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Devon Allman / The Blues Summit – CD-Review

Devon Allman - "The Blues Summit" - CD-Review

Wie dem Infoblatt der Plattenfirma ganz richtig zu entnehmen ist, war Devon Allman in den letzten zwanzig Jahren seiner Karriere sehr umtriebig. Fast wie ein Suchender, der sich aber auch nicht festlegen lassen will, veröffentlichte er seither vier Soloalben, zwei Scheiben mit seiner Band Honeytribe, drei weitere mit der Royal Southern Brotherhood und außerdem zusammen mit Duane Betts zwei Platten als Allman Betts Band. Dem Rezensenten sind zwar nicht alle Werke bekannt, aber der Output sowohl mit der Brotherhood, als auch der mit Betts ließ eigentlich kaum Schwachstellen erkennen. Mit "The Blues Summit" hat er nun ein neues Projekt am Start, wobei das bei diesen zehn neuen Tracks nicht ganz klar ist, da sie unter seinem Namen veröffentlicht wurden. Dafür hat er sich mit Justin Corgan (bass) sowie John Lum (drums) eine astreine Rhythmusabteilung, außerdem mit Jackson Stokes einen zweiten Gitarristen und mit John Ginty einen Keyboarder ins Boot geholt.

Aber natürlich waren auch jede Menge Gäste im Studio, von denen wohl Jimmy Hall (Ex-Wet Willie, Ex-Betts, Hall, Leavell, Trucks) am auffälligsten ist, der gleich für drei Tracks die Lead Vocals übernommen hat. Eröffnet wird das neue Album jedoch mit Devon am Gesang und dem cool groovenden "Runners In The Night", das unter anderem von Christone 'Kingfish' Ingram an der Lead-Gitarre veredelt wurde. Zwar kein mitreißender, dafür aber guter Opener. Im Anschluss tritt Jimmy Hall erstmals vor dem Mikro in Erscheinung und macht bei dem fein nach vorne rockenden "Blues Is A Feelin'" dazu noch eine richtig gute Figur. Wie auch bei dem direkt darauf folgenden "Peace To The World", das sich in Gospel-Gefilde wagt und dabei auch ganz gut abschneidet. "Real Love" wird dann von Sierra Green als soulige Ballade intoniert. Gut gesungen, fällt das Stück aber doch etwas ab. Dafür ist Allman für "After You" zurück an den Lead Vocals.

Zieht der Rezensent an der Hälfte der Platte angekommen ein Zwischenfazit, ist er fast ein bisschen enttäuscht. Das ist schon klasse eingespielt und auch Abwechslung ist durch die unterschiedlichen Lead-Sänger durchaus gegeben. Was jedoch fehlt, ist der letzte Funke, der dann tatsächlich Begeisterung auslösen würde. "Gettin' Greasy With It" ist abgesehen von den Shouts am Anfang ein funky Instrumental, das neben einem starken Groove von den Memphis Horns dominiert wird. Der Höhepunkt des Albums ist allerdings, und es ist fast schon bezeichnend, dass es sich dabei um ein Cover handelt, das Jimi Hendrix-Stück "Little Wing". Bezüglich des Arrangements deutlich an die Derek & The Dominos-Version angelehnt, hat Devon Allman hier seine stärksten Momente auf der Platte. Okay, der Song ist natürlich an sich schon überragend, aber der Amerikaner bringt ihn auch fantastisch. Vor allem steckt in dieser Nummer vom Feeling und Ausdruck mehr drin, als im kompletten restlichen Album.

Fairerweise muss gesagt werden, dass auch das letzte Stück, das zweite Instrumental "Midnight Lake Erie", sehr stark ist und Allman hier an der Lead-Gitarre ebenso überzeugt, wie bei "Little Wing". Eher getragen und sehr atmosphärisch schieben sich die Noten des Sechsaiters wie ein Lavafluss zäh, dafür aber sehr zielsicher nach vorne. "The Blues Summit" ist beileibe kein schlechtes Album, sondern grundsolide komponiert und eingespielt. Obwohl die Scheibe durchaus ihre Höhepunkte ("Little Wing", "Midnight Lake Erie" oder "Runners In The Night") hat und über Abwechslungsreichtum verfügt, fehlen letzten Endes einfach die richtig guten Songs. Vielleicht war es auch nicht die beste Idee, dass der gute Devon gerade mal für drei der zehn Tracks die Lead Vocals übernommen und sich mit fünf Beiträgen auch beim Songwriting vornehm zurückgehalten hat? Sinn machen würde das, falls es sich hier doch um ein neues Band-Projekt handeln würde, aber dann würde ich es unter anderem Namen rausbringen.

Gut und grundsolide, aber kein Überflieger!


Line-up Devon Allman:

Devon Allman (rhythm & lead guitars, lead & background vocals)
Jackson Stokes (lead & rhythm guitars)
John Ginty (keyboards)
Justin Corgan (bass)
John Lum (drums)

With:
Jimmy Hall (harmonica – #1,2, lead vocals – #2,3,7)
Sierra Green (background vocals – #1,2,4,7, lead vocals – #4)
The Memphis Horns (horns – #1,6,8)
Funky Butt Brass Band (horns – #3)
David Gomez (percussion – #2,6,8-10, saxophone – #6,10)
Christone 'Kingfish' Ingram (lead guitar – #1)
Robert Randolph (pedal steel – #3)
Mark Hochberg (strings – #4)
Larry McCray (lead guitar & lead vocals – #8)

Tracklist "The Blues Summit":

  1. Runners In The Night
  2. Blues Is A Feelin'
  3. Peace To The World
  4. Real Love
  5. After You
  6. Gettin' Greasy With It
  7. Wang Dang Doodle
  8. Hands And Knees
  9. Little Wing
  10. Midnight Lake Erie

Gesamtspielzeit: 45:26, Erscheinungsjahr: 2025

Über den Autor

Markus Kerren

Hauptgenres: Roots Rock, Classic Rock, Country Rock, Americana, Heavy Rock, Singer/Songwriter
Über mich
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Mail: markus(at)rocktimes.de

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