«

»

Pink Floyd / Rock Classics – Das Sonderheft – Magazin-Review

pink-floyd-das-sonderheft

Der Blick auf die erste Innenseite des Sonderheftes "Pink Floyd" lässt keinen Zweifel daran: The Australian Pink Floyd Show atmet viel von dem ein, was die vor 60 Jahren gegründete britische Formation so einzigartig – oder besser gesagt: unsterblich – machte. So ist es kein Zufall, dass Sänger und Gitarrist Steve Mac und Bassist Colin Wilson in einem Interview Auskunft geben, warum sie schon seit über 25 Jahren das Original rund um den Globus so erfolgreich kopieren. 2026 gehen sie wieder auf große Konzertspielreise.

Pink Floyd lebt also weiter, nachdem die Band 2015 offiziell aufgelöst wurde. Die Legende lebte und lebt vor allem durch die Solokarrieren von Roger Waters, David Gilmour und Nick Mason. In der vorliegenden Broschüre wird in Interviews viel mit Mythen aufgeräumt. Sehr offenherzig sind beispielsweise die Worte von Roger Waters, die 2017/2018 während der Us + Them-Tour eingefangen wurden. Anlässlich der gleichnamigen Tournee, die mit viel Aufwand im Stil der Ex-Band inszeniert worden war, kamen in einem furiosen Politrock-Spektakel aufblasbare Tiere vor. Eigenwillig, in jeder Hinsicht einmalig und erfolgreich. Aber auch Schlagzeuger, Rennfahrer und Hobbyarchivar Nick Mason kommt ausführlich zu Wort und so leben bei vielen Fans die alten Erinnerungen auf, die in Verbindung mit einer Band stehen, für die es keinen Superlativ gibt. Dazu zählen die monumentalen Alben wie das Konzeptwerk The Wall (1979), das mit über 33 Millionen verkauften Exemplaren zu den weltweit erfolgreichsten Werken zählt. The Dark Side Of The Moon (1973) zählt sogar rund 50  Millionen verkaufter Alben.

In "Pink Floyd – Das Sonderheft" wird auf jeder einzelnen Seite lebendig, was die ursprünglich von Syd Barrett (Gesang, Gitarre), Roger Waters (Gesang, Bass), Richard Wright (Gesang, Keyboard) und Nick Mason (Schlagzeug) gegründete Formation so unverwechselbar machte. 1968 trat David Gilmour (Gesang, Gitarre, Bass, Keyboard) Pink Floyd bei. Mason und Gilmour waren zugleich die offiziell letzten Bandmitglieder zum Zeitpunkt der Auflösung. Als Quintett bestand Pink Floyd nur eine kurze Zeit, da Barrett noch 1968 ausstieg. Das Gründungsmitglied starb 2006, Richard Wright verlor den Kampf gegen den Krebs 2008.

Biographien sind Barret, 'Impulsgeber' Waters, Gilmour, Wright und Mason gewidmet. Syd Barrett, den die Worte 'talentiert in höchsten Maße' in fast jeder Publikation begleiten, gilt gewiss als Paradebeispiel dafür, wie eng bei einem Künstler Genie und Wahnsinn zusammen liegen können. Während Barrett genau wie sein ehemaliger Freund Roger Waters sowie Nick Mason und Richard Wright Architektur studierte, wird außerdem deutlich, welch starken Einfluss gerade die Bluesmusik auf die Protagonisten der späteren Progressive Rock-Band hatte. Jedem Bandmitglied werden auf der Seite "Die angesprochenen Platten" die Werke mit Vorbildcharakter zur Seite gestellt. Bei Richard Wright war es nicht nur John Cages "Complete Music For Prepared Piano." Neben dem Werk des US-amerikanischen (Film-)Komponisten begeisterten den Keyboarder vor allem Johann Sebastian Bach und dessen "Brandenburgischen Konzerte" sowie Ludwig van Beethoven ("Die berühmtesten Klavierwerke"). Die Vorliebe quer durch mehrere Genre gab es ebenso bei den anderen Musikern. Haben die musikalischen Einflüsse der Bandmitglieder allein schon einen hohen Unterhaltungswert, so gibt es Wissenswertes in den Kapiteln "Der Aufstieg", "Der Höhepunkt", "Die Spätphase", "Reunion auf Raten" und "Final Cuts" – spannende Episoden, die dazu führen, dass man das Heft gar nicht mehr aus der Hand legen möchte, erschließen sich doch viele Erzählungen aus den Kapiteln zuvor noch besser. Pink Floyd ist eben eine komplexe Bandgeschichte.

