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En Route, Boys / En Route, Boys – CD-Review

En Route, Boys / En Route, Boys - CD-Review

Die drei Kanadier Alexandre Gariépy, Marc-Antoine McMullen und Clément Desjardins kommen aus Quebec, Kanada, was ihre Namen wie auch den Albumtitel erklärt, denn dort wird überwiegend Französisch gesprochen. Musikalisch unterwegs sind die Boys mit einer Mischung aus Ambient, Jazz, und Klanglandschaften, die eigentlich zeit- und ortlos durch den Äther schwirren. Viel erfahren bzw. finden über die Band kann ich nicht, denn außer auf dem mir nicht zugänglichen Instagram scheinen sie nicht vernetzt zu sein. Was den Bandnamen angeht, so informiert der Begleitzettel, ist dieser eine Anspielung auf den Schriftsteller Hunter S. Thompson und dessen Werk über den Motorradclub Hell’s Angels: Nordamerikanische Gegenkultur, die Straße und offene Landschaften als kreative Kraft

Musikalisch kann ich damit konform gehen, denn erst einmal sind keine Regeln zu erkennen, außer dass das Trio zeitlos agiert. Moderne Soundscapes treffen auf altbekannte und bewährte Muster und wenn sich Synthesizer und Saxofon umgarnen und sich beide Instrumente wohlfühlen, setzt das Gitarrenspiel noch einen drauf. Wer allerdings für welches Instrument steht, ist dem DigiSleeve leider nicht zu entnehmen und bei Insta habe ich, wie erwähnt, keinen Account.

Gleich "Sapporo (1L)"  vermittelt das Gefühl von unbekümmertem Vorwärtsdrang, denn es geht rhythmisch mächtig durch eine teils wilde und teils sanfte Ambient-Landschaft. "Muted California Sunshine" – allein der Name dieses Titels sollte neugierig machen. Tribaler Rhythmus zu zurückgenommenem Gitarrenspiel und glockenklarer Elektronik transportieren den Songtitel ins Musikalische. Überhaupt hat der Dreier enorme Fähigkeiten, was den Einsatz der Instrumente angeht – so ist das Saxofon fast zärtlich unterwegs und im Spiel mit der durch allerlei Effekten versetzten Gitarre, die ansonsten nie aufschreit oder nach vorne drängt, strotz dieses Debüt der Kanadier durch angenehme Spannung und Dramaturgie.

Da scheint mal ein Schiffshorn dezent neben einer Trompete zu furzen (kein Verschreiber), ein Rhythmus per Snare Drum stoisch allerlei Gewusel zu begleiten und selbst wenn es wie in "Outremonde" wieder mit Verve vorwärts geht, so hat man stets das Gefühl, entspannt hinter dem Volant eines Hubraummonsters zu sitzen, die mächtigen Heckflossen im Rückspiegel in der Abendsonne leuchten zu sehen, wärend man überlegt, ob da eine echte Slidegitarre ab und an über die Straße fegt. Immer wieder muss man anerkennen, wie genial sich Schlagwerk (ob nun echt oder eher nicht) und Saxofon durch eine emotional aufgeladene Klanglandschaft  gegenseitig antreiben und dem Hörer trotzdem das Gefühl von absoluter Entspanntheit vermitteln.

"Wise Men Fish Here" startet mit ein paar hingeworfen Wortfetzen, zu denen die Elektronik die passende Untermalung liefert. Sprachfetzen tauchen auch im weiteren Verlauf des Stückes auf und auch die erzeugten Geräuschen vermitteln hier das Gefühl einer moderneren Komposition, wobei auch das nur so wirkt, denn wie bereits erwähnt, gib es auf "En Route, Boys" keine Stile, die man zeitlich korrekt zuordnen könnten. Es ist zum einen nicht nicht gewollt und zum anderen auch nicht möglich, denn alles ist in einem Fluss ohne Regeln und man treibt mit, wohin die Reise auf geht. Ein feines Debüt …


Line-up En Route, Boys:

Alexandre Gariépy
Marc-Antoine McMullen
Clément Desjardins

Tracklist "En Route, Boys":

  1. Sapporo (1L)
  2. Muted California Sunshine
  3. Confusion-Collision
  4. Outremonde
  5. Jesus, Boher
  6. En passant (bienvenue-demain-peut-etre-que)
  7. Wise Men Fish Here
  8. L’heure d’été

Über den Autor

Ulli Heiser

Hauptgenres: Mittlerweile alles, was mich anspricht
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