Wie in unserer News vom 22. Juli geschrieben, hat der Tod des englischen Musikers und Sängers Ozzy Osbourne die RockTimes-Redaktion stark getroffen. Ja, »schockiert«, so der original Wortlaut.
Aus diesem Grund haben in diesem Nachruf mehrere RockTimer ihre Gedanken und Erinnerungen einfließen lassen:
Besonders bedanken möchten wir uns auch bei Eva Louis und Wolfgang Gürster für die uns zur Verfügung gestellten Fotos, die es am Ende des Nachrufs zu sehen gibt..
Andrea, Achim, Ilka, Jens, Jochen, Mario, Markus, Ulli, Wolfgang
»If I close my eyes forever
Will it all remain the same?«
("Close My Eyes Forever", Duett von Ozzy mit Lita Ford auf deren Scheibe "Lita", 1988)
Nicht ganz, die Welt hat nun eine Musiklegende weniger.
Am 05.07.2025 war das Abschiedskonzert von Black Sabbath und Ozzy Osbourne, der dabei aufgrund seines Gesundheitszustandes auf einem speziellen 'Thron' gesessen hat.
Manche (auch er selbst) werden es vorher schon geahnt haben, dass dies nicht nur ein Abschied von der Bühne sein würde, sondern – zumindest für Ozzy – mehr als nur das.
Vermutlich hat er die letzten Monate genau darauf gehofft, dies noch erleben zu können, hat seine Kraft dafür gesammelt und nun danach konnte er loslassen, konnte er diese Welt verlassen.
Die Band, die Bühne und die Fans, das hat ihm immer sehr viel bedeutet. Schon früh hatte er den Traum Sänger zu werden, diesen Traum hat er gelebt, auch wenn es teilweise eher ein Albtraum war.
Dem 1948 in Birmingham geborenen John Michael 'Ozzy' Osbourne gelang es, die Aufmerksamkeit von Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward auf sich zu ziehen. Gemeinsam gründeten sie 1968 die Band Earth, die sie 1969 in Black Sabbath umbenannten – nach einem Kapitel des dreigeteilten Filmes "Drei Gesichter der Furcht" von Mario Bava.
Dort erlebte er einige Höhen, war an einigen musikalischen Meilensteinen beteiligt, wurde wegweisend für viele Heavy Metal-Bands (vor allem im Doom-Bereich), durch seine charakteristischen Auftritte gar zu einer Ikone. Doch dies bedeutete auch viel Druck, vor allem in den 70ern wurden die Musiker gnadenlos auf Tour geschickt, dann wieder ins Studio, wieder auf Tour usw.
Die Schattenseiten des Ruhmes waren Alkohol und Drogen, ein gewisser Kontroll- und Realitätsverlust. Das düstere Image und das Leben vermischten sich teilweise. Ozzy wusste manchmal nicht, was von ihm erwartet wurde und er reagierte spontan, so kam es zu berüchtigten Szenen, die mit der Taube bei einer Pressekonferenz und später mit der auf die Bühne geworfenen Fledermaus.
Auch als er nicht mehr bei Black Sabbath war und eine Solo-Karriere startete, blieb er dem Image des 'Madman', des 'Prince Of Darkness' treu und das Chaos und die Probleme begleiteten ihn weiter. Teilweise kommentierte er dies in seinen Lyrics treffend und selbstironisch.
Zum Satanismusvorwurf in etwa so »They think I worship the devil / They only see through his eyes / I’m just a rock’n’roll rebel.«. Alkohol bezeichnete er als "Demon Alcohol" oder auch "Suicide Solution", der Song brachte ihm den Vorwurf ein, zum Selbstmord aufzurufen, wobei er dort seine eigene Situation beschrieb.