Bücher und Filme folgen wie 'Memorabilia', wo es um den Fundus aus den Merchandising-Artikeln geht. Dabei bilden die 98 Seiten im Heft immerhin 60 lange Jahre seit Bandgründung ab. Dafür ist der Ausschnitt der Informationen gut gewählt. Langeweile kann hier keine aufkommen. "Vinyl-Collectibles" bietet einen Blick auf selten gehandelte Platten mit Beträgen im fünfstelligen Bereich. Das Sonderheft berichtet von Spannungen innerhalb der Band, aber ebenfalls davon, wie die Mitglieder wieder zueinander fanden, wenn zum Teil auch verspätet. Unter "Final Cuts" lesen wir zum Abschluss der Kapitel zum Thema "Historie": »Nach 'The Division Bell' (1994) schien bei Pink Floyd veröffentlichungstechnisch das Ende der Fahnenstange erreicht. David Gilmours drittes Solowerk 'On An Island' war 2006 ein letzter Hoffnungsschimmer für Fans, der mit dem Tod von Rick Wright aber erlosch. Nicht einmal die größten Optimisten wagten danach noch auf ein würdiges Abschlusswerk zu hoffen.«

Anhand dieser Zeilen wird deutlich, welche Rolle die Sololaufbahnen der ehemaligen Mitglieder spielten und welchen Beitrag doch die eingangs erwähnte The Australian Pink Floyd Show leistet. Die Ausnahmestellung, die "Pink Floyd – Das Sonderheft" anlässlich 60 Jahre seit Bandgründung hat, wird innerhalb der Reihe "Rock Classics" deutlich, weil das vorangegangene Heft schon 2011 erschienen und bis auf eine Handvoll Exemplare vergriffen ist. Inzwischen gibt es viele weitere Musikinteressierte, die sich mit den ikonischen Cover-Artworks und den einzigartigen Kompositionen beschäftigt haben. Sie alle spüren, welches Phänomen hier Generationen von Rockliebhabern begleitet hat.


Seitenzahl: 98, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Mario Keim

Musikstile: Heavy Rock, Rock, Deutschrock, Hard Rock
Marios Beiträge im RockTimes-Archiv

5 Kommentare

Zum Kommentar-Formular springen

  1. Manni

    Meine Meinung zum Thema:

    Alles eine Frage der Entstehungszeit im Kontext des dazugehörigen Zeitgeistes. Manche tolle, aber unbeachtete Band aus dem Jetzt wäre vor 50 Jahren mit ihrer Musik zum Superstardom aufgestiegen, während die ersten Platten der damals "großen Bands" (Pink Floyd und Konsorten) als neue Bands der 2020er Jahre keine Käufer finden würden und sie schnell des Vergessens anheim fallen würden.

    Unabhängig davon ist dies ein schöner Artikel von Mario! 🙂

    1. Mario Keim

      Hallo Manni,
      vielen Dank für Deine Einschätzung. Du hast bereits eine wesentliche Facette erwähnt und es klingt fast schon ein wenig philosophisch. Ich freue mich, dass die Besprechung dieser Lektüre eine solche Beachtung findet. Aber ich muss zugeben, dass es schwierig ist, alle Befindlichkeiten der jeweiligen Musiker in dieser Kürze tiefgründig zu reflektieren. Haben doch die Schwergewichte oft den Charakter eines ‚Alphatiers‘ und ziehen entsprechende Aufmerksamkeit auf sich. Schon wird es auch bei mir philosophisch. So oder so: Entwicklungen gehen stets von der jeweiligen Zeit aus. Da bin ich ganz bei Dir.
      VG Mario

  2. JR

    Wenn viele "Genies" zusammenkommen, geht es i.d.R. nicht gut aus.
    Mit der "Entlassung" von Richard Wright haben sie sich m.M. nach auch nicht mit Ruhm bekleckert 🙂
    …aber Genies machen halt unvergleichliche Musik.
    Schöne Grüße

  3. Max

    "da Barrett noch 1968 ausstieg"
    Naja, "ausgestiegen wurde" trifft es wohl besser.

    1. Mario Keim

      Danke Max für Deinen nicht unberechtigten 'Einwurf'.
      Ohne Zweifel war es eine sehr spezielle Situation um dieses Genie.
      Dir eine gute Zeit.
      VG Mario

Schreibe einen Kommentar zu JR Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>