tatsächlich immer ein Erlebnis. Prollig, positiv-aggressiv, mit starken Songs gesegnet und verdammt, verdammt laut. Okay, mit dem ehemaligen Thin Lizzy-Gitarristen Brian 'Robbo' Robertson und seinem etwas eigenwilligen Sinn sich zu kleiden, kamen die Fans nicht immer klar, aber das einzige mit ihm aufgenommene Studioalbum Another Perfect Day darf man heute zweifelsfrei ebenfalls als Klassiker im Backkatalog der Band einordnen.

Nach dem Tod Lemmys wurden in den letzten Jahren immer wieder mal komplette Konzerte der Band, vornehmlich in der Besetzung Lemmy / Phil Campbell / Mickey Dee, unter dem Namen "The Löst Tapes" digital veröffentlicht, die direkt am Soundboard mitgeschnitten wurden. So wie es in der Ankündigung hieß, war die Nachfrage hinsichtlich CD-Ausgaben so »…überwältigend…«, dass das Label BMG die ersten fünf Volumes nun in einer Box auf den Markt bringt. Enthalten sind Shows aus den Jahren 1984, 1995, 1998, 2000 sowie 2008 jeweils in ihrer Gänze, die ohne Overdubs oder weitere Beschönigungen daherkommen. Was der Fan hier bekommt, ist Motörhead pur, 49 % Motherfucker – 51 % Son of a Bitch, Lemmy und seine Jungs live und in Farbe, wie sie auf den Bühnen leibten und lebten … und diese zerlegten. Ein erster ganz großer Pluspunkt aller fünf Konzerte ist, dass sie in sehr gutem Sound festgehalten wurden. Klar ist das nicht perfekt, aber Motörhead standen schließlich eigentlich immer schon für die gute alte perfekte Unperfektheit. Und haben diese fast sogar perfektioniert.

Wie auch immer, die Show vom 1. Juni 1995 macht den Anfang und bringt ein bärenstarkes Konzert der Band in Hochform. Mickey Dee war mittlerweile auch bereits ein paar Jahre an Bord, was sich natürlich hinsichtlich des Zusammenspiels der Band mit jedem weiteren Konzert bemerkbar machte. Lemmy versucht sich in Spanisch und säuselt auch mal ein einladendes »Senoriiiitaaas?!?« in die Menge … köstlich! Und an diesem Abend brachte die Band sogar den alten Hawkwind-Hit "Silver Machine". Ein ganz feiner Bonus und die sogenannte Kirsche auf der Torte! Klar, dass da die Shows in Norwich (vom 18. Oktober 1998) sowie Malmö (vom 17. November 2000) nicht hinten an stehen wollen. Auch hier geht es Motörhead-typisch in die Vollen, Spielfreude pur und auch die bei der Band zum guten Ton gehörenden Spielfehler kommen hier und da vor. Nichts, woran sich ein großer Geist stört. Vielmehr ist es so, dass dem Fan beim Anhören dieser Konzerte erst wieder so richtig bewusst wird, wie sehr er Motörhead tatsächlich vermisst.

Ein Ausreißer hinsichtlich der Bandbesetzung ist der Gig vom 29. Dezember 1984 in Heilbronn, der in der damaligen Besetzung Lemmy / Phil Campbell / Würzel / Pete Gill gespielt wurde. Diese Besetzung hatte zum Zeitpunkt des Gigs noch kein Studioalbum aufgenommen, sodass sie sich in erster Linie auf die Bandklassiker konzentrierte. Alleine neun Tracks der Kult-Scheibe "No Sleep Til Hammersmith" sind hier am Start (nur "Capricorn" und "Iron Horse" fehlen) und diese wurden von weiteren Perlen der Lemmy / Clarke / Taylor-Phase wie etwa "Iron Fist", "Shoot You In The Back", "Heart Of Stone" oder "Bite The Bullet/The Chase Is Better Than The Catch" (um nur mal ein paar zu nennen) ergänzt, dazu kamen die zu jener Zeit neuen Tracks "Steal Your Face", "Nothing Up My Sleeve" sowie "Killed By Death". Einen besonderen Platz nimmt noch das fünfte Konzert der Band vom auf dem Download Festival in Donington ein, dem wahrscheinlich größten Publikum, vor dem die Band in ihrer Heimat je aufgetreten ist.

