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Colosseum / Tomorrow’s Blues – CD-Review

Colosseum - "Tomorrow's Blues" - CD-Review

Nachdem im Jahr 1997 das letzten Endes doch etwas enttäuschende Reunion- (Studio-) Album Bread & Circusses der britischen Band Colosseum erschienen war, kehrte doch etwas Ernüchterung im Fan-Lager ein. »Wir wollten alles richtig machen und haben genau deshalb alles falsch gemacht. Das war Colosseum Light!« hatte sich der Bassist Mark Clarke im Nachhinein zu der Platte geäußert. Was die Musiker jedoch nicht davon abhielt, weiterhin großartige Konzerte zu bzw. die Studioplatte gewissermaßen an die Wand zu spielen. Wie dem auch sei, die Erwartungshaltung der Öffentlichkeit hinsichtlich der nächsten, original 2003 erschienenen Platte "Tomorrow’s Blues" war nicht unbedingt himmelweit hoch. Und dennoch (oder vielleicht gerade deswegen?) legte Colosseum mit dem nächsten Werk einen deutlichen Zahn zu. Die Besetzung war stabil geblieben, was ja schon mal eine gute Voraussetzung war. Aufgenommen wurde wieder im Temple Music Studio im englischen Sutton und auch die Produktion wurde erneut von Hiseman, Clempson und Greenslade übernommen.

Dass auf "Tomorrow’s Blues" ein anderer, deutlich erfrischenderer Wind weht, wird bereits beim eröffnenden Titelsong klar. Und der macht, ebenso wie das darauf folgende "Come Right Back" (mit zusätzlichen Gast-Bläsern) richtig Spaß. Dennoch muss bereits an dieser Stelle festgehalten werden, dass die Mannen um Jon Hiseman neben einigen losgelösten Tracks immer wieder in die "Bread & Circusses"-Lethargie (um dieses böse Wort mal zu verwenden) zurück fielen. Bezüglich des Songwritings konnte erneut Dave Greenslade den Löwenanteil mit fünf Tracks verzeichnen, während Clempson drei Stücke und Dick Heckstall-Smith immerhin eine Nummer beisteuerten. Einer dieser typischen Blues (Rock)-Titel ist "Take The Dark Times With The Sun", bei dem zwar wieder alles super eingespielt und -gesungen ist, von dem aber im Nachhinein nicht wirklich viel hängen bleibt.

Chris Farlowe ist selbstverständlich wieder der Haupttäter vor dem Gesangs-Mikro, aber für das Heckstall-Smith-Stück "Leisure Complex Blues" durfte auch Mark Clarke einmal die Lead Vocals übernehemen. Einer von zwei guten Blues Rock-Tracks, die die Scheibe mal flotter (die gerade genannte Nummer), mal langsamer ("No Demons") zu ihrem Ende führen. Mit "The Net Man" sowie "Arena In The Sun" sind dieses Mal sogar zwei ganz feine Instrumentals enthalten, bei denen die sprichwörtliche 'Auslauf-Leine' deutlich lockerer gelassen wird. Bezüglich Kreativität und Innovation halten zwar auch diese Stücke dem Vergleich mit der ersten Phase der Bandgeschichte (1968 – 1971) nicht stand, was sie auf der anderen Seite aber auch nicht davon abhält, richtig gut zu sein. Einer weiterer meiner Favoriten ist "Thief In The Night". Nicht unbedingt weil hier Außergewöhnliches geboten wird, sondern einfach nur, weil es ein guter Song ist.

Letzten Endes muss gesagt werden, dass "Tomorrow’s Blues" ein klar besseres Album als "Bread & Circusses" ist, weil es neben der offensichtlichen Qualität der Musiker einfach ein offeneres, über viel mehr (musikalischen) Raum verfügendes Album ist, bei dem auch wieder etwas mehr Jazz- und Prog-Anteile vertreten sind. Übertrieben hat die Band es damit allerdings (gelinde gesagt) auch nicht gerade, sodass auch bei den hier enthaltenen zehn Tracks der Blues Rock nach wie vor die federführende Kraft ist. Dennoch höre ich mir diese Platte (zusammen mit der neuen Scheibe Restoration) immer noch am liebsten von den vier Werken seit der Reunion an. Wer das Album bisher noch nicht kennt und erstmal reinhören will, dem würde ich dafür "Come Right Back", "Thief In The Night", den Titeltrack sowie "The Net Man" empfehlen.

"Tomorrow’s Blues" war das letzte Colosseum-Album mit dem Saxofonisten Dick Heckstall-Smith, der 2004 verstarb und anschließend von Jon Hisemans Ehefrau Barbara Thompson ersetzt wurde.


Line-up Colosseum:

Jon Hiseman (drums)
Chris Farlowe (lead vocals)
Dick Heckstall-Smith (tenor-, soprano- & baritone saxophones)
Dave Greenslade (Hammond organ, grand piano)
Mark Carke (bass, background vocals, lead vocals – #9)
Clem Clempson (guitars, Fender Rhodes, background vocals)

With:
Steve Sidwell (trumpet – #2,7)
Simon Gardner (trumpet – #2,7)
Chris White (tenor saxophone – #2,7)

Tracklist "Tomorrow’s Blues":

  1. Tomorrow’s Blues
  2. Come Right Back
  3. In The Heat Of The Night
  4. Hard Times Rising
  5. Arena In The Sun
  6. Thief In The Night
  7. Take The Dark Times With The Sun
  8. The Net Man
  9. Leisure Complex Blues
  10. No Demons

Gesamtspielzeit: 53:13, Erscheinungsjahr: 2022 (2003)

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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