Immer wieder sagte er Touren ab, mit großem Bedauern, da ihm (und das glaube ich ihm wirklich) das auf der Bühne stehen und für die Fans spielen viel, vielleicht sogar alles bedeutete. Dadurch habe ich es nie geschafft, ihn live zu sehen, trotz etlicher Versuche. Entweder war zu schnell ausverkauft oder, wenn ich Tickets hatte, fand die Veranstaltung nicht statt. Einmal (in Mannheim) waren mein Mann und ich nah dran; wir haben immerhin die Vorgruppe Black Label Society gesehen und dann wurde abgebrochen. Auch dafür müssen wir Ozzy dankbar sein, er hat immer wieder talentierte Musiker gefunden, wie hier im Beispiel Zakk Wylde. Oder zuvor Randy Rhoads, der am 19. Mai 1982 bei einem Flugzeugunfall starb – etwas, das Ozzy nie ganz überwand. Viele weitere Namen ließen sich aufzählen. Immer wieder kam es zur Zusammenarbeit mit anderen Musikern, seien es Lemmy, Lita Ford und viele andere. Parallel zu seiner Solo-Karriere kam es mehrfach zu Re-Union-Shows mit Black Sabbath, neben Studioalben (das letzte "13" im Jahr 2013). Schließlich dann zu der großen Abschiedsshow in Birmingham, es endete dort, wo es angefangen hatte – Ozzy war zuvor zurück in seine englische Heimat gezogen.
Auch wenn Ozzy uns nun für immer verlassen hat, werden für mich einige Erinnerungen bleiben, nicht nur die eher ärgerlichen / enttäuschenden Absagen, sondern vor allem die vielen guten Songs, und die Faszination für seine Person, die über seine musikalischen Leistungen hinausgeht.
Ach ja, und mein erstes Band/Metal-Shirt, das ich ca. 1984/4 gekauft habe, war das zur "Bark At The Moon", eine seiner (meiner Meinung nach) besten Solo-Scheiben. In dem Video zum Titelsong zeigte er sich als Werwolf – hier kam mal wieder das Horror-Image zum Tragen, das mitgeholfen hat, ihn zu mehr als nur einem stilprägenden Sänger / Musiker zu machen, nämlich zu einer Ikone der Rock- und Metal-Welt.
Nun hat er diese verlassen und ist hoffentlich an einem besseren Ort und trifft dort etliche alte Bekannte.
»Leave the earth to all its sin and hate /
Find another world where freedom waits«
(aus "Into The Void" von der "Master Of Reality" / Black Sabbath, 1971)
Ich war erstmal sehr traurig über die Nachricht. Mich haben Ozzy und Sabbath seit meiner Jugend begleitet. Er hat sein Leben gelebt und immer Stärke gezeigt, dank auch seiner Sharon.
Seine Stimme war so unverwechselbar und unverfälscht. Als ich von seinem Tod erfuhr, lief kurz später "Close My Eyes Forever"!! Es lief mir eiskalt den Rücken hinunter.
Er hätte nicht besser abtreten können – nach seinem eigenen persönlichen Ozzfest.
Thank you and rock with Randy, Lemmy, DIO and all the other Rock legends on the other side!
Ozzy Osbourne ist tot?
Ich konnte es wirklich nicht glauben, als ich diese Nachricht vernommen hatte, denn irgendwie hatte ich immer den Eindruck: dieser alte Haudegen ist – trotz jahrelanger Alkohol- und Drogeneskapaden – unsterblich. Nun, bei Lemmy, der sich bereits mit 70 Jahren 'aus dem Staub' machte, dachte ich das auch …
Der 'Prince of Darkness' schaffte immerhin sechs Jahre mehr, als er sich von der Musikwelt und von seinen Fans verabschiedete. Offenbar kämpfte er aber schon lange mit gesundheitlichen Problemen, unter anderem war er wohl an Parkinson erkrankt.
Ozzy, wie er liebevoll von seinen Fans genannt wurde, war für mich immer dieser dunkle, geheimnisvolle Rebell, der direkt aus der Hölle zu kommen schien, um sein 'Unwesen' auf Erden zu treiben. Dazu beigetragen hatte nicht nur sein düsteres Image, sondern auch die schrägen Bühnenauftritte – Stichwort Fledermaus. Er war kein 'Speichellecker', sagte seine Meinung stets geradeaus und blieb sich selbst treu, das hat mir immer imponiert.
Mit seiner unverwechselbaren Stimme, aber auch seiner einzigartigen Ausstrahlung prägte er die 1969 gegründete Band Black Sabbath. Nach Ozzys Ausstieg übernahmen viele große Namen das Mikro, aber auch die übrige Bandbesetzung blieb nicht von dauerhaften Wechseln verschont. Das waren jedoch nicht mehr Black Sabbath für mich.
Und Ozzy? Er verfolgte mit tatkräftiger Unterstützung von Sharon, seiner Managerin und späteren Frau, seine sehr erfolgreiche Solokarriere. Da wanderte schon mal die eine oder andere CD in mein Regal. Doch diese Doku-Soap konnte ich mir einfach nicht antun. Ich glaube, damit polarisierte Ozzy auch.
