Musikalisch kann man dem Namensgeber der Band, Aaron Clift, einen anständigen Background attestieren. Klassik und Jazz sind schließlich Metiers, die prädestiniert sind, um, wenn man sich dem Rock zuwendet, dort die progressive Schiene zu wählen.
2012 gegründet, liegt nun nach "Lonely Hills" aus dem Jahr 2012 und dem 2015er Outer Light, Inner Darkness das dritte Werk vor und vorab kann man attestieren, dass die progressive Schiene nicht die komplette Reise durch gefahren wird. Da sind Weichen im Gleisbett, die ab und an auf Nebenstrecken, wie z. B. den Classic Rock leiten.
Das beginnt auch gleich beim ersten Track "Faith", der – nicht unwesentlich durch Aarons Stimme – an eine Mischung aus Jethro Tull und Yes gemahnt. Gitarrenmäßig absolut rockend, sorgt besonders der unterschwellige Yes-Touch für den progressiven Moment. Wird das Gitarrenspiel gebremst, so entstehen Kleinode, die sich voll im Prog-Kosmos suhlen. Als Beispiel nenne ich "Absent Lovers", das verhalten beginnt, rockig auftupft und durchaus per Arrangement auch die klassische Vergangenheit des Protagonisten erahnen lässt. Schraubt sich die Stimme in die Höhe, blitzt wieder der Anderson durch und die eingesetzten Streichinstrumente bringen eine Spur Kansas ins Geschehen.
Vertrackte Nummern bzw. Passagen sind selbstverständlich ebenso vorhanden. Allerdings wird z. B. bei "Castle In The Sky" nicht auf Teufel komm raus oder um des vertrackt Spielens wegen so agiert, denn den anspruchsvollen Rhythmen, die vor allem Bass und Schlagzeug an den Tag legen, werden auch süßliche Prog-Tunes zur Seite gestellt.
Dass die Musik des Aaron Clift Experiments so breit gestreut wirkt, liegt nicht zuletzt an den beteiligten Gitarristen, denn deren Background ist die berühmte Würze, die einem schon guten Gericht den finalen Schliff verpasst. Da wäre zum Beispiel der Bluesrocker Van Wilks, den man an dieser Stelle wohl nicht vorstellen muss. Arielle dagegen ist eine junge Musikerin, die bei Brian May lernte und mit Eric Johnson zusammenarbeitet. Dass das Mädel flinke Finger hat mag auch daran zu sehen sein, dass sie trotz ihrer überschaubaren Lebensjahre als Opener für u. a. Gregg Allman, Heart, Joan Jett, Graham Nash und Country Joe McDonald fungierte. Auch die anderen Gitarristen sind mit Bedacht gewählt und veredeln "If All Goes Wrong".
"Savage In A Fancy Suit" tendiert stimmlich wieder eher an den anderen Anderson; bis Aaron, der neben dem Gesang auch für die Tasten zuständig ist, diese anständig erklingen lässt und eine perfekte Mischung aus Classic- und Prog Rock präsentiert. Wenn ein Stück des Albums voll die progressiven Erwartungen erfüllen soll, dann ist das der Auftritt vom Achtminüter "Dream Within A Dream". Alles vohanden: Stimmung schwankt zwischen Melancholie und Aufbruch, ein Gitarrensolo zum Niederknien, Vertracktes neben purer Harmonie. Eine schöne Nummer.
Ruhig, langsam, getragen und – trotz fünfeinhalb Minuten Laufzeit – viel zu kurz, goutiert der Titeltrack die Ohren. "If All Goes Wrong" ist von einem der (für mich) schönsten Instrumente, dem Mellotron veredelt und hat diesen berühmten Duft alter Kraut- und Prog-Ingredienzen. Auch einen traumhaften Gitarrenpart gilt es einzuatmen.
Ja, Aaron Clift hat alles richtig gemacht, indem er eine wohldosierte Mischung aus klassischen Rockthemen sowie progressiven Spielweisen angerichtet hat. Hinzu kommt ein gekonntes Songwriting mit dem Gespür für das große Ganze.
Line-up The Aaron Clift Experiment:
Aaron Clift (vocals, keyboards)
Devin North (bass, electric guitar – #1-5,7, fretless bass – #3,7, upright bass – #3)
Tim Smith (drums and percussion)
with:
Dave North (electric guitar – #1,6,9, acoustic guitar – #1,9, guitar solo -#1,6,8,9)
Van Wilks (electric guitar – #1)
Derek Halfmann (electric guitar – #2, guitar solo – #2)
Dave Sebree (guitar solo – #3)
Fred Springer (classical guitar – #3)
Arielle (electric guitar – #4, 5, backing vocals – #4, guitar solo – #4,5)
Kevin Chin (electric guitar – #7,8, guitar solo – #7)
Jon Blangero (mellotron – #9)
Milo Hehmsoth (piano – #10)
Charles Anderson (violin – #3)
Lana Dziekonski (viola – #3)
Ellie Prager (cello – #3)
Tracklist "If All Goes Wrong":
- Faith
- Last Crash
- Absent Lovers
- Better Off Before
- Castle In The Sky
- Savage In A Fancy Suit
- Dream Within A Dream
- Wild Hunters
- If All Goes Wrong
- Back To The Water
Gesamtspielzeit: 52:24, Erscheinungsjahr: 2018



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