Fast wie eine kleine Ewigkeit hat es sich angefühlt, seit die beiden letzten Veröffentlichungen der deutschen Jam’n’Krautrocker Space Debris, jeweils Doppel-Vinyl-Neuauflagen des Studioalbums Three sowie Into The Sun – Live At Herzberg Festival 2006, auf dem Markt erschienen. Fast schon überrascht stellt man dann fest, dass das doch erst fünf Jahre her ist. 2026 aber nun gleich ein Doppelschlag: Zum einen mit dem auf einem englischen Label erschienenen Triple-Vinyl-Album "Sighting" und zum anderen mit dem mir nun vorliegenden "Iceflower…". Dabei handelt es sich um den mittlerweile neunten Teil der "Archive"-Reihe der Combo, der mir für dieses Review im CD-Format vorliegt. Keine Frage, die Vorfreude war groß, speziell auch deshalb, weil in der Ankündigung von einem neuen Studio-Song aus dem Jahr 2026 die Sprache war. Die restlichen Tracks decken den Zeitraum von 2003 bis 2022 ab.
Wenn man nun so will, kann man bei der neuen Scheibe von drei Phasen der Band sprechen. Zum einen die beiden Tracks der frühen Jahre mit Tom Kunkel an der Orgel, dann die Jahre mit dem Tastenmann Winnie Rimbach-Sator auf vier Tracks (mit – neben den allzeit präsenten Christian Jäger und Tommy Gorny – jeweils zwei Mal Vroni Frisch und Mitja Besen am Bass und schließlich der brandneue Track "Iceflower". Hier hören wir Thomas Hinkel an den Keyboards, von dem auch das Grundgerüst für diese Nummer stammt. Ein durchaus auch über Jazz-Einflüsse verfügender Song, der sich über ca. achteinhalb Minuten streckt und dabei keine Sekunde langweilig wird. Die Gitarren-Overdubs stammen von Uwe Moldrzyk und auch der Mann an den sechs Saiten hat einen sehr starken Song abgeliefert. Ein sehr schönes neues Stück, selbst wenn dem Space Debris-Kenner dann doch sehr schnell auffällt, dass Tommy Gornys Gitarre nicht mit dabei ist.
Den Start macht jedoch "Zenobian Dance", stammt aus den Sessions für die Platte She’s A Temple und war bisher lediglich im Stream und auf Vinyl verfügbar. Eine coole, für Space Debris-Verhältnisse mit etwas über fünf Minuten Spielzeit fast schon kurze Nummer, die sich am Schluss in ein fast schon an Wahnsinn grenzendes Finale steigert, bevor der Ausklang doch wieder friedlicher verläuft. Wow, was für ein Anfang! Dann gibt es eine herrliche, lange Version von "Lorna’s Vibrator"und aus dem selben Jahr (2022) das coole "Clawinnienett" mit Winnie Rimbach-Sator an den Tasten im Mittelpunkt, der übrigens auf allen Tracks dieses Absatzes mit von der Partie war. Den Abschluss der Scheibe macht "Dog Flow", ein Outtake aus dem Album Phonomorphosis aus dem Jahr 2013. Auch hier ist die Band wieder in einem wunderschönen Groove und Fluss, Gorny und Rimbach-Sator spielen sich die Bälle gegenseitig zu, während im Hintergrund (aber gut hörbar!) der Groove von Jäger und Mitja Besen gelegt wird. Auch hier gibt es leichte Jazz-Einflüsse zu hören, aber das ist genau das, was die Musik der Band so interessant macht. Viele musikalische Ideen und Stile werden miteinander kombiniert und zu einem ganz eigenen Stil verwoben. Klasse!
Der längste Track von "Iceflower – Archive Vol. 9" ist das (fast) 22-minütige "Voodoo" von der Ur-Besetzung mit Tom Kunkel. Ein Outtake aus den Kraut-Lok-Sessions, das mit einem Solo von Christian Jäger gestartet wird, bevor der Rest der Kapelle dazu kommt. Wer die frühe Phase der Band liebt, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Der Favorit des Rezensenten ist allerdings das nicht sehr viel kürzere "The Feels Of A Dinosaur". Nicht nur, aber auch weil für diese Nummer einmal mehr Sven Köthe am Gesang vertreten ist, der ja bereits für die Alben Krautrock Sessions und Elephant Moon hervorragend mit der Band zusammengearbeitet hat. Und Tommy Gorny lässt sehr gekonnt seine Jimi Hendrix-Einflüsse aufblitzen.
Abschließend bleibt nur festzustellen: Wo Space Debris drauf steht, ist auch Space Debris drin. Nämlich hohe Qualität, denn auch "Iceflower…" ist ein großartiges Album, das selbst durch das zeitlich durcheinander gewürfelte Material keinen Schwachpunkt erkennen lässt. Und wer weiß, wenn es 2026 einen neuen Studio-Song gab, vielleicht dürfen wir ja auch bald mit einer kompletten Scheibe mit neuen Songs rechnen.
Line-up Space Debris:
Christian Jäger (drums)
Tommy Gorny (guitars – #1, 3-7)
Uwe Moldrzyk (guitar – #2)
Tom Kunkel (keyboards – #3,6)
Winnie Rimbach-Sator (keyboards – #1,4,5,7)
Thomas Hinkel (keyboards – #2)
Mitja Besen (bass – #1,7)
Vroni Frisch (bass – #4,5)
Sven Köthe (vocals – #6)
Tracklist "Iceflower – Archive Vol. 9":
- Zenobian Dance
- Iceflower – A Greeting From The Universe
- Voodoo
- Lorna’s Vibrator
- Clawinnienett
- The Feels Of A Dinosaur
- Dog Flow
Gesamtspielzeit: 78:12, Erscheinungsjahr: 2026 (2003-2026)



1 Kommentar
Sylke
9. Juli 2026 um 16:28 (UTC 2) Link zu diesem Kommentar
ruhe in frieden liebe bonny ! danke für die tollen lieder ….