Und Jahre später, 1997! Endlich die große Überraschung: Reunion der Band Black Sabbath – und nicht zu glauben – tatsächlich mit Ozzy am Mikrofon. Mir stockte fast der Atem als bekannt wurde, dass die Band 1999 in Leipzig auftreten würde. Welch eine tolle Nachricht! Noch Karten erwischt und nichts wie hin! Was gab es Größeres, als den 'Prince of Darkness' live sehen zu können. Es war ein großartiger Auftritt und nein, es wurde keinem Tier auf der Bühne etwas zu Leide getan. Lediglich ein paar Wassersalven bekamen die vorderen Fans von der Bühne aus übers Haupt gegossen. Nun, Ozzy halt.
Ozzy, dein Lied "Never Say Die" war wohl auch dein Lebensmotto.
Aber nun hat dich der 'Fürst der Finsternis' persönlich abgeholt, um dich von deinen gesundheitlichen Leiden zu erlösen aber auch, damit du deinen Schabernack dort, wo du jetzt bist, weitertreiben kannst.
Dass Ozzy so alt wurde, hat wohl niemand geglaubt, er wohl am wenigsten. Der 'Ozzman' hat mich wirklich fast mein ganzes Leben begleitet. Schon die erste Musik-Kassette, die ich mit sechs Jahren mein Eigen nennen durfte, war die erste Black Sabbath–Scheibe …
Selbst in meinen größten Krach-Phasen kam immer wieder Ozzy oder Black Sabbath auf den Plattenteller. Auch wenn ich es nie geschafft habe, Ozzy Live zu erleben; entweder hat er grade das Konzert oder die ganze Tour abgesagt, oder ich war zu doof, mir Tickets im Vorfeld zu besorgen und stand dann vor ausverkaufter Halle; trotzdem habe ich dem 'Madman' immer die Treue gehalten.
Denn sind wir mal ehrlich, Ozzy oder seine alten Kumpane kann man immer hören. Auch wenn er Anfang der Zweitausender für viele Menschen nur eine Lachnummer war, die tollpatschig Hundescheiße in der Küche weggewischt hat ("The Osbournes", eine widerliche Zurschaustellung des alten Helden), für mich war er immer der Inbegriff des Wahnsinns, der mit seiner hellen, recht hohen Stimme mir immer wieder gezeigt hat, wer die wahre Stimme des Heavy Metals war und ist.
Nun bleibt uns nichts anderes, als den Madman weiter in unseren Herzen zu tragen. Um Ozzy zu zitieren: »Are you high???? So am I«.
Mach’s gut, alter Spaßvogel. Jetzt bist du wieder mit Randy (Rhoads) vereint. Und Alkohol und Drogen sind auf ewig für dich da … Genauso wie für uns deine Musik.
"Mama, I’m Coming Home" – Gedanken zu 'meiner Zeit' mit Ozzy
Gerade mal zwölf Jahre war ich alt, als ich mir mit Tommy von The Who mein erstes Rock-Album zulegte, schnell gefolgt von Uriah Heeps "…very 'eavy …very 'umble" und Salisbury sowie Pink Floyds Atom Heart Mother. Anfang der Siebziger halt und fast alle meine Freunde und Bekannten waren gut zwei oder drei Jahre älter als ich. Sozialisierten mich mit einer ganz anderen Art von Musik, als es bei einem Zwölfjährigen vielleicht üblich war.
Einer jener Freunde erzählte mir von dieser düsteren Band aus England mit schwerer harter Musik und spielte mir die Singleauskopplung von "Paranoid" vor. »Finished with my woman 'cause she couldn’t help me with my mind…« Kranker Scheiß! Nicht, dass es diesen Ausdruck damals überhaupt gegeben hätte. Nicht, dass ich eine Woman gehabt hätte, mit der ich auch noch hätte finishen können. Nicht, dass ich in der Lage war zu wissen, was paranoid überhaupt bedeutet. Aber die Textzeilen zogen mich ebenso in den Bann wie diese Gitarre, der hämmernde Rhythmus und dann auch noch diese ölige Stimme von dem Sänger. Ozzy, war sein Name!
Paranoid hieß dann auch das Album, das ich mir kurze Zeit später zulegte, schräges Cover, und so etwas ausgerechnet in einem Supermarkt im Emsland – ich weiß es wie heute. Was ich nicht mehr wie heute weiß, sind leider die frühen Sabbath-Konzerte, die unweigerlich folgten. Wie z. B. in Köln 1977, mit AC/DC und Jane, vanished in the haze, oder zu jung, um wirklich zu würdigen, was da passierte?
