Der Band- oder besser Projektname Phog ist ein Wortspiel und ist aus dem Namen des Musikers Philippe Ogier kreiert. Jeweils die ersten beiden Buchstaben seines Vor- und Nachnamens ergeben das Wort Phog. Ganz einfach also und ganz einfach auch das Line-up, denn Philippe ist Phog. Lediglich auf "In The Distance" und "Summer 22" gibt es Stimmliches von einer Dame namens Ombeline.
Verspielt und süßlich, wie die alten Camel fließt "Awakening" in des Hörers Ohr und wenn dieser Stil beibehalten wird, dann kann man sagen, der Prog des französischen Protagonisten hat diesen britischen Touch, der unaufgeregt aber äußerst inspirierend komponiert ist.
Philippe nimmt mich mit auf eine Reise, die für mich durch die grünen Landschaften Großbritanniens mit alten Castles und idyllischer Natur führt. Da wähnt man sich auf einer stillen fetten Sommerwiese und träumt in den Tag hinein, bis man plötzlich an der sogenannten Jurassic Coast im Südwesten Englands aufwacht, und die Wildheit des heranziehenden Wetters über den schroffen Klippen und dem aufpeitschenden Meer wohlig schaudernd wahrnimmt.
Diese Stimmungen setzt der Künstler durch gekonnte Melodien mit Tasten und Saiten in Szene und tauscht gekonnt die harten und weichen Tonleitern. Passend dazu fließen Gitarre und Bass ein und zaubern so diese Stimmungen, an denen sich die Seele laben kann.
Das klingt jetzt nach entspannter Feierabendmusik, was es mitnichten ist. Nicht nur die Wechsel von Dur und Moll, auch die Tempoänderungen sorgen stets für ein starkes Spannungsmoment. Ebenso wird das durch die äußerste Vielfalt der Keyboardeinstellungen erreicht, indem süße und richtig fette Schwingungen mit harten und einsamen Anschlägen im Wechsel stehen. Auch die Gitarren verstehen dieses kompositorische Mittel perfekt umzusetzen. Nicht nur dadurch, dass sie mal in akustischer Version, mal als das elektrische Pendant aufspielen. Nein, auch da wird schon mal powervoll reingehauen, um auf der anderen Seite zart, verletzlich und Einsamkeit verströmend zu vibrieren.
Eine Spur richtig alter Genesis schwebt ab und an durch die Luft. Nicht was deren Theatralik betrifft, aber dieser typisch britische Prog, den die Band in ihren langen Instrumentalpassagen hatte. Gerade dann, wenn bei "In The Distance" das Ventil geöffnet wird und das Stück Fahrt annimmt und dadurch auch Bass und Percussion so richtig zu arbeiten haben.
Allerdings ist es mir nicht gelungen, in dieser Nummer die im Line-up angegebenen Voices zu hören. Im Gegensatz zu "Summer 22", wo man den Einsatz Ombelines schön hören kann und dieser Einsatz sich gottlob so dezent an die Musik lehnt, dass der Charakter dieses ansonsten reinen Instrumentalalbums in keinster Weise gestört wird.
Der Weg Philippe Ogiers hin zu dieser Art des melodischen Intrumental Progs begann bereits in seinen jungen Jahren, als er – wie so viele andere auch – von Inselbands wie Genesis, Jethro Tull usw. angefixt wurde. Einer seiner Schullehrer spielte in einer Prog-Band und das gemeinsame Thema war Genesis. Philippe begann klassisches Gitarrenspiel zu erlernen und sang in einem Chor. Danach besuchte er einen Kurs, um das Blues-Gitarrenspiel zu lernen. Als er in diesem Kurs eine kurze Steve Hackett-Passage spielte, gab ihm der Lehrer auch in dieser Richtung einiges mit. Der Blues war dann gegessen und der Prog hatte ihn im Griff.
Einen weiteren Kick bescherte ihm die Musik von Roine Stolt, Arenea, und und und … 2018 erschien dann Ogiers erstes Album, "Communication". 2019 folgte "Evidence" und mit "This World" nach Adam Riese das dritte. Da ich die beiden Vorgänger nicht kenne, kann ich keine Vergleiche ziehen, oder Entwicklungen beschreiben. Wenn Philippe aber an "This World" anknüpft und die progressiven Tunes weiterhin so gekonnt choreografiert, werden wir sicher nicht enttäuscht werden.
Line-up Phog:
Philippe Ogier (electric & acoustic guitars, keyboards, bass &
additional percussion)
Ombeline (voices – #5,7)
Tracklist "This World":
- Awakening (8:09)
- Winter Storm (3:03)
- Satellite (6:00)
- Altiplano (4:39)
- In The Distance (5:21)
- No Gravity (9:05)
- Summer 22 (6:05)
Gesamtspielzeit: 42:21, Erscheinungsjahr: 2020



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