«

»

The Young Gods / Appear Disappear CD-Review

Wir schreiben das Jahr 2025 und vierzig Jahre sind seit der Gründung 1985 von The Young Gods vergangen.
Über diese lange Zeit darf man ohne Übertreibung von verdammt viel Erfahrung sprechen.
1987 ging es mit dem Album "The Young Gods" los. Es folgte "L' Eau Rouge (RedWater)", (1989), "Play Kurt Weill" (1991), "Second Nature" (1999), "Knock On Wood" (2008) oder "Play Terry Riley In C" (2022) als Vorgänger von "Appear Disappear".
The Young Gods sind ein Trio mit Cesare Pizzi (Electronics), Franz Treichler (Vocals, Guitar, Electronics) sowie Schlagzeuger Bernard Trontin.
The Young Gods verortet man vornehmlich im Industrial, einem Genre, das es bereits seit den Anfängen der Siebzigerjahre gibt.

Wegbereiter war unter anderem Throbbing Gristle aus denen Psychic TV hervorging oder Clock DVA. Einstürzende Neubauten wurden 1980 ins Leben gerufen stellvertretend für die Zweitausenderjahren soll zum Beispiel The Leather Nun.
Nun geht es um The Young Gods' "Appear Disappear", dessen zehn Songs es auf eine Gesamtspielzeit von ganz knapp über vierundvierzig Minuten bringen und beim Label Two Gentlemen erschienen ist.

The Young Gods haben mit der vorliegenden Platte einen, mit einem Spagat zu beurteilenden, Musikmix abgeliefert.
Mal bebt die Bude ob der harten Industrial-Sounds, mal hat das Trio so etwas wie Gnade und lässt uns in verträumte Landschaften eintauchen und obendrauf setzen The Young Gods auch noch etwas für den Tanzboden.
Schneidende Gitarren-Riffs von Franz Treichler zerfurchen die Oberfläche von "Shine That Drone". Das Drumherum aus puckernden Synthesizer und dem Drum-Groove von Bernard Trontin laden auf die Tanzfläche ein.
So ganz lässt sich ein Faible für eine Hinwendung zum New Wave/Dark Wave der Achtzigerjahre nicht von der Hand weisen.

Einen Kontrast dazu bildet die erste Nummer mit dem Titelsong der CD "Appear Disappear".
Hier lässt die Combo mehr Härte walten und die Gitarren-Riffs zeugen von heftigem Aufbegehren. Franz Treichlers Gesang kommt gut, passt in seiner zum Teil auch geflüsterten Form perfekt in den musikalischen Zusammenhang. Ab und an gleiten die Vocals in den Bereich der Spoken Words.

Abwechslungsreich arrangiert ist "Blue Me Away" mit seinen ruhigeren Einschüben. Bei höherer, explosionsartig aufgerufenen Intensität, bewegt man sich in Richtung einer Kombination aus Industrial und Metal. Klasse gemacht.
Die Synthesizer-Nummer "Blackwater" darf man mit Fug und Recht als den Ruhepol des Albums bezeichnen. Flirrende Synthi-Sounds umgarnen eine entspannt aufspielende E-Gitarre und auch bei diesem Track kann man sich fantasievoll bewegen. Sieht man von einem aufbegehrenden Intermezzo ab, ist "Blackwater" der Wellness-Bereich der Scheibe. Highlight!

"Tu En Ami Du Temps" ist in Szene gesetztes Avantgarde-Drama aus dem Experimentierkasten der Formation und mit "Intertidal" legen wir uns dann ins flauschig-weiche Bett der Träumereien und werden am Ende durch stürmisches Ambiente geweckt.
Beim hitzig-treibenden "Mes Yeux De Tous" aus der Post  New Wave-Ära liefert Gaspar Narby  ein Sample aus The Jesus Lizards "Mouth Breather". Hinhörer!

Gut vorstellbar, dass sich die DJ der Club-Welt an dem einen oder anderen Sound bedienen werden, oder wir hören Sequenzen der Songs in irgendwelchen hochwertigen Filmen/Fernsehproduktionen. Passen würde es.

"Appear Disappear" von The Young Gods strahlt vor Abwechslung rund um Industrial Musik.
"Appear Disappear" von The Young Gods geht auf musikalischen Wegen, die das Ziel haben, große Unterhaltung zu bieten.


Line-up The Young Gods:

Cesare Pizzi (electronics)
Franz Treichler (vocals, guitar, electronics)
Bernard Trontin (drums)

Guest:
Gaspar Narby (soundscapes – #3)

Tracklist "Appear Disappear":

  1. Appear Disappear
  2. Systemized
  3. Blue Me Away
  4. Hey Amour
  5. Blackwater
  6. Tu En Ami Du Temps
  7. Intertidal
  8. Mes Yeux De Tous
  9. Shine That Drone
  10. Off The Radar

Gesamtspielzeit: 44:04, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Joachim 'Joe' Brookes

Genres: Blues, Blues Rock, Alternative Music, Space Rock, Psychedelic Music, Stoner Rock, Jazz ...
Über mich
Meine Seite Im Archiv
Mail: joachim(at)rocktimes.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>