Fast forward, 1984, Karlsruhe, Wildparkstadion, Monsters of Rock. Wieder einmal Ozzy und AC/DC, diesmal aber eine andere Running Order mit den Australiern als Headliner. Ozzy selber ist schon längst bei Sabbath rausgeflogen, musiziert und tourt mit fantastischen anderen Herren, haut neue granatenhafte Songs raus. "Mr Crowley", relativ am Anfang des Sets in Karlsruhe, schießt mich einfach weg. "Bark At The Moon" und "Crazy Train", noch mehr kranker Scheiß! Ebenso Jake E Lee, der nur wenige Meter vor und über mir auf der Bühne steht. Ein begnadeter Gitarrist, wie auch nahezu ausnahmslos alle Musiker, die je für und mit Ozzy gespielt haben. Ich sag' nur Randy … Einige von denen habe ich später persönlich getroffen und hin und wieder mehr als nur eine gute Unterhaltung gehabt, sondern auch schon mal eine Nacht durchzecht. Und fast alle haben nur gut von Ozzy geredet (bis auf die Tatsache, dass er sich von Sharon die Hosen hat ausziehen lassen). Ich schweife ab…
Wieder fast forward, richtig weit, 30 Jahre oder so, Essen, Juni 2014, Stadion an der Hafenstraße, RWE-Territorium, viele Ozzy-Shows später, manche gut, leider aber auch einige eher weniger überzeugend. Heute mit Tony Iommi und Geezer Butler wie auch schon ein Jahr zuvor auf der Tour zu "13" wieder als Black Sabbath zusammen. "God Is Dead?", immer noch kranker Scheiß, fast vierzig Jahre später, Gänsehaut-Feeling. Mit dem Publikum im strömenden Regen zeigt uns Ozzy, was er immer noch kann und was er von seinen Fans hält: »You’re all wet. You know what, I’ll join you!« und gießt sich mal wieder einen Eimer Wasser über den Kopf. Für einen Spaß nie zu schade, zwar weniger wild, weniger crazy als früher, aber halt immer noch Ozzy. Nass und irgendwie sehr zufrieden geht es nach Hause.
Fast forward, zweieinhalb Jahre, das allerletzte Konzert von Black Sabbath in Deutschland, Zusatzkonzert, kurz vor dem offiziellen Ende im Februar in Birmingham. Und es ist das Beste, was Ozzy seit gefühlten 30 Jahren abgeliefert hat. Stimmlich so unfassbar auf der Höhe, dass es einem Schauer den Rücken rauf und runter zieht. Für die Final Show in Englands Black Country habe ich keine Karten bekommen, das wäre ein toller Trip mit meinen Kids geworden…
Anderthalb Jahre später wird bekannt, dass Ozzy wieder solo unterwegs sein will. Sobald der VVK beginnt, schlage ich zu, Golden Circle, Westfalenhalle, die Kinder und ich. Am Arsch. Eine nicht enden wollende Aneinanderreihung von Ereignissen zieht uns den Teppich und somit auch, im Hinblick auf Ozzys gesundheitlichen Zustand realistisch betrachtet, die Hoffnung unter den Füßen weg. Verschiebung wegen der unsäglichen Corona-Zeit, von 2020 nach 2021, von Dortmund nach Frankfurt, wieder abgesagt, erneut in Aussicht gestellt und am Ende ist klar, das wird nichts. Ozzy, dieser sympatische Chaot (bei der Doku-Soap "The Osbournes" leider allzu häufig ins Lächerliche gezogen, auch wenn viele Inhalte nachweislich gestellt waren) und begnadeter Entertainer, der für die Bühne und seine Fans geschaffen wurde, ist unheilbar krank. Das Abschiedskonzert vor wenigen Wochen macht es allzu deutlich – das wird nicht mehr. Trotzdem hätte ich gerne ein letztes Mal mit ihm zusammen gegrölt: »Generals gathered in their masses, just like witches at black masses…In the fields, the bodies burning, as the war machine keeps turning…« – kranker Scheiß!
