Eine neue Jeffrey Halford-Platte aufzulegen ist immer auch ein bisschen so, wie einen neuen spannenden Film zu starten. Zumindest im Kopfkino des Hörers geht die Reise immer wieder in den staubigen Westen und Süden der US of A, über lange, lange Highways, verlassene Nester mit nur elf oder zwölf Häusern und einer Tankstelle sowie auch amerikanische Kleinstädte, deren Namen so ziemlich niemand außerhalb des eigenen Countys jemals gehört hat. Aber genau da liegt auch die Stärke Halfords, den Hörer genau an diese Fleckchen mitzunehmen, eine Geschichte darüber zu erzählen und dann wieder sanft im eigenen Wohnzimmer landen zu lassen. Erzählt werden diese Kleinode im lockeren relaxten American Roots Stil, sprich einer Mischung aus Blues, Rock und Country, die nicht nur runtergeht wie Öl, sondern sich irgendwann auch so in die Ohren gefressen hat, dass sie gar nicht mehr raus will.
Neben dem Protagonisten selbst an Gitarre und Gesang, hat er auch auf "Used Parts" wieder seine langjährigen Healers, namentlich Adam Rossi an den Drums und Keyboards sowie Mike Anderson am Bass am Start. Dazu gesellen sich mehrere Gäste. Über die Live-Qualitäten der Kalifornier durfte sich der Rezensent vor knapp drei Jahren bereits ein Bild machen und wurde alles andere als enttäuscht. Auf der neuen Scheibe geht es mit "Bright Lights" sogleich auf die Reise in die Halfordschen Klangwelten mit trockener Gitarre, super solidem Bass (hier vom Gast Kevin T. White) und dem Schlagzeug-Groove von Adam Rossi. Die Songs der Band sind stilistisch gar nicht mal so weit weg von dem Werk eines J.J. Cale, dennoch sind sie ganz anders und sehr eigen. Beim folgenden Titeltrack wird es ein gutes Stück rockiger und der mehrstimmige Gesang beim Refrain überzeugt umgehend. "Corazon" gefällt wie alle anderen Nummern durch seine gekonnte Erzählkraft, die die Stücke nie langweilig werden lässt.
Ein weiteres absolutes Highlight ist der 'Rausschmeißer' "True North", der nur mit Akustik- sowie Slide-Gitarre, etwas Piano und Gesang gebracht wird. Klasse und ein würdiger Abschluss eines bärenstarken Albums. Bei "Rhythm Of The Rails" wird richtig schön kräftig nach Vorne gerockt, eine coole Bridge löst die Strophe ab und dann geht es direkt in den straight geradeaus marschierenden Refrain. "Living Worthwhile" kommt dageben sehr getragen und handelt von einem Mann, der sich gegen seine Vergangenheit scheinbar nur mit Whiskey und Pillen verteidigen kann bzw. ihr mit diesen 'Hilfsmitteln' zu entfliehen versucht. Klappt natürlich – ganz so wie im echten Leben – nicht, wobei Halford das Ende der Geschichte offen hält. Ein cleverer Zug, da er damit auch verhindert, zu urteilen oder den Zeigefinger zu heben. Bei "High Mountain Soul" kommt dann – der Titel verrät es bereits – sogar noch ein Stückchen Soul mit ins Spiel.
Auf "Used Parts" stimmt jeder Ton, jede Modulation, jede gesetzte Stimmung und die Einzelstücke bauen sich zu einem großen Ganzen auf, das nach knapp vierzig Minuten leider schon wieder Geschichte ist. Glücklicherweise kann man auf die Tonkonserve immer wieder zurückgreifen, denn dieses Album macht mit jedem weiteren Durchlauf ein Stückchen mehr Spaß, sodass man irgendwann geradezu süchtig wird. Ähnlich erging es mir vor Jahren mit den guten Alben von Lee Clayton, der in etwa den selben Stil zelebrierte, sich aber doch wieder ein Stücken anders anhört als Jeffrey Halford & The Healers. Für "Used Parts" gehen auf jeden Fall alle Daumen nach oben und Anspieltipps zu nennen ist gar nicht so einfach, weil es auf diesen zehn Tracks zum einen keinen Ausfall und zum anderen durchgängig Qualität auf sehr hohem Niveau gibt. Wer unbedingt ein paar Tipps braucht, sollte sich unbedingt mal Tracks wie "Chasing Forgiveness", "Don’t Turn Out The Lights", "Mississippi Flyer" oder "Bright Lights" anhören. Oder am besten gleich das komplette Album!
Line-up Jeffrey Halford & The Healers:
Jeffrey Halford (guitars, lead vocals)
Adam Rossi (drums & percussion, keyboards, background vocals)
Mike Anderson (bass)
With:
Kevin T. White (bass – #1,3)
Myron Dove (bass – #10)
Tom Heyman (pedal steel & guitar – #3,4,9)
Aaron Halford (guitars & background vocals – #3,4)
Hannah Halford (background vocals – #6-8)
Tracklist "Used Parts":
- Bright Lights
- Used Parts
- Living Worthwhile
- Don’t Turn Out The Lights
- Rhythm Of The Rails
- Corazon
- Chasing Forgiveness
- High Mountain Soul
- Mississippi Flyer
- True North
Gesamtspielzeit: 38:32, Erscheinungsjahr: 2026



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