Ralf Kothe stammt aus Ostberlin und studierte von 1977 bis 1981 an der Musikhochschule "Hanns Eisler" in Berlin klassische und E-Gitarre und Komposition. Seitdem arbeitet er als professioneller Musiker, sowohl als Studiomusiker, als auch Filmkomponist und Solokünstler. Wer sich über seinen Lebensweg ausführlicher informieren möchte, nehme bitte das Booklet zur Hand, in dem es einige Erläuterungen zu lesen gibt. Geschrieben wurde der informative Artikel von Christian Hentschel, dem Herausgeber des SCHALL.Musikmagazins.
1987 war es, als Kothe auf dem staatlichen Plattenlabel der DDR, auf Amiga, sein erstes Instrumentalalbum veröffentlichte, "Regendurst (Gitarrenballaden 1)". Zwei Jahre später erschien dort der Nachfolger, "Die Andere Seite (Gitarrenballaden 2)". Nun sind diese beiden Klassiker wieder erhältlich, auf einer Doppel-CD, mit insgesamt sechs Bonustracks. Der Protagonist selbst nimmt darüber hinaus im Booklet noch kurz Stellung zur Musik der beiden Platten. So führt er aus, dass er »Balladen mit der Gitarre erzählen möchte, für Leute, die Freude an der Phantasie haben und Lust daran, sich von Saitenklängen in verschiedene Stimmungen treiben zu lassen«.
Hat Kothe die erste Platte noch, außer der Unterstützung von Gerald Stange (Perkussion), allein eingespielt, so wird er auf der zweiten noch von Musikern mit Harmonica, Keyboards und Bass auf einigen Songs unterstützt, außerdem wurde auch ein Sound Programming integriert.
Musik aufzunehmen, die grundsätzlich nur auf einem einzigen Instrument basiert und darüber hinaus auch noch rein instrumental eingespielt wird, ist sicher eine Herausforderung, weil sie das Instrument in den Fokus rücken muss und dabei auch noch abwechslungsreich sein sollte. Dennoch gibt es mehr Beispiele von solchen Produktionen, als man denken würde. So fallen mir spontan ganz unterschiedliche Musiker ein, die mit ihren Soloproduktionen in verschiedenen Genres glänzen und Zeichen setzen konnten. John Fahey, Ralph Towner, Wizz Jones, Leo Kottke, Jim Hall, oder aus hiesigen Gefilden Klaus Weiland, Peter Autschbach, Ralf Illenberger oder Martin Kolbe. So kann man Ralf Kothe gut und gern hier einreihen, sowohl hinsichtlich seiner Qualitäten als Gitarrist als auch seines individuellen Stils. Im Osten unserer Republik gilt er darüber hinaus ohnehin bis heute als der bekannteste Gitarrist.
Seine Musik atmet weder vordergründig noch in der Basis, Blues, Jazz oder besondere Quellen von Folk, obwohl Folk seinem Stil sicher am nächsten kommt. Seine Songs fließen vielmehr dahin mit einem Anstrich von Träumerei und entspannter Stimmung, wenn er dann einmal wie zum Beispiel bei "Saitenslight" (auf CD 1) die Slide-Gitarre in den Vordergrund stellt, dann mögen sich dann durchaus Assoziationen hin zu Ry Cooder und "Paris, Texas" ergeben. Ansonsten strahlt die Musik viel Harmonie und Schönheit aus, nur beim "Guitar Boogie" schleicht sich gar ein sanftes Rock-Feeling ein. Was mir hier allerdings fehlt, ist dieses gewisse Blues-Feeling, der Song wirkt dann doch eher technisch.
"Guitar Ballads 2": Die relativ durchgehende gleich klingende Atmosphäre, bis auf einige Unterbrechungen, der ersten Produktion, erweitert sich auf dieser Platte, nicht nur durch die Hinzunahme weiterer Musiker. Es schimmert eine gewisse Annäherung an niveauvolle Unterhaltungsmusik durch, ich erinnere mich an Blonker, das war Dieter Geike, der mit seiner Instrumentalmusik auf der Gitarre viele Perlen schuf. Ich verweise hierzu auch auf die hier vorliegenden Songs "High Like", "Lok 030091" oder "Blutjung".
"Kindheitsträume" mit dem Einsatz von Keyboards" erfüllt in dieser Hinsicht auch nicht mehr das Merkmal einer reinen Soloplatte und setzt musikalisch ein anderes Zeichen.
Letztlich, als Gesamtheit beider Produktionen betrachtet, ist es Ralf Kothe gelungen, zwei Alben mit niveauvoller Musik einzuspielen, die technisch und handwerklich einwandfrei gestaltet wurde, mich hinsichtlich des emotionalen Ausdrucks aber eher auf die erste Platte zurückgreifen lässt.
Line-up CD 1:
Ralf Kothe (6-string guitar, 12-string guitar, concert guitar, natural guitar, zither, percussion, slide guitar)
Gerald Stange (percussion)
Line-up CD 2:
Ralf Kothe (6-string guitar, 12-string guitar, concert guitar, natural guitar, octave guitar, zither, mandolin, percussion, slide guitar, electric guitar)
Hans Jackow (percussion)
Ingo Dathe (harmonica – #8)
Milan Šamko (keyboard – #11,12)
George Dittrich (bass – #11,12)
Mathias Jahn (sound programming – #1,2,5,7,8,9)
Tracklist Guitar Ballads I & II:
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"Regendurst, Gitarrenballaden" (CD 1):
- Regendurst
- Parkblick
- Großstadtspatz
- Dünengeflüster
- Fiesta
- Für’n Freund
- Vorfreude
- Saitenslight
- Schnelle Füße
- Skateboard
- Future
- Jenny’s Tanz
- Guitar Boogie
- Glasperlen
- Durst nach Regen / Am Ende Des Tages
- Regendurst Finale (Outtake, Bonustrack)
- Parkblick (Outtake, long Version, Bonustrack)
- Guitar Boogie (Outtake, long Version, Bonustrack)
"Die andere Seite, Gitarrenballaden 2" (CD 2):
- High Life
- Traumsegler
- Blauvogel / Takamine Solo
- Himmelsleiter
- High Like
- Mephisto
- Lok 030091
- Blutjung
- Blume Im Wind
- Schnaps-Schluß
- Flair Port
- Kindheitsträume
- Erlebnis-Tour (Outtake Bonustrack)
- Stadtbummel (Outtake Bonustrack)
- Kleinstadtbummel (Outtake Bonustrack)
Gesamtspielzeit: 55:12 (CD 1), 48:10 (CD 2)



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