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Stef Paglia / Never Forget – CD-Review

Die Besprechung von Stef Paglias Debütalbum "Never Forget" kann nicht ohne den Hinweis auf sein Konzert am 20.03.2019 im Blues Moose Café beginnen.
Der zum Zeitpunkt dieser Besprechung erst vierundzwanzigjährige Blues-Youngster war am Ende des Gigs »[…] ein Synonym für hochklassigen Blues Rock […]« und hatte »[…] einen bemerkenswerten Platz im Blues-Raum eingenommen. […]«
Auf der vorliegenden Platte befinden sich insgesamt zehn Songs. Davon ist "Freedom" (Jimi Hendrix) die einzige Fremdkomposition.
Zu den anderen Tracks schrieb Stef Paglia die Musik und seine Freundin Iris Teunissen verfasste die Texte. Sie ist auch für Artwork und die Bilder zuständig. Das im Digipak ist schlicht, allerdings sehr schön gestaltet worden. Toll!
Die in den Superfly Studios eingespielten Lieder wurden von Wayne Proctor, dessen Visitenkarte unter anderem gefüllt ist mit Namen wie King King, Ben Poole, Aynsley Lister, The Nimmo Brothers, Oli Brown oder Sean Webster, produziert. Stef Paglia spielte das Album mit Bassist Geert Schurmans sowie Joel Purkess (auch Mason Rack Band) am Schlagzeug ein.

Der auch bei The BluesBones in Diensten stehende Musiker widmet den Song "Mystery Heaven" seinem verstorbenen Vater. Dazu später noch einige Sätze.
Aus den Startlöchern kommt "Never Forget" mit "Watch Out". Tja, gemäß Songtitel sollte man schon zu Beginn aufpassen, denn das Trio schraubt die Blues-Feder auf volle Spannung, geht den Blues Rock offensiv-groovend an. Der Frontmann und seine beiden Begleiter drehen auf. Für sein tolles Solo aktiviert Stef Paglia das Wah Wah-Pedal und der direkt danach folgende ruhigere Teil hat es ebenfalls in sich. Der auch als Single veröffentlichte Album-Opener trifft den Nerv des Blues Rock-Fans. Toll!

Das Tempo wird etwas reduziert. Die Intensität bleibt auf hohem Niveau.
Mit seinen Dynamik-Schwankungen und zupackenden Riffs lehnt sich "Take Me Away" auch etwas an den feurigen Funk an. Stef Paglias Alleingang ist von stürmischem Charakter und nach diesem Track hat der Protagonist aus meiner Sicht schon zwei Volltreffer gelandet. Da ist gleich Leben in der Bude. Gesanglich gibt es keinen Kritikpunkt.
Funk ist auch bei "Freedom" angesagt. Die leidenschaftliche Interpretation atmet eine individuell geprägte Luft. Klasse Job, den das Trio hier abliefert.

Es wird Zeit für den langsamen Zwölftaker.
Aus dem "Death Tree" sprießt die Leidenschaft. Viele Wah Wah-Pedal-Impressionen prägen den Track und man kommt nicht umhin, festzustellen, dass der Frontmann über ein echtes Ideen-Triebwerk der Fantasien verfügt. Kraftvoll aufstrebende Härte gestaltet die Nummer höchst abwechslungsreich.
Die Band taucht tief in den Slow Blues ein, wenn "Mystery Heaven" erklingt. Hier erleben wir einen 12-Takter, in dem das Bottleneck sozusagen in Zeitlupe über die Saiten gleitet. Vorzüglich beschreibt das Stück Emotionen, die ohne Worte auskommen. Stef Paglias Sechssaiter verkörpert die Trauer einer solchen Lebenssituation. In Sachen Slide-Einsatz legt der Gitarrist hier seine Meisterprüfung ab. Highlight!

"Twilight" ist ein Musterbeispiel für melodischen Refrain und energische Solo-Räume.
An dieser Stelle ist es angebracht, Bassist Geert Schurmans und Joel Purkess ein dickes Lob für ihr stets perfekt ausgelegtes Rhythmus-Fundament auszusprechen. Auf diese beiden Musiker ist Verlass.
"Dirty Woman" verfügt über ein relaxtes Intermezzo, bei dem der Solo-Auftritt des Bandleaders Begeisterung auslöst. Toll!
"Crush On You" nimmt den Rückenwind des vorherigen Tracks auf. Durch einige Effekte verfeinerter Gesang und kleine Ausflüge in die Bottleneck-Psychedelic sind angesagt. Perfekt!
Bei "The Unknown" ruft er den Texas Blues auf den Plan. Dazu serviert Joel Purkess einen klasse Groove.
Beim knapp über achtminütigen "Warmth Instead Of Cold" spielt sich der noch so junge Stef Paglia in die Reihe der hochklassigen Gitarren-Virtuosen.

"Never Forget" ist ein Debütalbum mit sehr persönlichen Sichtweisen und einem Blues, dem man sich förmlich nicht entziehen kann.
Die über einundfünfzig Minuten Gesamtspielzeit sind voller Leidenschaft, Power, Emotionen und verführerischen Gitarre-Klängen. Die zehn Songs zeigen ausschließlich positive Wirkung beim Hörer. Nach dem eingangs genannten Konzert und diesem Album muss die Blues-/Blues Rock-Gemeinde Stef Paglia auf dem Schirm haben.


Line-up Stef Paglia:

Stef Paglia (guitar, vocals)
Geert Schurmans (bass)
Joel Purkess (drums)

Tracklist "Never Forget":

  1. Watch Out
  2. Take Me Away
  3. Freedom
  4. Death Tree
  5. Mystery Heaven
  6. Twilight
  7. Dirty Woman
  8. Crush On You
  9. The Unknown
  10. Warmth Instead Of Cold

Gesamtspielzeit: 51:36, Erscheinungsjahr: 2019

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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