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Cathedral / Society’s Pact With Satan – Digital-Review

Cathedral - Society's Pact With Satan

Ziemlich überraschend kam eine Nachricht von Lee Dorrian, die eine neue Veröffentlichung von Cathedral auf seinem Label Rise Above ankündigte . Denn bekanntlich hatte er die Band 2013 aufgelöst.

Die Erklärung: Es handelt sich um eine lange verschollen geglaubte Aufnahme aus dem Jahr 2012, die am Ende der Sessions für das Abschiedsalbum "The Last Spire" entstand, das 2013 veröffentlicht wurde. Wie es weiter heißt, wurde der Track aus irgendwelchen Gründen nicht abgemischt und vergessen.

Bis jetzt, denn »Produzent Jaime Gomez Arellano entdeckte ihn beim Durchsehen seiner alten Studioaufnahmen wieder und teilte der Band aufgeregt mit, er habe ein lange verschollenes Juwel entdeckt. Als die Bandmitglieder es hörten, waren sie überzeugt genug, einer kommerziellen Veröffentlichung zuzustimmen.«
So kommen Cathedral-Fans nun unerwartet mehr als zehn Jahren doch noch im Oktober 2025 zu einer neuen EP – als CD und limitiertes Vinyl in verschiedenen Farben, teilweise nur direkt bei Rise Above erhältlich.

Wer sich nun wundert, nur ein Song und das ist dann eine EP, kennt Cathedral schlecht. Denn das Stück "Society’s Pact With Satan" ist knapp 30 Minuten lang. Das weckt unter Kennern Erinnerung an das zweiundzwanzigminütige "The Voyage Of The Homeless Sapien" von der "Statik Majik" (1994).

In der Tat, dieser Gedanke ist nicht unpassend, denn auch hier passiert im Verlauf des Songs einiges. Neben vielen raueren Passagen gibt es ruhiges, mit Orgel im Wechsel mit Gesang – das hat dann etwas 'kirchenmäßiges' (bzw. 'kathedraliges').
Allerdings überwiegen die rifflastigen Elemente. Cathedral waren nie Kuscheldoom, sondern hatten stets etwas (für dieses Genre) Fieses mit drin, was an den Wurzeln von Lee Dorrian liegt, der bekanntlich auch schon Grindcore gemacht hat – damals bei Napalm Death.

"Society’s Pact With Satan" ist also wieder ein typisches Songmonster, allerdings nicht ganz so abgefahren wie damals "The Voyage Of The Homeless Sapien" mit den gesprochenen Stellen – bzw. anders, irgendwie düsterer, mehr satanisch, weniger spacig. Textlich dabei recht sozialkritisch, passt heutzutage noch genauso wie zur Entstehungszeit: »Lords and leaders of all nations / Made a pact with Satan / Damnation, devastation / Our destruction they have chosen«

Am Anfang und vor allem am Ende des Stückes wirkt dieses minutenlang horrormäßig wie eine Art 'Rauschen aus dem Jenseits'. Zwischendurch tobt sich die Band aus, mit Riffs, aber auch mal verhältnismäßig episch-melodisch, dann sogar mit sphärisch wirkenden Parts. Dann wird’s mal doomig, dann ruhig-akustisch – und wieder härter.

Anders ausgedrückt: Hier wird eine Reise durch das ganze musikalische Spektrum von Cathedral geboten, alles ist dabei, was Fans sich wünschen (können). Der Geist der Band ist wieder da – wie Lee schreibt, »zurück aus dem Grab«. Leider nur für eine halbe Stunde. Aber die hat es in sich – und bekam ein (zum Titel) passendes okkultes Covermotiv verpasst – allerdings leider kein gezeichnetes wie früher meistens.

Fazit: Eine gelungene Überraschung, dass sich die Tore der britischen Doom-Kathedrale noch einmal kurz öffneten und einladen, drinnen den Klängen zu lauschen. Beim Hören wird klar, wie sehr das doch gefehlt hat – doch nun scheint es leider endgültig zu heißen, dass dies  »die letzte Predigt von Cathedral« ist.


Line-up Cathedral:

Gaz Jennings (guitars)
Lee Dorrian (vocals)
Scott Carlson (bass)
Brian Dixon (drums)

Tracklist "Society’s Pact With Satan":

  1. Society’s Pact With Satan (29:43)

Gesamtspielzeit: 29:43, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Andrea Groh

Hauptgenres: Doom/Death/Black Metal, auch Post/Progressive/Pagan Metal u.a.
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