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Stephen Dale Petit / 2020 Visons – CD-Review

Bunt, schrill, ungeordnet, wild, Sechziger- Siebzigerjahre und dann auch noch ein Bild von Captain Beefheart auf dem T-Shirt.
Rein äußerlich – inklusive Booklet – macht Stephen Dale Petits Album "2020 Visions" eher den Eindruck, als sei das Ding aus den Swinging Sixties entsprungen.
»[…] Album cover and insert by Klaus Voormann. […]«
Den Musiker, Grafiker und engen Freund von The Beatles muss man hier nicht weiter vorstellen.
Es geht viel mehr um den amerikanischen Künstler Stephen Dale Petit, dessen Website-Design auch etwas von den wilden Zeiten abbekommen hat.

Aus der Presse-Information zur vorliegenden Platte geht hervor, dass der 1969 in Huntington Beach geborene Musiker »[…] mit 7 Jahren anfing, Gitarre zu spielen. Als Teenager war er besessen vom Blues und trieb sich ständig am Golden Bear herum, dem damals am meisten angesagten Venue für Blues-Konzerte in Huntington Beach in dem sich Größen wie Jimi Hendrix, John Mayall oder Bob Dylan die Klinke in die Hand gaben. […]«
Albert King und B.B. King sind, neben Elmore James, Robert Johnson, Alexis Korner, Freddie King und Charlie Patton, Stephen Dale Petits Vorbilder.

Dem British Blues Boom war es geschuldet, dass der Protagonist Mitte der Achtzigerjahre nach London zog. Freunde, mit denen er auch spielte, waren Phil May, David Gilmour sowie Ian Stewart (The Rolling Stones).
Als Straßenmusiker sparte er sich das Geld für sein Debütalbum "Guitararama" (2006) zusammen und weitere Veröffentlichungen waren »[…] gespickt […] mit Gastauftritten von namhaften Kollegen […]«.
Was Gäste angeht, kann "2020 Visions" locker mithalten, denn die Liste füllt sieben Personen. Unter anderem sind es Shemekia Copeland und Paul Jones von The Blues Band.

Wenn im Zusammenhang mit Stephen Dale Petit und dem Album "2020 Visions" von »[…] 13 weiteren Perlen des "New Blues", einer kernigen Mischung aus Blues, Folk, Rock, die er teilweise auch mit Pop-Punk Attributen garniert […]« die Rede ist, dann ergibt sich daraus wohl eine kunterbunte Mixtur.

Den zitierten 'New Blues'  muss man schon suchen.
Nein, man wird zunächst nicht fündig. Der Opener ist Rock mit kräftigen Gitarren-Aussagen. Die Seventies lassen grüßen.
"The Fall Of America" bietet ausreichend Platz zur Entfaltung. Etwas über neun Minuten bringt das Stück auf die Uhr. Da ist Schmackes drin. Eine phasenweise hypnotische Gitarre will uns bezirzen und sie schafft es auch. Dann breakt die Band hin zum Sinnlichen und mit einem sehnsüchtigen Flair streicht Cara Fox die Saiten ihres Cellos. Passt! Wie das Stück an sich.
Am Schluss gibt es noch ein langes Lied. "Zombie Train" ist wieder kein Blues beziehungsweise Blues Rock, aber abermals gut inszenierter Hard Rock, der auch die Bassistin Sophie Lord in den Vordergrund rückt. Klasse Daniel Ellsworth-Keyboards machen den Track rund. Man wird feststellen, dass der Protagonist auf seinem Arbeitsgerät besonders fit ist. Allerdings lassen seine vokalen Fähigkeiten durchaus noch Luft nach oben.

Ist "The Ending Of The End" Endzeitstimmung?
Es ist so weit. Stephen Dale Petit widmet sich dem, worüber im Pressentext häufig geschrieben wurde. Blues ist angesagt und dann gleich in der Slow-Version. Toll, wie sich Keyboards sowie Gitarre ergänzen. Stephen Dale Petit kann den emotionalen Blues in der verlangsamten Ausgabe.
Natürlich darf diese Besprechung nicht enden, ohne "Soul Of A Man" zu erwähnen. Mit Shemekia Copeland im Chor sowie einem höchst erfahrenen Paul Jones an der Harp ist die Nummer vom Zwölftakter durchzogen. Die Slide-Gitarre liefert dabei ein entscheidendes Puzzleteil. Hinhörer!
"On Top" ist instrumentale Gypsy-Jazz-Stimmung und "Long Tall Shorty" hat was vom Punk abbekommen.
Noch ein Instrumental. "Steppin' Out", bestens bekannt durch John Mayall und seiner Bluesbreakers-Zeit mit Eric Clapton. Die heftige Gitarren-Phase macht das Stück zu einer Angelegenheit des Bandleaders. Über das Ergebnis darf man unterschiedlicher Meinung sein.

Unter dem Strich ist es mit dem gesamten Album so.
Aus meiner Sicht präsentiert Stephen Dale Petit zu viele musikalische Blickwinkel, die die Fans des Blues nur bedingt bedient und andere Musik-Anhänger müssen sich für Gemischtes begeistern.
Bleibt gesund und nehmt euch zur Ablenkung Zeit für gute Musik.


Line-up Stephen Dale Petit:

Stephen Dale Petit (vocals, guitars, backing vocals)
Sophie Lord (bass)
Jack Greenwood (drums)

With:
Shemekia Copeland (backing vocals – #4)
Martin Ditchman (all percussion)
Chris Elliott (string arrangement – #2)
Daniel Ellsworth (keyboards – #9,13)
Jason Eskridge (additional backing vocals – #11, backing vocals – #13)
Cara Fox (cello – #2)
Paul Jones (harmonica – #4)

Tracklist "2020 Visions":

  1. 2020 Visions
  2. The Fall Of America
  3. Roxie’s Song
  4. Soul Of A Man
  5. On Top
  6. Long Tall Shorty
  7. Raw
  8. Tinderbox
  9. The Ending Of The End
  10. Steppin' Out
  11. Makin' It
  12. Sputnik Days
  13. Zombie Train

Gesamtspielzeit: 59:54, Erscheinungsjahr: 2020

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
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