"The Löst Tapes, Vol. 1 – 5" ist also ein absolutes Muss für jeden Motörheadbanger dieses Erdballs und die Gründe liegen auf der Hand: Es sind jeweils volle Konzerte inklusive aller Ansagen, der Sound wurde nicht beschönigt, sodass man hier die volle Breitseite der Musiker ohne Netz und doppelten Boden bekommt und außerdem nochmal eindringlich daran erinnert wird, wie stark und besonders diese Konzerte waren. Und last but not least sind hier massenhaft live eher selten gespielte und teilweise auf keinem anderen offiziellen Live-Album enthaltene Tracks der Marke "Sex And Death", "Dog Face Boy", "Liar", "Stone Dead Forever", "Shine", "Heart Of Stone", "Silver Machine", "Born To Raise Hell", "Rosalie" (ein Bob Seger– bzw. Thin Lizzy-Cover) und viele weitere vertreten.

Prädikat: Besonders wertvoll!!!


Line-up Motörhead:

Lemmy Kilmister (bass, lead vocals)
Phil Campbell (guitars, background vocals)
Mikkey Dee (drums – CD 1-3,5)
Mick 'Würzel' Burston (guitars – CD 4)
Pete Gill (drums – CD 4)

Tracklist "The Löst Tapes Vol. 1-5":

CD 1 – "Live at Sala Aqualung, Madrid, 1st June 1995":

  1. Ace Of Spades
  2. Sex And Death
  3. Over Your Shoulder
  4. I’m So Bad (Baby, I Don’t Care)
  5. Metropolis
  6. On Your Feet Or On Your Knees
  7. Liar
  8. Stay Clean
  9. Burner
  10. Orgasmatron
  11. Dog Face Boy
  12. Born To Raise Hell
  13. Nothing Up My Sleeve
  14. Lost In The Ozone
  15. Mikkey Dee Drum Solo
  16. The One To Sing The Blues
  17. Lemmy Bass Solo
  18. You Better Run
  19. Sacrifice
  20. Going To Brazil
  21. Killed By Death
  22. Silver Machine
  23. Iron Fist
  24. Overkill

CD 4 – "Live at Sporthalle, Heilbronn, 29th December 1984":

  1. Iron Fist
  2. Stay Clean
  3. Heart Of Stone
  4. The Hammer
  5. Metropolis
  6. Shoot You In The Back
  7. Jailbait
  8. Killed By Death
  9. Ace Of Spades
  10. Steal Your Face
  11. Nothing Up My Sleeve
  12. (We Are) The Road Crew
  13. Bite The Bullet
  14. The Chase Is Better Than The Catch
  15. No Class
  16. Bomber
  17. Motörhead
  18. Overkill

CD 5 – "Live at Download Festival, Donington, June 13, 2008":

  1. Doctor Rock
  2. Stay Clean
  3. Be My Baby
  4. Killers
  5. Metropolis
  6. Over The Top
  7. One Night Stand
  8. Rosalie
  9. In The Name Of Tragedy
  10. Just 'cos You Got The Power
  11. Going To Brazil
  12. Killed By Death
  13. Ace Of Spades
  14. Overkill

CD 2 – "Live at University of East Anglia, Norwich, 18th October 1998":

  1. Bomber
  2. No Class
  3. I’m So Bad (Baby, I Don’t Care)
  4. Over Your Shoulder
  5. Civil War
  6. Take The Blame
  7. The Chase Is Better Than The Catch
  8. Nothing Up My Sleeve
  9. Born To Raise Hell
  10. Shine
  11. Love For Sale
  12. Dead Men Tell No Tales
  13. Overnight Sensation
  14. Sacrifice
  15. Too Late, Too Late
  16. Orgasmatron
  17. Stone Dead Forever
  18. Going To Brazil
  19. Killed By Death
  20. Iron Fist
  21. Ace Of Spades
  22. Overkill

CD 3 – "Live at KB Hallen, Malmö, 17th November 2000):

  1. We Are Motörhead
  2. Bomber
  3. No Class
  4. I’m So Bad (Baby, I Don’t Care)
  5. Over Your Shoulder
  6. Civil War
  7. Metrropolis
  8. Shoot You In The Back
  9. God Save The Queen
  10. Born To Raise Hell
  11. Stay Out Of Jail
  12. Damage Case
  13. Sacrifice
  14. Orgasmatron
  15. Lemmy Bass Solo
  16. Going To Brazil
  17. Broken
  18. Iron Fist
  19. Killed By Death
  20. Ace Of Spades
  21. Overkill

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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