Syrinx ist in der griechischen Mythologie der Name einer Najade (Nymphe, die über einen Fluss, Bach, Quelle oder anderes Gewässer wacht). Weil der Gott Pan sie verfolgte und begehrte, wurde sie auf ihr Flehen hin in Schilfrohr verwandelt. Pan hörte den Klang als ein Lufthauch dieses berührte, nahm es und fertigte daraus eine Flöte, Panflöte oder Syrinx genannt.
Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich hinter dem Bandnamen Syrinx Call ein Flötist, nämlich Volker Kuinke, verbirgt. Dieser ist manchen vielleicht bekannt als Gastmusiker von Eloy – beispielsweise ist er auf der "Ocean II – The Answer" zu hören.
Syrinx Call sind mir damit aus gleich drei Gründen sympathisch / haben mein Interesse geweckt:
1. Ich mag griechische Mythologie. 2. Ich mag Eloy. 3. Ich mag Flöte.
Ich habe damals in der Grundschule freiwillig und mit Begeisterung Blockflöte gelernt und besitze sogar heute noch eine. Mein kindliches Spielen ist natürlich nichts gegen das Können von Volker, das mich daher ziemlich beeindruckt, genauso wie seine Flöten-Sammlung, die ich in einem Video gesehen habe.
Beste Voraussetzungen also für das Hören der neuen CD von Syrinx Call. Schöne, ruhige Musik, die teilweise an Eloy erinnert, nicht nur weil deren Mastermind Frank Bornemann hier unterstützt – mit einem Gitarrensolo. Erwartungsgemäß sind einige Flötenklänge zu hören, wobei diese nicht so dominant sind wie vielleicht erwartet, sie fügen sich harmonisch ein – zu den üblichen Rockmusikinstrumenten wie Keyboard, Gitarren, Bass und Schlagzeug. Dazu gibt es sowohl männliche als auch weibliche Stimmen – alles unaufdringlich und doch intensiv, trotz feiner Details vorwiegend verträumt dahinfließend, nur selten etwas rockiger.
Die entspannt und entspannend wirkende Musik hat teilweise einen Soundtrack-artigen Charakter, was dazu passt, dass es sich um ein Konzeptalbum handelt. Das wäre der vierte Punkt in meiner obigen Aufzählung: 4. Ich mag Konzeptalben. Wie die Zahl im Titel "Mirrorneuron 2" schon andeutet, handelt es sich um die Fortsetzung von "Mirrorneuron" aus dem Jahr 2021. Diese Scheibe ist mir leider nicht bekannt, ich habe Syrinx Call jetzt erst entdeckt.
Inhaltlich wird die Geschichte eines humanoiden KI-Roboters mit dem Namen Kai erzählt. Dieser hatte einen Zusammenbruch, weil sein Auftrag, die Ausbeutung der Arktis, für ihn keinen Sinn ergab. In Teil 2 kehrt er ("Returning") zurück in die Arktis nach Behandlung durch die Psychotherapeutin Mara Lane. Da er anscheinend die Fähigkeit zur Empathie entwickelt hat, soll er unschädlich gemacht bzw. bei einem Forschungsprojekt untersucht werden. Mara und Kai kommen sich dabei näher.
Mehr zur Story siehe auch hier – im Booklet ist eine ausführlichere Version abgedruckt. Dort gibt es – neben der Gestaltung mit dem Schmetterlingsmotiv in zwei Farben – auch ein Foto, auf dem sich zwei Gestalten in eisiger Landschaft mit Polarlichtern im Hintergrund die Hand geben. In der musikalischen Umsetzung macht es Sinn, dass verschiedene Personen durch verschiedene Stimmen dargestellt werden, teilweise gibt es Wechselgesang, der die Kommunikation zwischen Kai und Mara darstellt.
"Mirrorneuron 2" lässt sich einerseits im Kontext des Konzeptes sehen / hören, wer will, mag tiefer eintauchen in die Handlung. Anderseits ist es auch möglich, die Musik mit ihrem harmonischen Dahinfließen einfach so zu genießen. Hierbei ragen vor allem die melodischen Flötentöne heraus, die Syrinx Call von anderen Bands etwas abheben. Die Instrumentalpassagen gefallen mir meistens am besten, wobei der geschickt eingesetzte Gesang das Ganze angenehm ergänzt und abrundet, zudem Bezug zur Handlung herstellt.
Insgesamt ist "Mirrorneuron 2" eine vorwiegend sehr ruhige Scheibe, woran auch der Einsatz von E-Gitarren nichts ändert. Manchen mag das zu sanft sein, zu wenig rocken. Aber wer es auch gerne mal verträumt mag, findet bei Syrinx Call Musik, die wirkt wie sich in leichtem Wind wiegende Schilfhalme, bei denen sich die Töne der einzelnen Stängel (hier: Musiker) zu einem vielschichtigem und dennoch stimmigen Gesamtklangbild zusammensetzen.
Line-up Syrinx Call:
Volker Kuinke (Alt-, Sopran-, Tenor-, Bass-, Großbass- und Subbassblockflöte)
Jens Lueck (Hauptgesang – #1,3,6,9, Stützgesang, Tasteninstrumente, Piano, E-Gitarre – #11, zusätzliche Gitarren – #1,4,6 9, Bass – #7, Schlagzeug, Percussion und Programmierung)
Isgaard (Hauptgesang – # 2,6,8 12, Stimme – #5, Stützgesang)
Doris Packbiers (Hauptgesang -#2,7,9, Stützgesang)
Hannes Arkona (E-Gitarre – #1,2,3,4, 5, 6,7,9,12, zusätzliche Gitarren – #11)
Frank Bornemann (E-Sologitarre – #11)
Katja Flintsch (Geige und Bratsche – #5,6,8)
Georg Kresimon (Bass – #4,9)
Jürgen Osuchowski (Klassische Gitarre – #2,4, Western Gitarre – #4,10, 12-saitige Gitarre – #10)
Kai Ritter (Stimme – #5,6)
Rainer Schneider (Bass – #1,2,3,5,11)
Annika Stolze (Cello -#5,6,8)
Aleksandra Todorovic (Lachen – #12)
Tracklist "Mirrorneuron 2":
- Returning (4:44)
- Boundless Choices (4:27)
- Organic Embodiment (6:47)
- Are You My Image (5:42)
- Wheel Of Emotions (5:34)
- Yearning (7:09)
- Attachment (6:16)
- Emptiness (4:05)
- Mind Over Matter (4:31)
- Here… (1:38)
- …And Now (6:20)
- The Difference (2:57)
Gesamtspielzeit: 60:13, Erscheinungsjahr: 2026



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