Bin ich jetzt ein Fan? Im ureigenen Sinne des Begriffs wahrscheinlich nicht. Ich habe weder jedes Detail aus seinem Leben aufgesogen, so wie Tante Else die Berichte über die Royals in der Gala, noch alle seine Scheiben in jeder Ausführung, Bootlegs, Compilations, Promos und was auch immer gesammelt oder bin zu 156 Konzerten gereist. Ozzy war aber irgendwie immer da, für mich seit 1974. Die Vorstellung, dass es eines Tages mal nicht mehr so sein würde, existierte gar nicht. Es gab gute Zeiten und es gab schlechte Zeiten und es gab Phasen, da war ich empört darüber, wie die Kollegen Daisley und Kerslake behandelt wurden – Sharon lässt grüßen. Aber, wir müssen auch ehrlich sein, ohne Sharon hätte er wahrscheinlich noch nicht einmal die erste Trennung von Sabbath überlebt, wäre in irgendeinem heruntergekommenen Häuschen in England zu Grunde gegangen. Es gab Phasen eher mittelmäßiger Shows, zu denen ich trotz besseren Wissens gegangen bin – aus Respekt. Nach Birmingham wäre ich auch geflogen – trotz mehrerer parallel bedienten Rechner, hatte ich kein Glück bei den Tickets und muss "War Pigs" nun bei Judas Priest mitgrölen…
Ozzy, liebenswerter Madman, fare thee well!
'Ozzy ist tot'. Das klingt so unwirklich. Doch einmal musste diese Nachricht kommen. Aber so plötzlich nach dem letzten Konzert von Black Sabbath am 5. Juli 2025, wobei der offizielle Abschied für die Band schon viel früher stattfand: 2017.
Ozzy Osbourne war bis zuletzt ein Original. Er starb zehn Jahre nach Lemmy Kilmister, dessen Band Motörhead heuer ihren 50. Geburtstag begangen hätte. Derartige zeitliche Parallelen werden uns immer wieder begegnen.
Ozzy, wie man ihn als Fan nur nannte, sorgte als Sänger von Black Sabbath und als Solokünstler für Furore. Komisch: Nach einer Reunion 1999 sah ich ihn ein erstes Mal in Leipzig, es folgte 2005 ein zweites Konzert in München. Doch mit eigener Band bekam ich ihn nie zu sehen, weil Ozzy regelmäßig unpässlich war. Unrühmlicher Höhepunkt war die geplante Tour mit Judas Priest, die wegen immer neuer Gebrechen endgültig abgesagt werden musste. Meine für den 13. Februar 2019 in der Olympiahalle München erworbene Eintrittskarte gab ich deshalb später aus Enttäuschung zurück. Ich wollte unbedingt einmal Judas Priest wiedersehen. Mit Ozzy dazu schien mir das Paket als besonders reizvoll.
Mit seinen Fernsehauftritten in der Daily Soap konnte ich rein gar nichts anfangen. Das war für mich nicht Ozzy Osbourne, der Musiker. Aber die Familie gehörte schließlich immer mit dazu.
Trotz aller Eskapaden: Ich halte Ozzy Osbourne für einen ambitionierten, durch und durch ehrlichen Künstler, der sein Publikum ernst nahm. Medial stand er immer im Blickpunkt. So war er praktisch ständig unter uns. Gerade aus diesem Grund wird er uns fehlen. Konserve ja, aber das Original hat die Bühne verlassen!
Ich danke Ozzy Osbourne posthum für seine Lebensleistung als Musiker. Wann immer ich "Paranoid" von Black Sabbath hörte, so habe ich mich stets gefragt, was dieses Lied so einzigartig für mich macht. Es war immer ein persönlicher Favorit und wird es bleiben.
Als Black Sabbath und Ozzy Osbourne in Form des von einem Freund ausgeliehenen Compilation-Doppel-Albums "We Sold Our Soul For Rock’n’Roll" in mein Leben traten, war ich gerade mal zarte 14 Jahre alt geworden. Und umgehend schwer beeindruckt, denn was da aus den Boxen der elterlichen Stereoanlage in meine Lauscher schwappte, war schlicht und ergreifend vollkommen anders als alles andere, was ich davor so konsumiert hatte.
Teilweise tonnenschwere, fast bedrückende Stampfer, teilweise heftig nach vorne rockende Kracher, trotz aller Härte immer sehr melodisch, mit einem irgendwie grundsätzlich schwer melancholisch wirkenden Gitarristen, diesem donnernden und doch so groovenden Bass und einem Drummer, der etwas undefinierbar Einzigartiges (heute würde ich es als 'Swing' titulieren) hatte. Und über allem thronte diese so einzigartige Stimme, die aus Hunderten, ach was, aus Tausenden herauszuhören und erkennbar war.
