Um es mal frei heraus zu sagen, hätte es der Rezensent noch vor fünf bis zehn Jahren für nicht möglich gehalten, dass er für den Rest seines Lebens noch mal was mit der aus Köln stammenden deutschen Kult-Band Can anfangen könnte. Frühere Berührungspunkte, speziell mit dem Doppel-Album Tago Mago fielen trotz mehrfacher Anläufe nicht auf fruchtbaren Boden. Aber wie so oft im Leben kam es dann doch anders. Zwar nach wie vor kein absoluter Fan, kann ich mich mittlerweile mit – vermeintlich leichter zugänglichen – Alben wie "Monster Movie", "Soundtracks" und auch "Ege Bamyasi" durchaus anfreunden und lasse sie sogar gerne laufen. Nun ist im Wallstein Verlag das Buch "Can – Essays zu Werk und Ästhetik" von Hendrik Otremba erschienen, das einen willkommenen Anlaufpunkt darstellt, um sich der Band weiter nähern zu können.
Das Werk ist sozusagen in zwei Parts aufgeteilt. Zu Beginn steht ein langes Interview, das Otremba mit dem letzten Überlebenden der Original-Band, nämlich dem Keyboarder Irmin Schmidt, geführt hat. Den zweiten Teil stellen dann acht relativ kurze Essays zu Punkten dar, die auch im Interview von Schmidt thematisiert wurden. Dabei geht es unter anderem um Schlagbegriffe wie 'Ruinen' (über Eindrücke aus der Kindheit, die durchaus in den Sound der Band eingeflossen sind), die Sänger Malcolm Mooney sowie Damo Suzuki, den Drummer Jaki Liebezeit oder auch die – in erster Linie – von Bassist Holger Czukay aus den Aufnahmesessions kreierten Collagen, die die Musik des Quartetts mit definiert haben.
Vor- und Nachteile hat der Fakt, dass das im Din-A5 gehalten Werk mit gerade mal 118 Seiten doch relativ kurz ausgefallen ist. Gut daran ist, dass der vielleicht nach wie vor kritische Can-Betrachter sich doch eher ran traut, als wenn er es mit dreihundert oder mehr Seiten zu tun hätte. Außerdem versteht es Otremba sehr gut, die einzelnen Themen seiner Essays auf den Punkt zu bringen. Was auch den Rezensenten dazu gebracht hat, sich noch mal intensiver mit einigen Alben der Band zu befassen. Alleine schon deshalb hat das Buch seine Berechtigung und es darf ein Lob ausgesprochen werden. Und um noch einmal auf den ersten Teil zurück zu kommen, so sind auch die Ausführungen von Schmidt durchaus lesenswert.
Zum Zeitpunkt ihres Bestehens hat die Band Can elf Studio- und so einige, alle lange nach dem Ende Band veröffentlichten, Live-Alben hinterlassen. Die besten davon davon dürften nach wie vor ein wahres Fest für alle entdeckungsfreudigen Musik-Freunde sein, die ihre Freude fernab des Mainstreams finden. Gegen Ende, das räumt selbst Schmidt im Interview ein, ließ die Qualität der Scheiben dann doch nach. Oder anders gesagt, konnte das hohe Level der Platten bis einschließlich "Soon Over Babaluma" (1974) nicht mehr wirklich gehalten werden und gegen Ende der Siebziger lief das Ganze dann aus. Von der Original-Band haben Holger Czukay, Michael Karoli und Jaki Liebezeit diese Welt bereits verlassen, dafür aber teilweise beeindruckende Musik hinterlassen. Selbst wenn Can Zeit ihres Bestehens und darüber hinaus in Ländern wie England oder Frankreich immer deutlich angesehen waren, als in ihrer Heimat.
Auf jeden Fall ein sehr interessantes Buch, das dazu verleitet, sich der Musik von Can – gegebenenfalls noch einmal – zu nähern und erneut zu ihr zu finden.
Autor: Hendrik Otremba
Herausgeber: Wallstein Verlag
Sprache: Deutsch
Taschenbuch (Broschur): 208 Seiten
ISBN-10: 3835359657
ISBN-13: 978-3835359659
Abmessungen: 10.6 x 1.3 x 17.3 cm
Preis: 20,00 Euro



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