Bei The Charcoal Sunset handelt es sich um eine Band aus Berlin um den Singer/Songwriter Juri Member (nettes Wortspiel übrigens), die sich bereits seit dem Jahr 2007 dem gepflegten Americana- und Roots-Sound hingibt. Neben dem bereits genannten Band-Leader waren sechs weitere Musiker an der Einspielung des neuen Albums "Souvenirs" beteiligt, was damit bereits eine größere Bandbreite an Instrumenten signalisiert. Bis auf einen Coversong stammen sämtliche Tracks aus der Feder von Juri Member, aufgenommen wurde im Blue Lizard Studio in Funkenhagen.
Die Stücke bewegen sich zumeist im Midtempo-Bereich und bei der Produktion wurde löblicherweise darauf geachtet, dass die Musik genug Luft zum Atmen hat, sprich nicht zu Tode komprimiert wurde. Was seit einigen Jahren ja bei weitem nicht mehr selbstverständlich ist. "Monkey Tonk" ist eine Nummer, die sehr flott nach vorne abgeht und von einem lockeren Honky Tonk-Piano unterstützt wird. Als Soloinstrument kommt hier die Harmonika zum Tragen und der gute Gesang rundet die Nummer super ab.
Bei dem einzigen Coversong handelt es sich übrigens um Neil Youngs "From The Turnstiles", das recht nah am Original gehalten wurde. Dennoch geht das Stück als Gewinner durchs Ziel. Begonnen wird die Scheibe allerdings von dem lyrisch sehr nachdenklichen "If Jesus Was American", in dem der Sänger sich so seine Gedanken macht, was wohl passieren würde, falls Jesus wieder auf die Erde käme und wie er wohl in den heutigen USA aufgenommen bzw. behandelt werden würde. Eingebettet in einen warmen, aus Akustikgitarre, Orgel, Bass und Drums bestehenden Sound. Sehr cool.
Möglicherweise etwas beeinflusst durch den Coversong hat der Rezensent aber auch darüber hinaus mal das Gefühl, dass der gute Neil Young – mit Sicherheit neben vielen anderen – eine der großen Inspirationen für Juri Member ist. Was jedoch nicht heißen soll, dass hier gnadenlos abgekupfert wurde, sondern dass mich lediglich Kleinigkeiten bei dem einen oder anderen Song daran denken ließen. Kompositorisch hat der Frontmann jedenfalls seine ganz eigene Handschrift gefunden, was "Souvenirs" alleine schon zu einem guten Album macht. Die USA sind offensichtlich ein großes Thema für Member. Hatte der erste Song bereits textlichen Bezug darauf, so wird die B-Seite mit "Statue Of Liberty" eröffnet.
Aber auch die restlichen Musiker, inklusive Kyla Linnenkohl an den Background Vocals, liefern einen sehr guten Job ab. Grundsolide und immer im Dienst des jeweiligen Songs. Als 'Exoten' fallen natürlich die sehr schöne Pedal Steel oder auch die Spanish Guitar ins Ohr. Kompliment nach Berlin bzw. an The Charcoal Sunset für ein sehr schönes Americana-/Roots-Album, bei dem es keine Ausfälle zu bemäkeln gibt. Vielmehr verfügt jeder einzelne Track über sehr coole und ins Ohr gehende Melodien, absolut stimmigen Gesang und ein gutes Arrangement.
Das Vinyl hat einen 'warmen' und 'luftigen' Klang, man kann jedes einzelne Instrument heraushören und die Abmischung ist ebenfalls sehr gelungen. Ein dicker Tipp, speziell für die Freunde dieses Genres. Wer trotzdem zuerst mal reinhören möchte, dem lege ich dafür meine Anspieltipps "If Jesus Was American", "The Kind Of Man I Am", den "Basement Blues" und auch "Rolling Like A Wave" ans Herz. Auf jeden Fall mal anchecken!
Line-up The Charcoal Sunset:
Juri Member (acoustic & electric guitars, banjo, harmonica, lead vocals)
Norman Haase (drums & percussion)
Dirk Flatau (piano, Fender Rhodes, organ, accordion)
Florian Kolditz (upright & electric bass, background vocals)
Stefan Roller (pedal steel)
Tobias Thiele (spanish guitar)
Kyla Linnenkohl (background vocals)
Tracklist "Souvenirs":
- If Jesus Was American
- Souvenirs
- Basement Blues
- Monkey Tonk
- For The Turnstiles
- Statue Of Liberty
- Rolling Like A Wave
- Sweet Harsh Winds
- The Kind Of Man I Am
- Lullaby
Gesamtspielzeit: 20:28 (Side 1), 22:10 (Side 2), Erscheinungsjahr: 2026



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