Bei Dzyan handelt es sich eigentlich um eine deutsche Krautrock-Band. Bei dieser Kopplung zweier Veröffentlichungen "Time Machine" und "Electric Silence" werden die damals zweite resp. dritte Langspielplatte vorgestellt. Die Band trat hier als Trio auf, das Debüt war noch als Quintett besetzt. Von dieser Urbesetzung blieb nur der Bassist Reinhard Karwatky. Und die Musik passte nun nicht mehr in das Genre Krautrock, denn mit dem Gitarristen Eddy Marron und dem Schlagzeuger Peter Giger waren zwei Musiker zugegen, die sich dem Jazz und dem Jazz Rock widmeten.
Der erste Song von "Time Machine" entführt mich gedanklich sogleich in den Orient, neben der Perkussion ist es vor allem die Saz, diese orientalische Langhalslaute, die diese Stimmung stark ausdrückt. "Kabisrain" ist ein Stück, das eigentlich über gar keine Struktur verfügt, es schwebt einfach vor sich hin, völlig gedankenverloren wirkend, eventuell auch als Soundtrack für einen entsprechenden Film recht gut geeignet, vielleicht für einen Film von Wim Wenders, ein Road-Movie durch eine Wüste?
Mit "Magika" verhält es sich dann etwas anders. Das ist Jazz Rock pur, so, wie er sich in der Regel in den siebziger Jahren zunehmend und breitflächig etablierte. Hier allerdings ist klar die europäische Spielart zu vernehmen, wie seinerzeit in Richtung Toto Blanke oder Wolfgang Dauner und anderen. Das heißt, der für US-amerikanische oft eher typische Funk-Einfluss ist nicht zu finden, dafür jedoch durchaus die noch ein wenig ausgeprägte Tendenz zum Krautrock sowie noch viele freie Passagen, die sich am ersten Song orientieren.
Nach dem etwas ruhigeren "Light Shining Out Of Darkness", hier erinnert mich die Stimmung ein wenig an das damalige Mahavishnu Orchestra, folgt der mit fast achtzehn Minuten lange Titelsong. Hier erklingt ein wahres Potpourri ganz verschiedener stilistischer Ausprägungen. Folkloristisch-ethnische Strukturen treffen auf flirrenden Jazz Rock, mit dem die Nummer dann auch sogleich eingeleitet wird. Eddy Marron spielt eine recht wilde Gitarre, bevor die Stimmung dann umschlägt in einen kurzen ruhigen Part, und das wechselt sich ständig ab innerhalb der langen Spielzeit. Ein wenig schleichen sich auch psychedelische Einflüsse ein, doch Hauptbestandteil bleibt im Grunde genommen recht frei gespielter Jazz Rock mit dem gewissen Etwas.
Die 'Last' des Solierens bleibt an Marron hängen, Giger spielt jedoch auch sehr frei und gestaltend, sodass Karwatky mit seinem zupackenden Bass-Spiel gewissermaßen das Rückgrat bildet. So wundert es mich, dass diese Platte seinerzeit, 1973 wurde sie eingespielt, nicht mehr Resonanz in Jazz Rock-Kreisen fand. Nun, insgesamt ist die Musik recht frei und vielleicht hatten sich viele auch auf Krautrock eingestellt und konnten mit der präsentierten Instrumentalmusik nicht unbedingt viel anfangen. Und möglicherweise war die Musik für einige Jazz Rocker auch zu frei?
"Electric Silence" ist das zweite Album dieser CD, im Oktober 1974 fanden die Studioaufnahmen statt. Nun finden wir sechs Songs vor, die bis auf zwei im Verhältnis kürzer sind mit vier bis fünf Minuten. Was hatte sich nun verändert? Nicht die Besetzung, sondern das Instrumentarium wurde etwas erweitert, man packte noch einige Keyboards hinzu. So startet auch "Back To Where We Come From" wiederum ein wenig frei von festen Strukturen, schwebt dahin, ich spüre ein wenig ein gewisses Quäntchen Pink Floyd, meditative Elemente durchziehen die Musik, hier spüre ich dann doch wieder ein wenig 'Rest-Kraut'.
Insgesamt empfinde ich die Musik auf "Electric Silence" einheitlicher, obwohl sich immer wieder besondere Assoziationen anbieten. Mit dem Einsatz der Sitar auf "A Day In My Life" wähne ich mich bei der Band Oregon, wobei die ganze Art des Songs in jene Richtung strebt. "The Road Not Taken" wirkt ein wenig verloren, wie eine Art Übungsstück, "Khali" strahlt eine klare weltmusikalische Stimmung aus. Letztlich muss ich jedoch feststellen, dass der für das Vorgängeralbum eher typische Jazz Rock weitestgehend entschwunden war, lediglich auf "For Earthly Thinking" flackert er noch einmal ein wenig auf und der Titelsong ist auch eher in die Jazz Rock-Schublade zu stecken.
Jedenfalls verstanden es die drei Musiker, ihre Besonderheiten prägend einzubringen, zu pflegen und miteinander hervorragend zu verflechten.
Line-up Dzyan:
Eddy Marron (6 and 12-string guitars. acoustic guitars, zàz, vocals, sitar, tamboura, mellotron, voice)
Reinhard Karwatky (electric bass, double bass, super string , mellotrone, synthesizer)
Peter Giger (drums, percussion)
Tracklist "Time Machine (#1-4) & Electric Silence (#5-10)":
- Kabisrain (7:59)
- Magika (8:45)
- Light Shining Out Of Darkness (3:13)
- Time Machine (17:50)
- Back To Where We Come From (8:59)
- A Day In My Life (4:04)
- The Road Not Taken (4:55)
- Khali (4:56)
- For Earthly Thinking (9:40)
- Electric Silence (4:30)
Gesamtspielzeit: 74:52, Erscheinungsjahr: 2025 (1974, 1975)



Neueste Kommentare