Ach, müssen das herrliche Zeiten gewesen sein, als sich in den frühen Sechzigern nach und nach Bands formierten, deren einzelne Mitglieder später noch auf die eine oder andere Weise die Musikgeschichte mitschreiben sollten.
Da gab es Alexis Korner, Duffy Power, Cyril Davies, John Mayall und einige mehr. Um den am 13. Oktober 1940 in London geborenen John Henry Deighton alias Chris Farlowe scharten sich in diesen Anfangstagen auch illustre Musiker in der von ihm geleiteten Band The Thunderbirds, nachdem sich Farlowe anfänglich im Bereich der Skiffle-Musik präsentierte.
Albert Lee, Carl Palmer, Dave Greenslade waren einige der 'Donnervögel', die auf den Songs dieser Dreier-CD zu hören sind, mit Aufnahmen der Jahre 1962-1965. Das Mitwirken von Palmer ist bei den hier vorliegenden Aufnahmen jedoch nicht dokumentiert.
Enthalten sind Singles und EP-Tracks aus diesen Jahren, BBC-Sessions, darunter mehrere neu auf CD erschienene Aufnahmen, sowie eine bisher unveröffentlichte Live-Show aus dem Jahr 1965, die im legendären Londoner 'Flamingo Club' aufgenommen wurde. In Zusammenarbeit mit dem Künstler, Dave Greenslade und Albert Lee zusammengestellt, bietet dieses 3CD-Set einen Überblick über sein begehrtes Schaffen der 60er Jahre.
Das Booklet enthält informative Anmerkungen von BBC-Sprecher Spencer Leigh und Fotos von Gered Mankowitz. Gemastert wurden die Songs von Eroc. Sie zeichnen die Geschichte einer der wichtigsten Stimmen des britischen R&B/Rock nach.
Bereits 2017 wurden Aufnahmen der BBC veröffentlicht, "Live At The BBC", mit siebenundzwanzig Titeln der Jahre 1965-1968. Einige Songs decken sich mit diesen auf dieser Kollektion. Warum nun nur neunzehn Titel gewählt wurden, wo doch die siebenundzwanzig angeblich den kompletten Output darstellen sollten?
Es ist, wie es ist, jedenfalls bleibt uns die Erkenntnis, dass sich Chris Farlowe bereits in jungen Jahren durch seine raue und stark an farbigen Sängern orientierte Stimme auszeichnete und dabei ganz viel Soul- und R&B-Feeling ausstrahlte. Damit besaß er ein hohes Maß an Individualität, die auch später seinen Werdegang auszeichnen sollte, sei es als Sänger bei Colosseum oder bei Atomic Rooster.
Die für mich persönlich interessanteste CD ist die erste, wurden hier doch die Singles und EPs von 1962 – 1966 zusammengefasst. Das war also noch die Zeit, bevor Farlowe durch solche Songs wie "Think", "Out Of Time", "Ride On Baby", "My Way of Giving" oder "Handbags And Gladrags" bekannter werden sollte. Hier firmierte er auch noch bei einem Titel als Little Joe Cook ("Stormy Monday Blues") und unter dem Namen The Beazers erschien die Single "Blue Beat / I Wanna Shout". Hier ist unverkennbar, dass neben dem üblichen R&B-Anstrich auch im Bereich des Ska musiziert wurde. Interessant ist es, einmal zu vergleichen, wie sich die Version des "Stormy Monday Blues", hier aus 1964, und die sieben Jahre später mit Colosseum eingespielte Fassung unterscheiden. Farlowe jedenfalls singt jeweils mit der gleichen Überzeugungskraft auf seine unverwechselbare Art.
Die ersten Aufnahmen stammen von der Debüt-Single, "Air Travel / Why Did You Break My Heart", und sind mit ihrem Aufnahmedatum noch stark in der Musik jener Zeit verwurzelt. Bei der B-Seite setzt sich Albert Lee mit seinem den Song umschmeichelnden Spiel bereits in Szene. Mit "Reelin' And Rockin'" gibt es einen LP-Track, die Nummer von Chuck Berry erhält einen guten individuellen Anstrich. Klar – es ist zwar nicht verzeichnet, aber ich denke, hier ist es ebenfalls Albert Lee, der das schnittige Solo abliefert.
