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Burlesque / Burlesque & Acupunkture – CD-Review

Burlesque - "Burlesque & Acupuncture" - CD-Review

BurlesqueBurlesque… da war doch mal was… Der Song von Family? Nee… ach ja, das war doch ein Teil der Begleitband eines kurzlebigen Projekts von Ginger Baker Anfang der Achtziger, das wir euch hier in RockTimes auch vorstellen durften und das unter dem Namen Ginger Baker’s Nutters lief. Unter den sogenannten Nutters befanden sich mit Ian Trimmer und Billy Jenkins die beiden Musiker, die 1972 in London die Band Burlesque gründeten. Das Quintett entwickelte sich langsam aber sicher von einer Pub-Band hin zum ersten Studio-Aufenthalt im Jahr 1976. Anfang 1977 erschien allerdings erst mal das Debütalbum "Acupuncture", bei dem es sich – eher ungewöhnlich für ein Erstwerk – um eine Lve-Scheibe handelte. Noch im selben Jahr ging die Band dann auch ins Studio, um das gleichnamige Zweitwerk einzuspielen. Beide Platten sind nun noch einmal auf einer CD erschienen und machten den Rezensent nach dem Genuss von Ginger Baker’s Nutters durchaus neugierig.

Die Chronologie der beiden Alben wurde auf dem mir vorliegenden Silberling allerdings vertauscht, sodass wir zunächst mit der Studioplatte in den Startlöchern stehen. Bereits bei den ersten Durchläufen fällt auf, dass Burlesque unglaublich variabel und abwechslungsreich zu Werke gingen. Ein gewisser aber gesunder Irrwitz erinnert bei den Arrangements immer wieder mal an Frank Zappa, während auch die Einflüsse von Pub Rock und Punk Rock keinesfalls geleugnet werden können. Ian Trimmer verfügt jetzt zwar nicht über eine Stimme, die man aus Hunderten heraus hören könnte, liefert als Lead-Vokalist und vor allem auch als Saxofonist einen bärenstarken Job ab. Und wenn wir schon bei den Bandgründern sind: Billy Jenkins hat offensichtlich die angeborene Gabe zu wissen, wann er es im Vordergrund krachen lassen kann und wann er sich besser dezent zurück hält, um dennoch im Hintergrund farbige Sound-Akzente zu setzen. Jedenfalls entdeckt man bei fast jedem Durchlauf etwas Neues und an der einen oder anderen Stelle dürfen durchaus auch mal richtig gute Ideen bestaunt werden.

Stilistisch wie auch mit durchgeknallten Arrangement-Ideen versehen, geht es pausenlos drunter und drüber, sodass es zu keinem Zeitpunkt langweilig wird. Die grundsätzliche Ausrichtung ist die Rock-Musik, aber da steckt immer auch eine gute Portion Jazz mit drin. Sowohl der Bassist Steve Hughes, als auch der den nach dem ersten Album ausgestiegenen Kevin Currie am Schlagzeug und Nachfolger Paul Warren überzeugen durch Vielseitigkeit, während Keyboarder Steve Parr sich ebenfalls immer wieder gut in Szene zu setzen weiß. Nach neun Tracks, sprich dem Album "Burlesque", hat man eigentlich immer schon Lust wieder von vorne anzufangen. Dann überwiegt beim Rezensenten aber doch die Neugierde hinsichtlich der weiteren neun auf der Bühne aufgenommenen Tracks, die soundtechnisch zwar nicht ganz so sauber klingen, spielerisch aber ebenso überzeugen können.

Also wieder mal eine richtig coole Ausgrabung von MiG Music, die speziell jene Musik-Freunde genießen werden, die Lust auf Entdeckungsreisen mit vielen Drehungen und Wendungen haben. Was die Band Burlesque betrifft, waren die Musiker 1977 vom pausenlosen Touren und der Album-Produktion an einem Punkt angelangt, wo die große Müdigkeit einsetzte. Das Management plante für das nächste bereits ein US-Tour, als Jenkins und Trimmer die Auflösung der Combo verkündeten. Das letzte Konzert fand am 9. Dezember 1977 in London statt, bevor jeder seiner Wege ging und lediglich die beiden Bandgründer, was den Kreis dieses Reviews schließt, als Begleitband The Nutters von Ginger Baker wieder zusammen kamen. Aber wie dem auch sei, diese Wiederveröffentlichung macht auf jeden Fall richtig Spaß!


Line-up Burlesque:

Ian Trimmer (saxophone, lead vocals)
Billy Jenkins (guitars, background vocals)
Steve Parr (keyboards, backgroound vocals – #1-9)
Steve Hughes (bass, background vocals)
Kevin Currie (drums & percussion & background vocals – #1-9)
Paul Warren (drums & percussion – #10-18)

Tracklist "Burlesque & Acupuncture":

  1. Space Age Blues
  2. Jerkin'
  3. Take It Out On The People
  4. I Got Me (Babe)
  5. Steel Appeal
  6. Rochdale / Rock Stale
  7. 10 % 15 %
  8. Going Dutch
  9. Bizz-Fizz
  10. Elsie Petunia
  11. Lana Turner
  12. Cold War Romance
  13. Hymie Blows It
  14. Acupuncture
  15. Where Did You Get It?
  16. Drabola
  17. C.N.D.' 63
  18. Love It To Death

Gesamtspielzeit: 78:33, Erscheinungsjahr: 2025 (1977)

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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