Der Name Rebecca King war dem Rezensenten durch die Zusammenarbeit mit Markus Rill geläufig, für dessen aktuelles Studioalbum Good As New sie für ein paar Nummern ihren Gesang beigesteuert hatte. Die in Karlsruhe geborene und heute in Würzburg lebende Deutsch-Amerikanerin hat vor ein paar Jahren ihre Debüt-Scheibe "New Country" vorgelegt und damit für erstes Aufsehen in der Americana-Szene gesorgt. Mit "Roots And Reasons" ist im Herbst 2025 das zweite, elf Songs umfassende, Werk erschienen, mit dem Miss King momentan auf Tour ist.
Was sofort beim ersten Anhören der Platte auffällt, ist die wunderschöne und glasklare Stimme der Sängerin, die ihre mal akustisch, mal elektrisch gebrachten Nummern mit einer klasse Band präsentiert. Die Stücke haben dazu durchaus Radio-Potenzial (falls es – ausgenommen die Nischen-Sender – so was wie gutes Radio noch gäbe), verfügen jedoch nach wie vor über genügend Ecken und Kanten, um auch dem Nicht-Mainstream-Hörer viel Freude in die heimischen Wände zu zaubern. Erreicht wird dies neben den bereits genannten Attributen durch das starke Songwriting, das die Scheibe auch nie langweilig werden lässt.
Bereits der Opener "Love Letters" geht herrlich gut ins Ohr, der Beat kommt kräftig, die Gitarre powervoll sowie melodisch und der Gesang so selbstbewusst wie überzeugend. Die Texte wirken autobiografisch, ehrlich und aus dem echten Leben gegriffen. Richtig klasse kommt "My Favorite Song", das von dem zarten und tröstenden "Little Baby Steps" (einem von zwei Songs, bei denen Mr. Rill als Co-Autor genannt ist) gefolgt wird. Der letztgenannte Song wurde dazu mit feinen Country-Licks angereichert, die der Nummer sehr gut tun und ihr insgesamt ein wohliges Gefühl verleihen. "Will You Call Me Mama" kommt aus Sicht einer Frau, die eine Beziehung mit einem alleinerziehenden Mann eingegangen ist und von Herzen hofft, dass sie von dem Kind akzeptiert und als Mutter geliebt wird.
Mit einer fett rockenden Gitarre zieht "Like" die Aufmerksamkeit des Hörers sofort auf sich. Die Strophen und Refrains sind dann, alleine schon der Stimmfarbe der Protagonistin geschuldet, wieder etwas zarter, dennoch geht der Track als einer der Favoriten des Rezensenten durchs Ziel. Und wenn wir schon bei denn rockigeren Stücken sind, sei an dieser Stelle auch "With The Band" genannt, das in der Rangliste des Schreibers ebenfalls ganz oben steht. Sehr schön auch das abschließende "Traces", das erneut durch sehr viel Feeling und gute Melodien überzeugt.
Ein klasse Riff eröffnet "Maybe One Day" und führt zu einer Nummer, die sich vor keinem anderen Interpreten verstecken muss. Überhaupt hört sich diese Platte zu keinem Zeitpunkt 'deutsch', sondern vielmehr international an, was selbstverständlich auch dem natürlichen Sprach-Verständnis der Halb-Amerikanerin geschuldet ist. "Beautiful Day" unterstreicht einmal mehr die rockige Americana-Ausrichtung des Albums und auch "Home Sweet Home" macht diesbezüglich kaum Abstriche. Schließlich ist da noch das balladeske "About You And Me", bei dem die gute Rebecca den Hörer – wie auf der gesamten Scheibe – mit ihrer tollen Stimme in den Bann zieht.
Mit "Roots And Reasons" ist Rebecca King ein richtig starkes und wunderschönes Album gelungen, das nicht nur die Ohren, sondern auch die Seele des Hörers berührt. Wer also ein Faible für Singer/Songwriter, Americana hat, sollte unbedingt mal Tracks wie "My Favorite Song", "With The Band", "Love Letter" oder das rockige "Like" anchecken, die somit selbstredend auch meine Anspieltipps sind. Thumbs up!
Line-up Rebecca King:
Rebecca King (acoustic guitars, vocals)
Franky Kühnlein (electric & acoustic guitars, drums – #10,11)
Leonie Hagemann (keyboards)
Frank Stimpfig (bass)
Sven Günther (drums – #1-3,5-9)
With:
Michael Danielak-Kölpin (drums – #4)
Martin Grunenberg (additional guitar – #5)
Henri Scheppach (additional guitar – #6)
Dirk Hoffman (bass – #6)
Philipp Raab (additional keyboards – #6)
Tracklist "Roots And Reasons":
- Love Letters
- Beautiful Day
- A Favorite Song
- Little Baby Steps
- About You And Me
- With The Band
- Maybe One Day
- Like
- Will You Call Me Mama
- Home Sweet Home
- Traces
Gesamtspielzeit: 35:52, Erscheinungsjahr: 2025



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