Die Aufnahmen für die BBC werden in sehr guter Tonqualität vorgelegt und zeichnen ein hervorragendes Bild der Band jener Tage. Da sich der Zeitraum nun über jenen der ersten CD hinaus begibt, kommen wir nun auch in den Genuss eines der damaligen Hits, hier also "Out Of Time".
Stark, wie sich Farlowe hier als kraftvoller Soul-Sänger erweist ("I Got You[I Feel Good]"). Und auch die Motown-Schiene wird hervorragend präsentiert ("What Becomes Of The Broken Hearted").
Mit dem Des Champ Orchestra trägt der Protagonist den Klassiker "Summertime" vor, ein wenig anders und recht interessant interpretiert. Dem Blues frönt man noch einmal mit "Baby What You Want Me To Do" sowie ein weiteres mal mit dem "Stormy Monday Blues", dieser in einer dezent angejazzten Fassung mit einem Upright Bass. Jeder Titel wird übrigens von einem Radiosprecher eingeleitet, also – man ist mittendrin im Programm!
Nun noch die bisher unveröffentlichte Aufnahme auf CD 3, "Live At The Flamingo 1965". Mit diesem Konzert aus dem legendären Londoner Club in Soho werden die seinerzeit gängigen Songs vorgestellt und mit rauer Stimme trägt Farlowe diese überzeugend vor, die Band spielt engagiert und leidenschaftlich. Die Klangqualität ist leider nicht vom Feinsten, mitunter verschwindet der Gesang im Hintergrund, es klingt recht dumpf. Und somit sehe ich das als wichtiges historisches Zeitdokument, für Fans auf jeden Fall unverzichtbar.
Line-up Chris Farlowe And The Thunderbirds:
Chris Farlowe (vocals)
Albert Lee (guitar)
Dave Greenslade (Hammond organ)
Bruce Waddell (bass guitar)
Ian Hague (drums)
Des Champ Orchestra (CD 2 – #13,14)
Tracklist "Stormy Monday & The Eagles Fly On Friday":
CD 1 – Singles 1962-1966:
- Air Travel
- Why Did You Break My Heart
- I Remember
- Push Push
- Stormy Monday Blues Part One
- Stormy Monday Blues Part Two
- Blue Beat
- I Wanna Shout
- Girl Trouble
- Itty Bitty Pieces
- Reelin' And Rockin'
- What You Gonna Do?
- Just A Dream
- Hound Dog
- Hey Hey, Hey Hey
- Funny Kind Of Love
- Buzz With The Fuzz
- You’re The One
- Stormy Monday
- She’s Alright
- Voodoo
CD 2 – Live At The BBC 1965-1969:
- Watcha Gonna Do Baby [October 1965]
- Interview: Chris Farlowe talks about his musical background [October 1965]
- The Fool [October 1965]
- Rockin' Pneumonia And The Boogie Woogie Flu [October 1965]
- Don’t Just Look At Me [February 1966]
- Mr. Pitiful [February 1966]
- I Got You (I Feel Good) [July 1966]
- Out Of Time [July 1966]
- Bread [December 1966]
- North, South, East And West [ December 1966]
- I Can’t Get You Out Of My Mind [December 1966]
- What Becomes Of The Broken Hearted [February 1967]
- Summertime [June 1967]
- Moanin' [June 1967]
- Baby What You Want Me To Do [July 1968]
- Stormy Monday Blues [July 1968]
- Gemini [November 1969]
- Dawn [November 1969]
- That’s Why [November 1969]
CD 3 – Live At The Flamingo 1965:
- Wade In The Water
- Chicken Shack
- You Can’t Sit Down
- Mr Pitiful
- Find Out What’s Happening
- Every Sixty Seconds
- Summertime
- Buzz With The Fuzz
- Think
- Night Train
- Funky Mamma
- Rockin' Pneumonia And The Boogie Woogie Flu
- In The Midnight Hour
- Stormy Monday Blues
- Lipstick Traces
- "Signing Off"
Gesamtspielzeit: 57:48 (CD 1), 56:40 (CD 2), 62:35 (CD 3), Erscheinungsjahr: 2021



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