Es dauerte noch ein paar Monate, bis ich die Kröten für mein erstes Black Sabbath-Album, nämlich Vol. 4, zusammengespart hatte – und davon dann komplett fasziniert war. In diesem Sommer 1982 hatte ich aufgrund eines Ferienjobs dann ein bisschen Geld in der Hand und hab mir bereits einen Monat später Ozzys zweites Solowerk Diary Of A Madman zugelegt. Oh Mann, anders, aber auch so verdammt gut! Und, um es kurz zu machen, haben mich Ozzy und Black Sabbath seitdem bis zum heutigen Tag begleitet. Ich bin zwar der Meinung, dass im musikalischen Lebenswerk des Engländers auch ein paar 'Stinker' dabei waren (Black Sabbaths "Never Say Die" oder auch einige Solowerke ab etwa Mitte der neunziger Jahre), aber klar war immer, dass der 'Madman' etwas ganz Besonderes war. Zumindest für mich und das war ja erstmal das Einzige, was zählte. Bei "The Osbournes" gab es zwar immer auch mal was zu lachen, aber leider hat sich der 'Prince of Darkness' damit auch so ziemlich zum Hampelmann gemacht. Können ein paar Millionen Dollar sowas aufwiegen?
Vollkommen egal, denn die Idee zu der Fernseh-Serie kam erstens mit Sicherheit nicht von Ozzy selbst, zweitens war es ihm abgesehen von den Kameras und einem ständig menschenvollen Haus so ziemlich sch…egal und drittens konnte und kann dieser Blödsinn die musikalischen Großtaten eines Ozzy Osbourne niemals überschatten. "Vol. 4" ist übrigens bis heute mein Lieblings-Album des Briten geblieben und befindet sich locker in meiner 'All Time Top25'-Liste von Rock-Alben. See you when I get there, brother. Then we’re "Flying High Again"!
Ozzy Osbourne ist für mich untrennbar mit Black Sabbath verbunden. Und zwar Black Sabbath mit ihren ersten fünf Alben bis Mitte der 1970er.
"Black Sabbath" und "Paranoid" waren zwei meiner ersten Vinylscheiben überhaupt und sind für mich Werke, die sich in einer imaginären Top 100 Rangliste ziemlich weit vorne befinden.
Als Teenager, oder eher, als angehender Teenager war diese Musik damals wie ein Einschlag aus einer anderen Welt. Neben Butler, Iommi und Ward war da natürlich diese Stimme Ozzys. Diese Stimme, die von zart bis hart alles drauf hatte. Zusammen mit den drei genannten Mannen an Bass, Gitarre und Schlagzeug ist das für mich bis heute DAS Line-up der britischen Rocker, egal welche großen Namen später bei Black Sabbath auch mitwirkten. Und gerne würde ich die alten Vinylscheiben noch einmal auf meinen damaligen Universum FV5521 legen …
Mit der Band und somit Ozzy geht es also weit zurück in meine Jugend und daher trifft einen so eine traurige Nachricht natürlich brutal. Nicht unbedingt unerwartet, aber wenn es passiert, dann trifft einen das.
Einige der späteren BS-Alben und auch einige seiner Platten ohne Black Sabbath sind zwar bekannt und auch diese Doku-Soap hatte ich mal angecheckt, aber wie bereits gesagt, meine Favs liegen weit in der Vergangenheit.
Allerdings habe ich auch Ausschnitte seiner letzten Show in seiner Heimatstadt Birmingham am 5. Juli gesehen und bin hin und her gerissen. Auf der einen Seite tut es weh, diese Legende sitzend und gezeichnet am scheinbaren Ende des Weges zu sehen. Auf der anderen Seite ziehe ich aber meinen Hut, denn die Stimme ist noch da. Und er hat das geschafft, was wohl die Allermeisten wollen, es aber nicht hinbekommen: Den Abschied von dieser blauen Kugel unvergesslich machen. Für sich und für alle Freunde.
