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Nick Steed / Secrets Of The Kings’s Court – CD-Review

Nick Steed / Secrets Of The Kings’s Court - CD-Review

Nick Steed kennt man spätestens seit sechs Jahren, als er zu Colosseum stieß und dort für die Tasten verantwortlich zeichnete. Eine Band, die zu Nick passt, denn stilistisch ist der englische Musiker breit gefächert unterwegs und nennt Blues, Jazz, Rock, Fusion und auch Klassik als seine Pfründe. Kein Wunder, wuchs er in jungen Jahren doch u.a mit Bands wie ELP oder Focus auf.

Neben Colosseum finden sich bei einem Musiker seiner Qualität natürlich auch weitere Formationen in der Vita. Ich möchte mal The Nick Steed Five. Optimystik Visionaries, die Norman Beaker Band und THR33 nennen, denn diese Bands verweisen auf die vielen musikalischen Richtungen, denen Steed frönt. Zur Zeit ist Nick Steed auch als Trio mit Sebastian Lorenz und Steve Gibson unterwegs.

Blues, Jazz und Rock erwartet uns auf "Secrets Of The Kings’s Court" eher weniger, denn wie Nick preisgibt, handelt es sich um ein Konzeptalbum, dem eine Sammlung Songs zugrunde liegt, die er über Jahre für genau ein solches Werk geschrieben hat. Diese Platte liegt nun also vor uns und der Fokus liegt zu einem guten Teil auf klassisch angehauchten Tunes. Mit an Bord sind seine beiden Colosseum Mates Clem Clempson und Mark Clarke, wobei – auch Ray DeTone mit dieser Band zu nennen ist. Greg Morgan und Peter Mason sind mit Nick bei den Optimystik Visionaries zu verorten. Ein weiter Freund, der Nick auf dem neuen Album zur Seite steht ist Stephen Cordiner, ein gefragter Sessionmusiker für Streichinstrumente.

Klassisch angehauchte Tunes, schrieb ich und ja, da steckt eine Portion Klassik im Gewand des königlichen Gerichts. Aber auch die Schreibweise classic passt, denn das Gewand ist aus Classic Prog gewebt und die Kombination ist seht gelungen. Kurz gesagt, gibt es nur drei Stücke auf der Platte: "The English Garden Suite", "George III 'The Mad King'" und "Secrets Of The King’s Court". Die drei Nummern sind allerdings unterteilt in Themen (Track 1) und Variationen.

Klassikfreunde werden sich bei den ersten Tönen wohlfühlen, denn "Theme 1. The Work Of Man'" startet mit schönem 'Gestreiche' und Cembalospiel – zwei Instrumente, denen wir in der "Garden Suite" noch öfter begegnen. Es gibt aber auch rockige Momente, wenn Gitarre, Schlagzeug, Bass und Keys dazustoßen und sich mit den Geige und Cembalo den englischen Garten teilen. Wie perfekt Klassik und Rock zusammenpassen, weiß man spätestens seit Deep Purples "April", der irren Messlatte.

Die drei Themen der "Englisch Garden Suite" verbinden Klassik und Moderne auf äußerst tolle Weise und wenn "Wind, Rain & Storm" aus den Lautsprechern tönt, Gitarre und Hammond aufspielen, dann muss man den Hut ziehen, ob dieser Komposition. Auch die beiden Variationen des 'Verrückten Königs'  mischen klassische mit proggigen Strukturen und die teils wilde Fahrten über die Klaviaturen zu pumpenden Bass und treibenden Fellen sind äußerst quirlig und dampfend.  Schön, dass der Sechssaiter hier etwas gebremst im Hintergrund agiert.

Die erste der sechs Variationen der "Secrets Of The King’s Court" starten wieder mit dieser Spur Klassik, die so gut zur Rockmusik passt, weil Melodie und Choreografie gar nicht so auseinander liegen. Zum anderen ist die Balance sehr ausgewogen und typische Instrumente einer klassischen Besetzung sind erst wieder in der letzten Variation zu vernehmen. Natürlich stehen einem Keyboarder aber allerlei Möglichkeiten offen, eine Reminiszenz an klassische Kompositionen wann auch immer herbeizuführen. Und davon macht Nick auch auf eindrucksvolle Weise Gebrauch. Die "Variation 4" zum Beispiel lässt eine frühmorgendliche Wiese vor meinem geistiges Auge erscheinen. Zugegeben, was Klassik betrifft, kann ich lediglich auf Stücke die wohl jeder kennt (ich sag mal "Die Moldau", "Bolero", "1812", "Vier Jahreszeiten", "Toccata und Fuge d-Moll", den "Walkürenritt" und Konsorten) zurückgreifen, habe aber ansonsten Null Ahnung von dieser Materie. Wenn Klassik läuft, kann ich aber zumindest beurteilen, ob mir das gefällt oder moch überfordert.

Wie schön es doch dann ist, wenn ein Musiker 'meiner Musik' das berühmte Quäntchen (für Klassikkenner) oder auch Quantum (für solche, wie mich) an klassischer Komponente hinzugibt und somit beide Welten zusammenführt.


Line-up Nick Steed:

Clem Clempson (electric guitar – #1-3, 6-9,11)
Ray Detone (electric & acoustic guitar – #4,5)
Peter Mason (acoustic guitar – #7, 8, 11)
Mark Clarke (bass)
Greg Morgan (drums)
Stephen Cordiner (violin, viola – #1, 2, 10)
Nick Steed (keyboards, Hammond)

Tracklist "Secrets Of The Kings’s Court":

The English Garden Suite:
Theme 1 – The Work Of Man
Theme 2 – A Flourish Of Life
Wind, Rain & Storm

George III 'The Mad King':
Variation 1
Variation 2

Secrets Of The King’s Court:
Variation 1
Variation 2
Variation 3
Variation 4
Variation 5
Variation 6

Gesamtspielzeit:29:55, Erscheinungsjahr: 2026

Über den Autor

Ulli Heiser

Hauptgenres: Mittlerweile alles, was mich anspricht
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