Im Norden ist es ja bekanntlich ein wenig rauer als hier im Süden, so auch der Sound des in Lübeck aufgenommenen Albums der Berliner Band Rising Storm. Kräftiger Power Metal mit meliodösen Zügen wird hier großgeschrieben.
Das Trio beginnt furious mit einer unüberwindbaren breiten Riffwand und Hochgeschwindigkeits-Bassdrumsalven: "Illusive", der Opener der Fünf-Song EP, Hier fällt gleich die exponente Instrumentierung und Struktur auf. Die instrumentale Phase wird mit Wucht und Härte gespielt, der Gesangsteil sowie der Refrain sind eher melidiös. Gerade Mastermind Karl Bormann gibt hier mit seinen Bassläufen dem Rhytmus die richtige Richtung mit.
"Furious", da ist der Name Programm und hält was er verspricht. Tobias Alexander – hart, laut, wild und mit einer Prise Bosheit – wirbelt auf seinem Gitarrenhals rauf und runter. Gute Gitarrenarbeit, dazu das sehr geschmeidige Songwriting, das sich beim Refrain wiederspiegelt; es harmonisiert einfach. Was der sehr kurze instrumentale Schnipsel "Solid" hier soll, entzieht sich meiner Erkenntnis, das wäre eigentlich ein typisches Intro.
Egal, nun "Amorphous " – der Bass slappt sich als Einzähler ein. Das ist ein sehr gut durchgedachter und getakteter Powersong mit ruhigen und auch heavy Momenten. Das erinnert teilweise an die alten Disturbed, was aber nicht schlimm ist. Rising Storm machen ihr eigenes Ding daraus. Im Text heißt es » … Come on now, lose yourself and find your way into the inside of the womb …«. Man fühlt sich geborgen in diesem Song. Ein ruhiger akustischer Teil mit Meeresrauschen schließt sich an und mit einem sehr angenehmen Rock-Lick und Hammondsound strebt das Stück dem Ende entgegen.
Zum Abschluss das Highlight: "Scorched". Das Progherz schlägt höher bei kurzen Breaksequenzen. Sehr furious baut sich das Ganze auf und endet in einem Metalgewitter. Ganz stark auch der Gesangsteil mit dem 'Vorgesang'. Hier zeigen sich Rising Storm nochmals in über zehn Minuten von ihrer besten harten und auch zarten Seite. Klasse, wie sie im Mittelteil das Tempo bis hin zu einer Ballade herausnehmen, um mit einer Riffwand und oppulentem Sound wiederum voll Gas zu geben. Eine ganz tolle Nummer zum Abschluss, die ein Zeichen setzt!
Wenn Rising Storm jetzt noch ein volles Album in gleicher Qualität herausrausbringen, spielen sie bestimmt bald in der großen Liga der Metalbands mit. Was auch ihr erklärtes Ziel ist. Es wäre alles vorhanden, die Instrumentierung, Songwriting, Timing und Struktur.
Immerhin gab es seit 2013 ("Tempest") außer einigen Singles kein Album mehr, obwohl es die Band schon seit 2010 gibt. Ich werde den Metalmarkt gespannt beobachten und würde mich freuen, von Rising Storm noch was zu hören.
Line-up Rising Storm:
Erik Haus (drums)
Karl Bormann (bass, vocals)
Tobias Alexander (guitar, vocals)
Tracklist "The State Of Being":
- Illusive (4:44)
- Furious (6:19)
- Solid (0:59)
- Amorphous (6:33)
- Scorched (10:13)
Gesamtspielzeit: 28:44, Erscheinungsjahr: 2022



Neueste Kommentare