»Times have changed and times are strange
Here I come but I ain’t the same
Mama, I’m coming home«
(lyrics by Lemmy)
Ich will ganz ehrlich sein. Tief berühren konnte mich das Ableben Ozzy Osbournes persönlich nicht unbedingt, als ich davon las – war ich doch wirklich nie ein Fan des Sängers. Gut, das Debütalbum von Black Sabbath erweckte 1970 durchaus mein Interesse, gilt es doch wohl auch als die Geburtsstätte des Heavy Metal. Doch war es nicht Sänger Ozzy, dem meine Aufmerksamkeit galt, denn als Fan von Gitarren zog doch eher Tony Iommi mit seinen Riffs mein Wohlwollen auf sich. Bis auf den Song "The Wizard", auf dem Ozzy die Mundharmonika gut integriert hatte. Erst später bemerkte ich seine Bedeutung innerhalb der Band – nämlich, als er diese 1977 verließ. Das wenige Interesse für Black Sabbath wurde mit dem weiteren Output der Band ohnehin weniger, weil mir bis heute nur das Debüt und allenfalls noch "Paranoid" gefallen.
Denn 1970 war bei mir musikalisch anders aufgestellt, mit Led Zeppelin, Jimi Hendrix, Deep Purple, King Crimson, Buddy Miles und ernsthaft zunehmendem Interesse an der durchstartenden Wandlung im Jazz. Bitches Brew von Miles Davis war angesagt.
Unabhängig davon bin ich mir im Klaren darüber, welche wichtige Rolle Osbourne in der Entwicklung von Hard Rock und nachfolgenden Genres gespielt hat, gerade auch durch seine besondere Präsenz und seine schillernde Persönlichkeit. Genau so etwas fehlt heute zunehmend und so etwas kann man nicht kopieren. Insofern war er eine Persönlichkeit der besonderen Art, ein Exzentriker seines Genres.
Aber der wichtigste zu berücksichtigende Aspekt ist letztlich der Verlust, von dem seine Familie betroffen ist. So darauf reduziert ist kein Star, sondern ein (hoffentlich) geliebtes Familienmitglied verstorben.
Ruhe in Frieden, Ozzy, und danke für das, was Du der Musikgeschichte hinterlassen hast durch das, was Du wesentlich mitgeprägt hast!
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Die folgenden Fotos sind von Wolfgang Gürster und zeigen Ozzy beim Monsters of Rock Mannheim am 31.08.1986 sowie am 01.09.1984 in Karlsruhe. Alle Bilder © Wolfgang Gürster
- Ozzy Osbourne Monsters of Rock Mannheim 31.08.1986 copyrights Wolfgang Gürster, www.rock-shot.com
- Ozzy Osbourne Monsters of Rock Mannheim 31.08.1986 copyrights Wolfgang Gürster, www.rock-shot.com
- Ozzy Osbourne Monsters of Rock Mannheim 31.08.1986 copyrights Wolfgang Gürster, www.rock-shot.com
- Ozzy Osbourne Monsters of Rock Karlsruhe 01.09.1984 copyrights Wolfgang Gürster, www.rock-shot.com
Die folgenden Fotos sind von Eva Louis und zeigen Ozzy in der Olympiahalle München 2007 und 2011.
Alle Bilder © Eva Louis
- Olympiahalle München, 28.06.2007
- Olympiahalle München, 28.06.2007
- Olympiahalle München, 28.06.2007
- Olympiahalle München, 28.06.2007
- Olympiahalle München, 28.06.2007
- Ozzy Osbourne, live 15.06.2011 München, Olympiahalle
- Ozzy Osbourne, live 15.06.2011 München, Olympiahalle
- Ozzy Osbourne, live 15.06.2011 München, Olympiahalle
- Ozzy Osbourne, live 15.06.2011 München, Olympiahalle
- Ozzy Osbourne, live 15.06.2011 München, Olympiahalle
- Ozzy Osbourne, live 15.06.2011 München, Olympiahalle
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- Ozzy Osbourne, live 15.06.2011 München, Olympiahalle
- Ozzy Osbourne, live 15.06.2011 München, Olympiahalle
- Ozzy Osbourne, live 15.06.2011 München, Olympiahalle
- Ozzy Osbourne, live 15.06.2011 München, Olympiahalle
- Ozzy Osbourne, live 15.06.2011 München, Olympiahalle
























3 Kommentare
Mario
29. Juli 2025 um 14:25 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
Eine außergewöhnlich erstaunliche Würdigung. Wie andere auch hatte ich nie das Vergnügen, Ozzy auf der Bühne zu erleben. Mir ist noch sehr gut in Erinnerung, dass ich Anfang 1970 im dänischen Radio – bei entsprechender Wetterlage in Kiel gut hörbar – das Stück „Evil woman“ einer damals neuen Gruppe hörte. Weitere Titel von Sabbath tauchten dann in den nächsten Monaten auch im Radio auf und im Sommer 1970 erstand ich die erste LP. Die Musik fand ich toll, ebenso das Cover und vor wenigen Tagen habe ich die Platte nochmals gehört, auch nach 55 Jahren klingt sie hervorragend und hat musikalisch noch immer denselben Reiz. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich, an manchen Musikstücken hat der Zahn der Zeit zu sehr genagt. Dann kam im September 1970 der Beat-Club, kurz nach dem Tod von Jimi Hendrix mit einer Wiederholung seines wohl ersten Auftritts im deutschen Fernsehen im damals 1967 in London aufgenommenen Beat-Club. Ein damaliger Freund von mir nahm den Ton der Sendung mit Mikro auf Tonband auf, es wurde auf mein Tonband überspielt und so konnten wir immer wieder die live im Studio aufgenommenen beiden Titel Iron man und Paranoid hören, beide für mich auch heute noch Meilensteine der Rockmusik, ebenso wie zwei Stücke von Status Quo in derselben Sendung. Die LP Paranoid erschien kurz darauf und mein Taschengeld reichte aus, um auch diese LP zu kaufen. Auch für mich gehören die beiden ersten LPs zu den besten der vergangenen Jahrzehnte. Aber für meinen Geschmack wurde es dann bei Sabbath und Ozzy dünner. Es kamen immer mal wieder hörenswerte Titel auf den LPs, aber vieles ging auch an mir vorbei. Gleichwohl habe ich mit viel Interesse eine Biographie von bzw. über Ozzy gelesen, sofern nur ein Teil seiner Geschichten der Wahrheit entspricht, hätte er maximal 50 Jahre alt werden dürfen. Den Konzertfilm vom letzten Auftritt in Birmingham habe ich gesehen und auch gespeichert, war allerdings ein wenig enttäuscht. Mir fehlten temporeiche Titel, mit Ausnahme von Paranoid hörte sich fast alles so schwerfällig an. Wesentlich besser gefiel mir ein ebenfalls im TV gezeigter Film über ein weiteres Treffen der Musiker nach diesem (vorläufig) letzten Auftritt. Abschließend noch eine Frage an die Leser: war jemand bei einem Konzert von Sabbath in Kiel Anfang Juli 1970 dabei? Seit Jahren geistert dieses Mini-Festival durch die Medien, es gibt ein Plakat, ich war damals nahezu täglich als Schüler in der Innenstadt von Kiel und habe von solch einem Konzert absolut nichts mitbekommen. Ansonsten war ich über die wenigen Besuche damaliger Rockmusiker in Kiel wie Steamhammer, Deep Purple, Free, Taste, Spooky Tooth und Soft Machine immer informiert und auch stets dabei.
Manni
27. Juli 2025 um 19:17 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
@Jochen:
als ich mir mit Tommy von The Who mein erstes Rock-Album zulegte, schnell gefolgt von Uriah Heeps "…very 'eavy …very 'umble" und Salisbury sowie Pink Floyds Animals. Anfang der Siebziger halt
Da ist dir was durcheinander geraten, die ’77er "Animals" passt chronologisch nicht zur ’69er "Tommy" und den Platten von Uriah Heep (’70 und ’71 erschienen)…
Fast forward, 1984, Karlsruhe, Wildparkstadion, Monsters of Rock
Na sowas 🙂
Da war ich auch, hab hier noch meine Eintrittskarte. Aber weder Mötley Crüe, Accept noch Ozzy haben mir gefallen. Ist halt so. Ich hab hier ein altes Bootleg aus 1970 aus Ansbach (US-Militärbasis) mit Black Sabbath, da war er hervorragend und das hört man trotz des schlechtes Klangs. Eins war er sicher: Ein Urgestein des Rock. Und genau das wird er für immer bleiben. Rest in Peace, John aka Ozzy!
Jochen
27. Juli 2025 um 21:19 (UTC 1) Link zu diesem Kommentar
@Manni – das ist vollkommen richtig – ich liebe Pink Floyd bis heute, und werfe trotzdem immer wieder Animals und Atom Heart Mother (da ist ja die Kuh drauf…) durcheinander, wenn ich sie nenne. Cheers für den aufmerksamen Hinweis!!! Jochen